Körbel: "Dein Papa ist die größte Pfeife"

Von Interview: Daniel Börlein
Donnerstag, 09.09.2010 | 10:47 Uhr
Charly Körbel (r.) bestritt 602 Bundesliga-Spiele für Eintracht Frankfurt
© Imago
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602 Bundesliga-Partien hat Charly Körbel bestritten - alle für Eintracht Frankfurt. Kein anderer Profi hat mehr Spiele auf dem Buckel. Nach seiner Karriere als Spieler und Trainer kümmert sich Körbel nun in Camps und in der Fußballschule der Eintracht um den Nachwuchs. Im Interview spricht der 55-Jährige über seinen Umgang mit Talenten, Tipps für Frankfurt-Youngster Sonny Kittel, Duelle gegen Bayern München, den perfekten Mitspieler und ein Probetraining gegen Uwe Seeler.

SPOX: Sie haben 19 Jahre lange für die Eintracht gespielt, waren danach einige Jahre Trainer und Scout und sind jetzt für die Fußballschule und die Traditionsmannschaft der Eintracht verantwortlich. Glauben Sie, dass irgendwann mal eine Zeit kommt, in der Sie vom Fußball die Nase voll haben?

Charly Körbel: Als Profi hat man sich schon Gedanken in diese Richtung gemacht. Wenn man diese Maschinerie fast 25 Jahre durchlaufen hat, denkt man sich schon mal: Jetzt lässt du es ein bisschen ruhiger angehen. Bei mir ist es aber eher mehr geworden. Da hast du als Spieler ein bequemeres Leben. (lacht)

SPOX: Sie haben es auch als Trainer im Profibereich versucht. Warum haben Sie sich letztlich doch für die Arbeit mit Talenten entschieden?

Körbel: Ich habe nach meiner aktiven Karriere schwierige Phasen erlebt, in denen mir klar wurde, wer meine wahren Freunde sind. Irgendwann haben meine Familie und ich festgestellt, dass wir dieses Leben als Trainer nicht mehr möchten. Du stehst ständig in der Öffentlichkeit, bist nach drei schlechten Spielen weg und musst dann wieder umziehen. Das wollte ich meiner Familie nicht mehr antun. Ich wollte nicht mehr, dass meine Tochter in die Schule geht und gesagt bekommt: "Dein Papa ist die größte Pfeife."

SPOX: Also Rückzug in die zweite Reihe bei der Eintracht.

Körbel: Dort bot sich mit Fußballschule und Traditionsmannschaft die Möglichkeit, dem Verein etwas zurückzugeben. Ich habe mir bei der Eintracht mein eigenes Trainer-Team zusammengestellt, mit ehemaligen Profis, die das Eintracht-Denken an die jungen Spieler weitergeben.

SPOX: Und das mit Erfolg.

Körbel: Wir haben mittlerweile über 30.000 Kinder. Die Fußballschule ist nach der ersten Mannschaft zum größten Imageträger des Vereins geworden. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

SPOX: Neben der Arbeit mit der Eintracht-Fußballschule fördern Sie Talente auch ganz gezielt in Fußball-Camps. Was steckt dahinter?

Körbel: Das ist ein Projekt, das wir seit einigen Jahren zusammen mit der Deutschen Bahn machen - mit einem neuen Ansatz. Wir geben den kleinen und großen Kindern - denn die Eltern sind ja auch mit dabei - die Chance, sich wie ein Bundesliga-Spieler zu fühlen. Wir wollen ihnen einmalige Erlebnisse verschaffen und sie dort reinschnuppern lassen, wo sie sonst nicht hinkommen. Die Kids dürfen am Bundesliga-Spieltag dort trainieren, wo normal nur die erste Mannschaft und das Nationalteam spielen. Und das unter der Leitung von ehemaligen Profis.

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SPOX: Als Sie 1991 Ihre Karriere beendet haben, waren Ihre Talente noch nicht mal geboren. Wissen die jungen Spieler trotzdem, dass sie es mit dem Bundesliga-Rekordspieler zu tun haben?

Körbel: Das ist ja das Verrückte. Die wissen alle Bescheid. Vieles wird natürlich über die Eltern transportiert. Aber die Kids informieren sich auch. Mich fasziniert immer wieder, wenn dann so ein Sechsjähriger vor mir steht und sagt: "Du bist der Rekordspieler. Wie hast du das gemacht?"

SPOX: Was antworten Sie darauf?

Körbel: Dass ich es selbst nicht so genau weiß.

