Der neue Sergej Evljuskin

Von Daniel Börlein
Montag, 13.09.2010 | 18:49 Uhr
Mario Götze (M.) erzielte gegen den VfB Stuttgart sein erstes Bundesliga-Tor
© Getty
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Matthias Sammer hält Mario Götze für eines der größten Talente, das Deutschland je hatte. Bundestrainer Joachim Löw plant mit dem Dortmunder bereits für die A-Nationalmannschaft. Der BVB bremst den öffentlichen Hype allerdings, wo es nur geht. Dabei besteht dafür eigentlich gar kein Grund.

Irgendetwas ist ziemlich schief gelaufen bei Sergej Evljuskin. Es ist noch gar nicht so lange her, da war der damalige Wolfsburger ein Unikat im deutschen Fußball. Damals wurde der heute 22-Jährige zum zweiten Mal in Folge mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold als bester deutscher Nachwuchsspieler seiner Altersklasse ausgezeichnet. Als erstes und einziges Talent bis dato.

Damals liegt nun gute vier Jahre zurück und ist heute längst vergessen. Evljuskin spielt mittlerweile in der dritten Liga bei Hansa Rostock, wäre im Sommer sogar beinahe in der Viertklassigkeit bei RW Essen gelandet und ist damit ganz weit weg von der großen Karriere.

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Lob von Löw und Sammer

Einzigartig im deutschen Fußball ist Evljuskin seit ein paar Tagen auch nicht mehr. Mittlerweile wurde ein weiteres Talent zum zweiten Mal hintereinander als bester Spieler seines Jahrgangs ausgezeichnet. Der neue Evljuskin heißt Mario Götze.

Dass der 18-Jährige allerdings ebenso schnell in der Versenkung verschwindet, ist ausgeschlossen. Darin sind sich zumindest die Granden des deutschen Fußballs einig.

"Mario Götze ist eines der größten deutschen Talente", sagt Bundestrainer Joachim Löw. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer setzt sogar noch einen drauf: "Er ist eines der größten Talente, das wir je hatten."

Erstes Bundesliga-Tor gegen VfB

Bereits jetzt hat Löw den Dortmunder für die A-Nationalmannschaft auf dem Zettel, dabei wäre Götze noch für die U 19 des DFB spielberechtigt. "Vielleicht schon gegen Schweden im November" sei er ein Kandidat fürs Nationalteam, verriet der Bundestrainer. "Mein Motto lautet: je früher, desto besser!"

Dass Löw Götze schon jetzt als kommenden Nationalspieler nennt, zeigt, wie überzeugt er von ihm ist. Dabei hat der offensive Mittelfeldspieler bislang gerade mal 226 Bundesliga-Minuten vorzuweisen.

Doch während BVB-Coach Jürgen Klopp ihn in der letzten Saison nur sporadisch reinschnuppern ließ, stand Götze an den ersten beiden Spieltagen in der Startelf und erzielte gegen den VfB Stuttgart seinen ersten Bundesliga-Treffer.

Hummels: "Überragender Kicker"

In der offensiven Dreierreihe der Dortmunder kann der 1,71-Meter-Mann auf allen Positionen spielen und hat dort derzeit die Nase vorn gegenüber den durchaus namhaften Konkurrenten wie Robert Lewandowski, Tamas Hajnal oder Jakub Blaszczykowski.

"Er ist sehr ruhig am Ball", sagt Klopp, für den nie ein Zweifel an Götzes Klasse bestand. Während Youngster wie Marco Stiepermann oder Marc Hornschuh allenfalls zum erweiterten Bundesliga-Kader zählen, plante Klopp Götze von vorneherein bei den Profis ein.

"Er hat eine gute Schnelligkeit, ist enorm kreativ und verfügt über herausragende technische Fähigkeiten", schwärmt Sammer - und ist damit einer von vielen.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in Deutschland noch einen so talentierten Spieler gibt", sagt Mitspieler Nuri Sahin. Kollege Stiepermann findet, dass er "in seinem Jahrgang ganz eindeutig zu den besten Spielern in ganz Europa" zählt. "Es sind sich alle einig, dass Mario ein überragender Kicker ist", sagt Mats Hummels.

Interviews sind tabu

Tatsächlich gibt es bislang niemanden, der nicht an Götzes Durchbruch glaubt. Doch gerade deshalb wird der Youngster vom BVB geschützt, wo es nur geht. Interviews sind bislang tabu, öffentliche Auftritte eine Rarität. "So kann sich Mario voll auf den Fußball konzentrieren", erklärt BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken.

Sorgen, dass Götze angesichts des entstandenen Hypes abheben könnte, hat man bei der Borussia allerdings nicht. "Mario ist ein vernünftiger Junge, der die richtigen Leute im Umfeld hat. Man muss sich keine Sorgen machen", sagt Ricken.

Verzicht auf Alkohol und Disko

Ohnehin gilt Götze als bodenständiger Typ. Im Alter von sechs Jahren zog er mit seiner Familie aus dem Allgäu nach Dortmund. Drei Jahre später wechselte er vom Dortmunder Stadtteil-Klub Hombrucher SV zur Borussia.

Im letzten Jahr baute er am Dortmunder Goethe-Gymnasium sein Fach-Abitur, demnächst wird er ein Praktikum auf der Geschäftsstelle des BVB absolvieren. Seit einiger Zeit hat er eine Freundin. Auf Alkohol und Disko verzichtet er dagegen komplett: "Das passt einfach nicht zum Fußball."

Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Felix, der ebenfalls bei der Borussia spielt, wohnt er noch immer bei den Eltern. Bruder Fabian (20) wechselte in der Winterpause vom BVB nach Mainz. "Wir telefonieren häufig. Ich hoffe, dass Fabian den Sprung in die Bundesliga schafft", sagt er.

Ihm ist dieser Sprung bereits gelungen. "Aber Mario ist ein intelligenter Junge", sagt Ricken. "Er weiß genau, dass noch ein langer Weg vor ihm liegt." Ein Weg, auf dem viel schief laufen kann. Nachzufragen bei Sergej Evljuskin.

 

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