Freitag, 10.02.2012

Panagiotis Vlachodimos im Interview

Ein Shootingstar aus Griechenland

Panagiotis Vlachodimos gilt als eines der größten Talente der griechischen Liga. Der 20-jährige Flügelstürmer, der aus der Talentschmiede des VfB Stuttgart kommt, spielt seit dieser Saison für Skoda Xanthi (aktuell Tabellensechster). Bei SPOX spricht Vlachodimos über sein Leben in Griechenland, seine Ziele, seinen Bruder und DFB-Junioren-Keeper Odisseas Vlachodimos sowie sein Vorbild Cristiano Ronaldo.

Das Siegtor von Panagiotis Vlachodimos gegen Olympiakos Piräus
© Imago
Das Siegtor von Panagiotis Vlachodimos gegen Olympiakos Piräus

SPOX: Panagiotis, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Siegtor für Xanthi vor wenigen Wochen gegen Olympiakos Piräus. War das der schönste Moment Ihrer Karriere bislang?

Panagiotis Vlachodimos: Es war auf jeden Fall einer der schönsten Momente, ganz klar. Ich wollte in dem Spiel unbedingt treffen. Als ich dann tatsächlich das Tor geschossen habe, konnte ich es anfangs selbst nicht glauben. Das war einfach ein super Gefühl. Die Medien in Griechenland haben viel darüber geschrieben. Ich habe es am nächsten Tag noch ein wenig genossen und dann habe ich mich wieder auf die neuen Aufgaben konzentriert.

SPOX: Sie sind beim VfB Stuttgart groß geworden. Wie hat es Sie denn nach Griechenland zu Xanthi verschlagen?

Vlachodimos: Ich habe in der zweiten Mannschaft des VfB gespielt, aber unter Jürgen Seeberger habe ich leider kaum Spielanteile bekommen. Ganz ehrlich: Ich weiß auch nicht genau warum. Umso schöner war es, als Kostas Konstantinidis (Sportdirektor von Xanthi und ehem. Bundesliga-Spieler bei Hannover, Hertha BSC und Köln, Anm. d. Red.) mich beobachtet und mir das Angebot gemacht hat, nach Griechenland zu kommen. Ich habe die Chance erhalten, mich in der ersten griechischen Liga zu beweisen und bis jetzt hat es ganz ordentlich funktioniert.

SPOX: Es muss aber sehr geschmerzt haben, dass es beim VfB, wo Sie eben aufgewachsen sind, nicht weitergegangen ist, oder?

Vlachodimos: Es war sehr schwer für mich. Kein Spieler sitzt gerne auf der Bank - und ich bin wirklich vom Typ her jemand, der immer unbedingt spielen will. Ich habe im Training mein Bestes gegeben, aber trotzdem habe ich keine reelle Chance mehr bekommen. Es ist schade, dass es so auseinander gegangen ist. Es wäre mein Traum gewesen, beim VfB den nächsten Schritt zu machen. Leider hat das nicht geklappt. Ich möchte mich aber dennoch erneut beim VfB für die tolle Ausbildung in den zehn Jahren bedanken, die mich sehr weit nach vorne gebracht hat.

SPOX: Ihr 17 Jahre alter Bruder Odisseas ist noch beim VfB. Ist er der nächste starke junge Torwart, der beim VfB raus kommt nach Sven Ulreich und Bernd Leno?

Vlachodimos: Ich traue es ihm auf jeden Fall zu. Er hat die Klasse dazu. Er ist sehr stark auf der Linie, er hat tolle Reflexe und ist auch fußballerisch stark. Er hat alles, was ein moderner Torwart haben muss.