SPOX: Wird Ihnen dieser Rekord jemals abgeknüpft?

Körbel: Wahrscheinlich wird keiner mehr so viele Spiele erreichen. Aber ich sage den Kindern immer, dass ich diese ganze Nachwuchsarbeit auch mache, weil ich noch erleben möchte, dass hier irgendwann mein Nachfolger aus der Fußballschule oder den Camps bei der Eintracht einläuft.

SPOX: Mit Sonny Kittel hat die Eintracht wieder ein sehr viel versprechendes Talent. Was halten Sie von ihm?

Körbel: Wichtig ist, dass er auf dem Boden bleibt. Der Verein ebnet ihm vor allem in Person von Heribert Bruchhagen und Michael Skibbe den Weg und hält auch die Hand schützend über ihn. Nur so funktioniert es. So war es bei mir auch. Dadurch kannst du dich frei entwickeln.

SPOX: Ist er mit seinen 17 Jahren schon reif genug für die Bundesliga?

Körbel: Er ist nun voll bei der ersten Mannschaft dabei. Es liegt an ihm, was er daraus macht. Es heißt immer: Mit 17 bist du noch zu jung. Ich war aber auch erst 17, als meine Karriere bei der Eintracht begann. Das war nicht leichter. Ich musste mich auch durchboxen. Das habe ich Sonny auch gesagt: Irgendwann musst du angreifen. In dieser Saison muss er vielleicht noch ein bisschen Lehrgeld bezahlen, aber spätestens im nächsten Jahr muss er sagen: Jetzt will ich spielen.

SPOX: Sie haben in Frankfurt Ihren Durchbruch geschafft und nie bei einem anderen Verein gespielt.

Körbel: Dabei wäre ich fast beim HSV gelandet.

SPOX: Charly Körbel beim HSV?

Körbel: Ja, da hat nicht viel gefehlt. Der HSV war damals in der Nachwuchsarbeit weit voraus. Der damalige Jugendmanager Gerhard Heid hat versucht, alle talentierten jungen Spieler ins Internat zu holen. Da waren Leute wie Kaltz, Kargus, Eigl und Memering dabei. Und auf einmal stand der auch bei meiner Mutter zuhause in Dossenheim. Er hat mich dann zum Probetraining nach Hamburg eingeladen, wodurch ich zum ersten Mal in meinem Leben geflogen bin.

SPOX: Haben Sie es im Probetraining vermasselt, oder warum wurde es nichts mit dem HSV?

Körbel: Das war ein Wahnsinn. Ich musste ein Spiel gegen Uwe Seeler machen. Der war nach einem Achillessehnenriss gerade wieder ins Training eingestiegen. Klaus Ochs war damals Trainer. Der stellte einen Torwart ins Tor und ich musste dann eine Stunde lang gegen Uwe Seeler Eins-gegen-eins spielen. (lacht)

SPOX: Und wie ging's aus?

Körbel: Positiv, denn der HSV bot mir einen Vertrag an.

SPOX: Den Sie allerdings nie unterschrieben.

Körbel: Ich habe den Vertrag mit nach Hause genommen und dem HSV auch die Zusage gegeben. Aber dann habe ich Muffe bekommen. Ich hatte in Dossenheim meine Freunde und Familie. Hamburg war mir einfach zu weit weg. Und nach dieser Erfahrung habe ich dann auch erstmal allen anderen Klubs abgesagt. Das war die richtige Entscheidung. Ein Jahr später bin ich dann nach Frankfurt gegangen.

SPOX: Die Eintracht haben Sie danach nie mehr verlassen. Hatten Sie nie mal die Nase voll?

Körbel: Das gab es schon. 1983 hatten wir große Probleme bei der Eintracht. Damals ging Kun-Bum Cha nach Leverkusen und Bruno Pezzey nach Bremen. Ich habe auch meinen Vertrag gekündigt und bin erstmal mit Pezzey in den Urlaub gefahren. Otto Rehhagel hat dann versucht, mich nach Bremen zu holen. Aber die Eintracht hat mich nicht freigegeben. Sonst wäre ich bei Werder gelandet.

SPOX: So blieben Sie bis zu Ihrem Karriereende 1991 in Frankfurt. Was war Ihr persönliches Highlight in den 19 Jahren?

