Montag, 08.11.2010

Bayern-Jugendscout Michael Tarnat im Interview

Tarnat: "Würden nie einen Elfjährigen kaufen"

Sechs Jahre spielte er für den FC Bayern München, jetzt ist Michael Tarnat Jugendscout beim deutschen Rekordmeister. Im Interview mit SPOX spricht der 41-jährige Ex-Nationalspieler über seinen neuen Job, Youtube-Star Noah Shawn und die Grenzen im Kampf um die besten Talente.

Michael Tarnat lief 122 Mal in der Bundesliga für die Bayern auf - heute kickt er noch bei den All Stars
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Michael Tarnat lief 122 Mal in der Bundesliga für die Bayern auf - heute kickt er noch bei den All Stars

SPOX: Michael Tarnat, Sie sind seit über einem Jahr Jugendscout bei Bayern München. Wie gefällt Ihnen der Job?

Michael Tarnat: Sehr gut. Es macht mir viel Spaß und ich hoffe natürlich, dass ich irgendwann die Talente  entdecke, die irgendwann bei den Profis anklopfen wie Holger Badstuber oder Thomas Müller. Man darf dabei natürlich nicht vergessen, dass wir schon einige Talente bei uns in den Jugendmannschaften haben.

SPOX: Haben Sie mit dem Job als Jugendscout Ihre Berufung gefunden oder soll es dann doch noch der Trainerschein werden?

Tarnat: Man weiß nie, was in fünf, sechs Jahren ist. Mein Wunsch war immer, nach meinem Karriereende im Jugendbereich zu arbeiten. Daran habe ich viel Spaß. Aktuell ist es für mich kein Thema, als Trainer zu arbeiten.

SPOX: Wie kann man sich einen normalen Tag als Jugendscout vorstellen?

Tarnat: Zu Beginn der Woche erstellen wir Pläne, welche Spieler wir an welchen Tagen beobachten. Wenn wir einen Jungen zum Probetraining einladen, nehmen wir ihn unter der Woche in den Einheiten unter die Lupe. Am Wochenende schauen wir uns Spiele an. Wir beobachten die Spieler, wie sie sich im Training und im Umfeld verhalten, um dann zu erkennen, wer das Potenzial hat, irgendwann bei Bayern München zu spielen.

SPOX: Auf was achten Sie bei der Talentsuche am meisten? Worauf schaut man bei einem Zehnjährigen?

Tarnat: Hauptsächlich auf Spielwitz, Technik und Durchsetzungsvermögen. Man erkennt relativ schnell, ob der beobachtete Junge Fußball spielen kann. Er muss vor allem auch Spaß dabei haben. Wichtig ist zudem das Verhalten gegenüber den Teamkollegen. Wir gehen der Frage nach, wie sich ein Spieler verhält, wenn es mal schlecht läuft. Feuert er seine Mitspieler an oder lässt er den Kopf hängen?

SPOX: In welchem Radius bewegen Sie sich bei Ihren Beobachtungen? Gibt es da abgesteckte Grenzen?

Tarnat: Bayern München scoutet in ganz Deutschland. Mein Aufgabengebiet bezieht sich auf ganz Bayern und auf Österreich.

SPOX: Wie kann man sich das Scouting vorstellen? Wie kommt man auf einen bestimmten Spieler, den man genauer beobachtet?

Tarnat: Wir haben viele Regionalscouts in München, die vorab beobachten. Die kommen immer Anfang der Woche zu uns und erzählen, wer ihnen aufgefallen ist. Danach schaue ich mir, mal alleine, mal mit einem Trainer, den Jungen an. Dann wird entschieden, ob wir ihn zu einem Probetraining einladen. Wenn es optimal läuft, kann er dann auch direkt für die nächste Saison verpflichtet werden.

SPOX: Das kann also alles sehr schnell gehen.

Tarnat: Ja. Wenn man einen guten Spieler sieht, bei dem man das Potenzial erkennt, dann muss man schnell reagieren. Die Konkurrenz schläft nicht. Es gibt Phasen, in denen Talente rar gesät sind. Da muss man schnell  die richtige Entscheidung treffen.