U-17-Star - und dann?
Nii Lamptey wurde 1991 als bester Spieler der U-17-WM ausgezeichnet. Er galt als eines der größten Talente der Geschichte, konnte den Ewartungen aber nie gerecht werden
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Daniel Addo war der beste Spieler der U-17-WM 1993. Der Ghanaer spielte von 1995 bis 2002 in Deutschland, u.a. für den KSC
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Sergio Santamaria sicherte sich 1997 den Titel des besten Kickers der U-17-WM. Zur ganz großen Karriere reichte es nicht
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Landon Donovan wurde bei der U-17-WM 1999 der goldene Ball verliehen. In Europa setzte er sich jedoch nie durch
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DaMarcus Beasley gewann 1999 den "Silver Ball" bei der U-17-WM. Für Hannover machte er 10/11 nur vier Spiele
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Bester Spieler und mit neun Toren bester Torschütze der U-17-WM 2001: Florent Sinama-Pongolle. Und dann? Von 2008 bis 2011 spielte er für fünf verschiedene Vereine
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Hinter Cesc Fabregas war der Brasilianer Evandro Roncatto (r.) bei der U-17-WM 2003 der zweitbeste Akteur. Wer kennt ihn?
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Bei der U-17-WM 2005 der beste Spieler: Anderson, der im Sommer 2007 für 31,5 Millionen Euro vom FC Porto zu ManUnited wechselte
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Nuri Sahin wurde 2005 zum drittbesten Spieler der U-17-WM gekürt. 2011 wechselte er von Dortmund zu Real Madrid
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2007 war Toni Kroos bester Spieler des U-17-WM-Turniers. Sein Durchbruch ließ aber ein paar Jahre auf sich warten
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Macaulay Chrisantus war 2007 zweitbester Nachwuchskicker und mit sieben Treffern bester Torschütze der U-17-WM. Beim HSV konnte er sich nicht durchsetzen
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Bojan Krkic landete bei der Wahl zum Spieler der U-17-WM 2007 auf dem dritten Rang. Stammspieler wurde er bei Barca nicht
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Bei der U-17-WM 2009 wurde der Nigerianer Sani Emmanuel zum besten Spieler gewählt, bester Torschütze war aber Spaniens Borja (5 Treffer). Aktuell ist er von Atletico Madrid an Murcia ausgeliehen
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Julio Gomez wurde bei Mexikos Titelgewinn bei der U-17-Heim-WM 2011 zum besten Spieler des Turniers gewählt. Noch spielt er in Mexiko für Pachuca
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SPOX: Ihr Bruder spielt in den Junioren-Teams des DFB, Sie spielen dafür in der U21 von Griechenland. Sie haben auch beim aufregenden 5:4-Sieg von Deutschland in der EM-Quali zum zwischenzeitlichen 4:4-Ausgleich getroffen. Was ist denn der Grund dafür, dass Sie nicht für Deutschland spielen?

Vlachodimos: Das ist ganz einfach zu erklären. Der DFB hat sich für meinen Bruder interessiert, also spielt er für Deutschland. Und Griechenland hat sich für mich interessiert, also spiele ich für die Griechen. Es wäre natürlich klasse, wenn wir uns irgendwann mal gegenüber stehen könnten. (lacht)

SPOX: Wie kann man sich Ihr Leben in Xanthi vorstellen? Besonders groß ist die Stadt ja nicht.

Vlachodimos: Das stimmt. Es ist ganz anders als in Stuttgart. Es ist nicht so viel los hier. Es ist schon ziemlich ruhig. (lacht) Aber dafür ist es sehr familiär. Die Leute grüßen einen auf der Straße, es ist sehr angenehm. In unser Stadion passen vielleicht so 8000 Zuschauer - wenn aber einer der großen Vereine wie etwa Olympiakos kommt, ist es auch voll. Bei den anderen Spielen ist es vielleicht zur Hälfte gefüllt, das hängt auch viel vom Wetter ab.

SPOX: Hier in Deutschland ist Griechenland seit geraumer Zeit ja nur noch negativ in den Schlagzeilen. Stichwort: Finanzkrise. Was bekommen Sie denn in Xanthi davon mit?

Vlachodimos: Es hört sich für die Menschen in Deutschland, die in den Nachrichten so viel Negatives über Griechenland und die Lage hier hören, wahrscheinlich etwas komisch an, aber ich bekomme davon in Xanthi nur relativ wenig mit. Dass liegt auch daran, dass sich mein Leben hauptsächlich auf dem Fußballplatz abspielt und ich mich darauf konzentriere. Aber natürlich weiß ich, wie schwierig die allgemeine Situation in Griechenland gerade ist.

SPOX: Sie haben sich mit Ihren guten Leistungen schon für größere Klubs interessant gemacht. Wie sieht Ihre Karriereplanung aus?

Vlachodimos: Wenn Angebote kommen sollten, höre ich mir alles an. Ich bin noch jung und für alles offen. Es ist natürlich mein großes Ziel, einmal in einer der Top-Ligen zu spielen. Ob das die Bundesliga ist, oder in England, Italien oder Spanien. Im Moment konzentriere ich mich aber erst mal nur darauf, die Saison mit Xanthi so erfolgreich wie möglich zu Ende zu spielen.

SPOX: Was wäre denn Ihr Traumklub?

Vlachodimos: Real Madrid. Ich bin auch ein großer Fan von Cristiano Ronaldo. Ich mag einfach die Art, wie er Fußball spielt. Dass er die ganze Zeit der Beste sein und Tore schießen will. Mir macht es Spaß, ihm zuzuschauen.

Interview: Florian Regelmann

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Panagiotis Vlachodimos gilt als einer der Shootingstars der griechischen Liga. Der 20-jährige Flügelstürmer über seinen Traumklub, seinen Bruder beim VfB und die Finanzkrise.

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