Körbel: Ich habe ja wirklich fast alles erlebt mit der Eintracht. Wir haben den UEFA-Cup und viermal den DFB-Pokal geholt. Das Wichtigste überhaupt war aber rückblickend mein Kopfball-Tor gegen Hannover 96 im Abstiegskampf 1989. Dadurch sind wir in die Relegation gekommen und haben so erst den Klassenerhalt geschafft. Etwas ganz Besonderes waren auch immer die Siege gegen die Bayern. Das war immer wie ein Länderspiel. Ich habe 18 Jahre lang gegen Bayern kein Heimspiel verloren. Das hat mich schon stolz gemacht.

SPOX: Höhen und Tiefen haben sich bei der Eintracht abgewechselt. Was war Ihre größte Enttäuschung?

Körbel: Wahrscheinlich, dass ich nie deutscher Meister geworden bin. Mit den Leuten, die wir hatten, hätten wir eigentlich ein-, zweimal den Titel holen müssen.

SPOX: Wer war Ihr bester Mitspieler bei der Eintracht?

Körbel: Ich hatte das Glück, mit vielen Superstars zusammen spielen zu dürfen. In der ersten Generation waren das Nickel, Hölzenbein, Grabowski. Dann ging es weiter mit Cha, Pezzey, später mit Yeboah, Bein und Möller. Das war schon absolute Weltklasse. Der Perfekteste von allen war für mich aber Kun-Bum Cha.

SPOX: Und wer war der unangenehmste Gegenspieler?

Körbel: Das war Klaus Fischer. Der war einfach zu schnell für mich. (lacht)

SPOX: Sie haben 602 Bundesliga-Spiele gemacht, hatten dazu noch zig Europapokaleinsätze, wurde aber nur in sechsmal in der Nationalmannschaft eingesetzt. Warum?

Körbel: Der Bayern-Block war damals einfach zu dominant. Die haben die Nationalmannschaft quasi mit zehn Mann blockiert. Und Franz Beckenbauer hat immer ganz klar gesagt, dass Katsche Schwarzenbeck sein Mann ist. Dadurch hatte ich auch keine Chance. Ich saß 30 Mal auf der Bank, habe auch viel gelernt, aber ich habe es leider nie zu einer EM oder WM geschafft.

SPOX: Nach Ihrer aktiven Laufbahn haben Sie es als Trainer versucht, unter anderem in Zwickau, wo sie plötzlich mit Scientology in Kontakt kamen.

Körbel: Das war eine völlig neue Erfahrung. Zwickau war und ist eine Hochburg von Scientology. Die haben den Verein damals komplett übernommen. Nur ich war noch da, für die Öffentlichkeit. Daraufhin habe ich Zwickau verlassen.

SPOX: Anschließend haben Sie sich zurückgezogen und sind 1999 wieder bei der Eintracht eingestiegen.

Körbel: Ich wollte eigentlich nicht mehr zur Eintracht zurück. Ich war in dieser Phase aber sehr viel mit Felix Magath zusammen. Er hat immer gesagt, dass ich dort wieder eine Aufgabe übernehmen müsse und hat mich dauernd bearbeitet. Ein Vierteljahr später wurde er Trainer bei der Eintracht. Dann hat er mich angerufen und gesagt: "Jetzt ist es soweit!"

SPOX: Sie haben sich dann intensiv um den Aufbau eines Scoutingbereichs bei der Eintracht gekümmert.

Körbel: Ich musste damals zusammen mit Ralf Weber bei null anfangen. Die hatten dort vorher nur das Kicker-Sonderheft und haben danach gescoutet. Parallel dazu habe ich mit der Fußballschule und Traditionsmannschaft begonnen und das Scouting dann an Bernd Hölzenbein und Ralf Weber abgegeben.

SPOX: Sind Sie auch heute noch ins Scouting eingebunden?

Körbel: Voll. Ich habe ein tolles Vertrauensverhältnis zu Heribert Bruchhagen, bin zusammen mit Bernd Hölzenbein auch Berater des Vorstands. Das funktioniert super. Seit Bruchhagen zur Eintracht gekommen ist, läuft hier nichts mehr aus dem Ruder. Es ist viel ruhiger und glaubwürdiger geworden. Kein Vergleich mehr zu früher.

Mädchen und Jungs zwischen 14 und 18 Jahren aufgepasst! Die Deutsche Bahn lädt fußballbegeisterte Jugendliche zu einem unvergesslichen Wochenende im DB Fußball Camp bei Eintracht Frankfurt ein. Das Training wird Bundesliga-Legende Charly Körbel leiten, dazu wird das Bundesliga-Spiel Frankfurt gegen Nürnberg besucht. Das Camp findet vom 24.09.2010 bis 26.09.2010 statt - also bewerbt Euch am besten sofort!

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