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Das Jahrhundertspiel gegen Italien im Halbfinale: Müller erzielt in der Verlängerung zwei Tore - trotzdem verliert Deutschland 3:4
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Trikottausch mit Giacinto Facchetti (l.) nach dem Spiel der Spiele im Aztekenstadion
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Schnäuzer-Alarm! Müller 1973 bei einem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande in Gelsenkirchen
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Zeit zum Relaxen: Uschi und Gerd im Urlaub auf Sardinien 1974
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Der Schuss für die Ewigkeit: Müllers 2:1-Siegtor gegen die Niederlande im WM-Finale 1974
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Müller danach, wie immer gradheraus: "Und plötzlich war der Ball drin."
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Der Sinnspruch, der auch heute noch gilt: "Wenns'd denkst, is' eh zu spät!"
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Der Bomber samt Pokal bei der Ehrenrunde durchs Münchener Olympiastadion
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Die 74er-Weltmeister im Freudentaumel: Müller mit Wolfang Overath (l.) und Jürgen Grabowski (r.)
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1979 zog Gerd Müller mit Ehefrau Uschi nach Florida und unterschrieb einen Vertrag bei den Fort Lauderdale Strikers
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Drei Jahre spielte Gerd Müller in Florida Fußball. Hier im Bild seine Tochter und Ehefrau im Hafen von Fort Lauderdale
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Leider hatte Müller mit seinen Geschäften außerhalb des Fußballs weniger Glück. Schon bald sollte ihn die Alkoholsucht ereilen
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Uli Hoeneß ließ seinen alten Kumpel aber nicht fallen und verschaffte Müller einen Job als Co-Trainer bei den Bayern Amateuren
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Thomas (l.) und Gerd Müller haben mehr als nur ihren Namen gemeinsam. Der Youngster lässt den Namen Müller wieder neu aufleben
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SPOX: Wer ist beim FC Bayern Ihr Ansprechpartner, wenn sie ein Talent entdeckt haben?

Tarnat: Zuerst versuchen die Scouts mit den Eltern in Kontakt zu kommen. Danach rufen Hermann Hummels oder ich die Eltern an und laden den Jungen zu einem Probetraining ein. Wenn wir uns dann entscheiden, ihn über einen längeren Zeitraum zu begleiten, setzen wir uns mit den Eltern und seinem Trainer zusammen und teilen ihnen mit, dass wir uns den Jungen bei Bayern München vorstellen können. Die Entscheidung liegt dann letztendlich beim Jungen und der Familie, ob sie das auch wollen.

SPOX: Wie nah sind Sie an den jeweiligen Mannschaften des FC Bayern dran?

Tarnat: Ich bin fast jeden Abend an der Säbener Straße, schaue mir die Trainingseinheiten an und ab und zu die Spiele. Ich versuche, mir ein möglichst genaues Bild von allen unseren Mannschaften zu machen. Ich muss über alle Jugendmannschaften informiert sein, egal ob U 8 oder U 19. Wenn ich unterwegs bin, versuche ich schließlich Spieler zu finden, die noch besser sind als die, die wir haben.

SPOX: Stehen Sie auch mit den Profis oder Louis van Gaal in Kontakt?

Tarnat: Die Profimannschaft ist nicht mein Aufgabengebiet. Unser Juniorteam steht in enger Zusammenarbeit mit den Amateuren, die Profis laufen separat. Ich beobachte ausschließlich die Jugend. Mit den Trainern der Profis haben wir Kontakt, eher aber mit van Gaals Assistent Andries Jonker. Mit ihm haben wir auch Fortbildungen, wenn es um die Spielphilosophie  geht. Mit Andries tausche ich mich oft aus. Er hat viel Ahnung im Umgang mit Jugendspielern.

SPOX: Spielt die Philosophie dann auch schon eine Rolle beim Scouting im Jugendbereich?

Tarnat: Es wäre übertrieben zu sagen, dass wir beispielsweise gezielt einen Rechtsverteidiger für die U 12 suchen. Wir schauen primär auf die fußballerischen Qualitäten. Ab der U 15 fangen wir spezifisch an, auch nach Spielern für eine bestimmte Position zu suchen. Fußballerische Fähigkeiten und soziales Verhalten auf und neben dem Platz sind aber eher die Maßstäbe beim Scouting.

"Ja, ich kenne ihn. Das sieht natürlich toll aus. Aber ich beobachte und beurteile ihn nach dem, was er im Spiel und im Training zeigt. Er kommt nicht auf den Platz und fällt über den Ball, das ist klar."

