Terim: "Arda Turan sollte sich entschuldigen"

Von SPOX
Montag, 12.06.2017 | 11:58 Uhr
Faith Terim schoss scharf gegen seinen zurückgetretenen Kapitän Arda Turan
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Der türkische Nationaltrainer Fatih Terim hat am Sonntagabend auf der Pressekonferenz nach dem Sieg im WM-Qualifikationsspiel gegen den Kosovo (4:1) ausführlich Stellung zur Causa Arda Turan bezogen. In fast eineinhalb Stunden erklärte der 63-Jährige, wie er den Streit im Flugzeug zwischen Turan und dem Journalisten Bilal Mese von der Tageszeitung Milliyet und den folgenden Rücktritt des Barca-Stars erlebte.

"Ich bin derjenige, der die Journalisten ins Flugzeug gelassen hat. Ich werde mich nicht mit meinen Spielern beraten, bevor ich diese Entscheidungen treffe", erklärte Terim zunächst, wie es dazu kam, dass die Presse überhaupt in der gleichen Maschine war wie die Nationalmannschaft. "Wenn sie nicht mit uns fliegen würden, müssten sie 1070 Kilometer mit dem Auto fahren."

"Ich saß in der ersten Reihe, als sich der Vorfall in Reihe zwölf ereignete", so der Coach weiter, der seit 2013 den Posten des Nationaltrainers bekleidet. "Ich dachte zuerst, dass ein Journalist Streit mit einem Crew-Mitglied hat. Mir wurde erzählt, was sich tatsächlich ereignet hat, als wir das Flugzeug verlassen haben. "

Pressebericht als Auslöser

Was war passiert? Turan hatte während des Flugs nach dem Freundschaftsspiel gegen Mazedonien (0:0) Mese im Flugzeug entdeckt und verbal mit den Worten "Du bist ein Hurensohn! Eher höre ich mit dem Fußball auf, als dass ich meinen Stolz und den meiner Familie beschmutzen lasse" attackiert und anschließend versucht, den Reporter zu würgen. Mitspieler mussten ihn stoppen.

Die Wut des Mittelfeldspielers entstand während und nach der EM 2016 in Frankreich, als Mese in mehreren Berichten behauptet hatte, dass das Aus der Türkei vor allem daher rühre, dass das Team sich mit Wortführer Turan ausschließlich auf die Bonusverhandlungen und nicht auf das Sportliche konzentriert hatte.

Dass Arda anschließend seinen Hut nahm, war laut Terim weder in seinem Sinne noch vonseiten des Verbands geplant. "Am nächsten Morgen hat mich der Präsident des türkischen Verbands, Yildrim Demirören, angerufen und gesagt, dass man so schnell wie möglich eine Stellungnahme veröffentlichen will", erläuterte er. "Ich habe abgewogen, wie wir damit umgehen und Arda gesagt, dass wir gewillt sind, ihm eine Chance zu geben. Der Text der Stellungnahme wurde ihm ausgehändigt. Er gab seine Zustimmung, aber Sie wissen, was er als nächstes getan hat."

"Arda sollte sich beim Volk entschuldigen"

Einen Tag nach dem Bekanntwerden des Eklats verkündete Turan seinen Rücktritt aus der türkischen Nationalmannschaft. Terim zeigt sich darüber enttäuscht - und fordert eine Entschuldigung an die Fans: "Wir wissen nicht, was hinter unserem Rücken geredet wurde. Niemand weiß das. Wenn Arda ein Problem hat, soll er es mir ins Gesicht sagen. Ihr wollt eine Schlagzeile, indem Ihr mich fragt, ob ich ihm vergeben würde, wenn er sich bei mir entschuldigt? Warum sollte er sich bei mir entschuldigen? Er sollte sich bei den Fans und dem türkischen Volk entschuldigen."

Terim sprach zudem über Meses Anschuldigungen und seinen eigenen Streit mit Turan nach dem Turnier 2016. "Es ging nicht nur um die Boni, sondern auch darum, zu spät ins Training zu kommen, Fotoshootings fern zu bleiben und vieles mehr", so Terim. "Arda Turan hat nicht sich selbst verteidigt, sondern Burak Yilmaz. Er hat seine Stimme dabei zu laut erhoben und ich habe ihn gewarnt, dass sich die Welt nicht nur um ihn dreht. Jeder sollte sich diszipliniert verhalten und nach unseren Regeln und Prinzipien leben."

"Es stimmt, dass die Bonusschecks bei der EURO von ursprünglich 150.000 Euro auf 650.000 Euro erhöht wurden, weil unsere Spieler das in Verhandlungen gefordert haben", erklärte er zudem. "Es ist keineswegs bösartig, wenn es darum geht, den Anteil des Einzelnen zum Wohle aller zu bestimmen. Bösartig ist es, wenn die Presse diese geheimen Verträge veröffentlicht. Das ist eine Schande!"

Arda antwortet: "War nie auf den Bonus aus"

Arda Turan selbst antwortete wenig später als Telefongast in der TV-Show NTV Spor und wies jegliche Schuld von sich. "Ich möchte klar stellen, dass ich zurückgetreten bin. Warum reden die Leute trotzdem immer noch hinter meinem Rücken? Ich habe immer direkt in Terims Gesicht gesprochen, aber er wählt eine Pressekonferenz."

"Es ist richtig, dass ich mich ab und zu im Nationalteam undiszipliniert verhalten habe. Ich war unanständig, habe in den Spielen aber immer alles gegeben", zeigte er sich auch reumütig. "Ich habe das aufgegeben, das ich am meisten geliebt habe, für das ich 30 Jahre lang gekämpft habe. Kann nicht eine einzige Person das akzeptieren? Können die Journalisten das loslassen, das sie am meisten lieben? Ich war nie auf den Bonus aus, als Kapitän habe ich für alle gesprochen."

Sportlich muss die Türkei um die Qualifikation für die WM-Endrunde in Russland bangen. Trotz des wichtigen Dreiers gegen den Kosovo rangiert die Terim-Elf lediglich auf Platz drei. Erster in der Gruppe I ist nach sechs von zehn absolvierten Spieltagen Kroatien mit 13 Punkten. Punktgleich auf Platz zwei liegt Island. Die Ukraine ist Vierter und hat wie die Türkei bisher elf Zähler gesammelt.

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