"Leitner und Volland zeigen mir den Weg"

SID
Donnerstag, 23.02.2012 | 11:07 Uhr
Mike Ott gewann mit der B-Jugend des TSV 1860 München die bayerische Hallenmeisterschaft
© spox
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Er lebt den Traum eines jeden Teenagers - aber ist es wirklich ein Traum? Spielmacher Mike Ott gehört zu den großen Hoffnungen der Nachwuchsschmiede des TSV 1860 München und schreibt bei SPOX über das Leben eines Fußball-Talents. Was beschäftigt ihn? Was lässt ihn jubeln? Wie geht er mit dem Druck um? Heute: Mike erzählt, wie sein Team um die deutsche Meisterschaft mitspielt - und von wem er sich was abschaut.

Hallo liebe SPOX-Leser,

nach der Winterpause wollte ich mich wieder bei Euch melden und erzählen, was in den letzten Wochen alles passiert ist. Es war schon hart, sich bei Temperaturen von bis zu Minus 15 Grad auf die Rückrunde vorzubereiten. Dass es sich dennoch rentiert hat, sehen wir jetzt.

Schon beim ersten Härtetest sahen wir, dass wir auf einem guten Weg sind: Bei den Bayerischen Hallenmeisterschaften gewannen wir für 1860 München den Titel bei der B-Jugend - und ich wurde mit sechs Treffern Torschützenkönig.

Und auch in den ersten beiden Spielen der Rückrunde ging es klasse weiter. Gegen den FSV Frankfurt gewannen wir zum Start 3:1, am letzten Wochenende gelang uns ein 4:0 in Freiberg.

Für mich lief es ebenfalls klasse, unter anderem mit einem Dreierpack in Freiberg, so dass ich nach 18 Spielen bei 15 Toren stehe. Es hätten sogar mehr sein müssen, wenn ich die Chancen besser genutzt hätte, dennoch ist die Quote okay. Ich weiß aber auch: Am Ende im meine Ausbeute völlig uninteressant.

Wir haben nur ein Ziel im Kopf: In der Abschlusstabelle der Bundesliga Staffel Süd/Südwest den ersten oder zweiten Platz zu belegen, um sich für die deutschen Meisterschaften zu qualifizieren. Daran dürfen nur die vier besten B-Jugend-Mannschaften Deutschlands teilnehmen.

Derzeit liegen wir auf dem zweiten Platz, nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter Eintracht Frankfurt. Entsprechend spannend wird es am Sonntag, wenn wir bei der Eintracht antreten. Drückt uns die Daumen!

Mein Fokus richtet sich ausschließlich auf die Schule und 1860 München. Deswegen habe ich zusammen mit meiner Familie entschieden, die Einladung der philippinischen U-21-Nationalmannschaft erst einmal nicht anzunehmen. Die U 21 hat mit Zoran Djordjevic einen neuen Coach, der sich als erstes vor Ort ein Bild von den Kandidaten machen wollte. Ich hätte mich gerne vorgestellt. Das Problem: Eine Reise auf die Philippinen lässt sich einfach nicht mit den anderen Verpflichtungen vereinbaren. Schade, aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Für mich ist klar: Ich werde alles daran setzen und so hart wie möglich trainieren, damit es so erfolgreich weitergeht. Ich werde manchmal gefragt, warum ich überhaupt so gerne bei den Löwen spiele, obwohl sie doch kein Geld hätten.

Die Leute lesen natürlich, was im Internet und in den Zeitungen steht: Dass mit Jürgen Jung unser Nachwuchschef zum FC Bayern geht. Oder dass die zweite Mannschaft aus Kostengründen auf zwölf U-20-Spieler verkleinert und der Kader aufgefüllt wird mit Jugendspielern und Ersatzspielern der Profis.

Ich kann für mich sagen: Ich fühle mich weiterhin pudelwohl bei 1860. Vielleicht hat der Verein wenig in der Kasse, aber im Gegensatz zu den anderen Vereinen weiß ich genau, dass hier auf die Jugend gesetzt wird.

Ich glaube: Bei keinem anderen Profiklub ist die Durchlässigkeit zu den Profis so hoch wie hier. Deswegen sind wir auch doppelt motiviert. Wenn wir unsere Leistung bringen, hat jeder die Chance, in zwei, drei Jahren in der 2. Liga reinzuschnuppern.

Wie schnell das gehen kann, sehe ich bei Moritz Leitner und Kevin Volland. Ich kenne beide sehr gut, weil sie mit meinem großen Bruder Manuel eng befreundet sind. Sie haben zusammen viele Jahre in der 1860-Jugend verbracht.

Plötzlich sehe ich Moritz im Fernsehen, wie er erst bei unseren Profis den Durchbruch schafft und jetzt für Dortmund spielt. Oder wie Kevin Woche für Woche in der 2. Liga zeigt, wie gut er ist. Sie sind beide zwar andere Spielertypen als ich, deswegen würde ich sie nicht als Vorbilder bezeichnen. Aber sie zeigen mir und den Mitspielern den Weg, der bei 1860 München möglich ist.

Euer Mike Ott

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