Tarnat über Youtube-Sensation Noah Shawn

SPOX: Die jungen Spieler werden immer früher gescoutet. Jüngstes Beispiel war der FC Chelsea, der einen Elfjährigen verpflichtet hat. Was halten Sie von dieser Entwicklung?

Tarnat: Das Problem ist, dass es viele Vereine gibt, die um die jungen Spieler konkurrieren. Wir haben uns als Ziel gesetzt, die besten Spieler zu scouten. In den letzten Jahren wandert das Hauptaugenmerk immer mehr von den 15-, 16-Jährigen zu den Elf-, Zwölfjährigen. Der Konkurrenzkampf in den Ligen im Jugendbereich wird zusätzlich immer größer. Wir wollen zwar eine schlagkräftige Mannschaft aufbauen, aber nicht um jeden Preis.

SPOX: Wo liegt dabei die Grenze?

Tarnat: Wir würden beispielsweise nie für einen Elfjährigen Geld ausgeben. Wenn wir einen Jungen finden, der uns gefällt, dann überlegen wir uns, ob es Sinn macht, ihn zu holen. Dazu zählen dann auch Faktoren wie Entfernung zu seinen Eltern und die schulischen Leistungen. Wir werden keinen Jungen auf Teufel komm raus aus seinem Umfeld reißen.

SPOX: Ist die Entwicklung, dass junge Spieler gekauft werden, in Deutschland generell weniger verbreitet? Oder ist das eine vereinsinterne Marschroute?

Tarnat: Ich bin jetzt seit eineinhalb Jahren dabei und habe in dieser Zeit nicht den Eindruck gewonnen, dass es in Deutschland einen Verein gibt, der einen Elfjährigen für eine Ablösesumme verpflichten würde. Ich halte es für übertrieben, ein Kind irgendwo wegzuholen.  So schätze ich die ganze Bundesliga ein: So etwas kommt bei uns nicht in Frage.

SPOX: Im Internet kursieren mittlerweile Videos über nahezu jeden Fußballer, egal welchen Alters. Haben Sie mitbekommen, dass diese Quellen beim Scouting genutzt werden?

Tarnat: Nein. Ich weiß aber, dass viele Jugendspieler bei "Youtube" zu sehen sind. Das ist eine schöne Sache, aber man muss die Spieler 'in Natur' sehen. Nur aufgrund eines Videos kann ich niemanden beurteilen. Tricks und Fußball spielen sind verschiedene Dinge. Es gibt viele Spieler, die tolle Tricks drauf haben, aber im Mannschaftssport Probleme bekommen. "Youtube" ist praktisch, wir schauen da auch rein, um uns mal zu informieren. Aber das ist nicht unsere Plattform, um Spieler zu scouten. Dafür haben wir unsere Regionalscouts mit ihren Netzwerken.

SPOX: Kennen Sie eigentlich Noah Shawn? Der begeistert im Internet mit tollen Tricks und wird bereits als kommender Star gefeiert.

Noah Shawn: Der kleine Dribbler im Video

Tarnat: Ja, ich kenne ihn. Ich kann ihm natürlich nicht verbieten, Videos von sich ins Internet zu stellen. Ich habe mir das angeschaut. Das sieht natürlich toll aus. Aber ich beobachte und beurteile ihn nach dem, was er im Spiel und im Training zeigt. Er kommt nicht auf den Platz und fällt über den Ball, das ist klar. Aber ich tue mich schwer, für so junge Spieler in der Öffentlichkeit eine Prognose zu stellen. Er hat Spaß am Fußball und das ist erstmal alles, was zählt.

SPOX: Vor ein paar Jahren wurde der 13-jährige Pierre Larrauri aus Peru nach München geholt. Nach einem Jahr ist er in die Heimat zurückgekehrt. Hat der FC Bayern daraus Konsequenzen gezogen?

Tarnat: Er ist nach einem Jahr wieder zurückgegangen, weil er Heimweh bekommen hat. Das darf man nie unterschätzen. Wenn man ein Kind aus dem Ausland holt, muss es eine Riesenumstellung durchmachen. Wenn dann auch noch die Familie nicht dabei ist, ist das sehr schwer. Wir wägen genau ab, ob es Sinn macht, einen jungen Spieler aus größerer Entfernung in unser Internat zu holen.

Der Jugendfußball bei SPOX

Interview: Adrian Bohrdt

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