Ex-Bundesligaprofi äußert sich über die Verhältnisse in der Türkei

"Ich habe auch schon Leichen weggetragen"

SID
Sonntag, 13.11.2016 | 11:57 Uhr
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Wegen Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK drohte dem ehemaligen Bundesliga-Profi Deniz Naki in der Türkei eine Haftstrafe. Nach seinem Freispruch äußerte er sich über die Zustände im Land, seinen Ruf und den des Vereins.

Bis zu fünf Jahre Gefängnis hatten Naki gedroht, letztlich wurde er im Prozess im südosttürkischen Diyarbakir unter der Woche nach nur 35 Minuten freigesprochen: "Gerechtigkeit war das nicht. Der Druck durch deutsche Politiker und Medien war so hoch, dass selbst der Staatsanwalt einen Freispruch gefordert hat", sagte er gegenüber der Bild am Sonntag.

Naki spielt in der dritten türkischen Liga bei Amed SK: "Das ist so in etwa die inoffizielle kurdische Nationalmannschaft. Kurios ist, dass in unserer Mannschaft Kurden, Türken, Sunniten, Aleviten spielen. Alle zusammen, alle friedlich und freundschaftlich. Außerhalb von Diyarbakir halten uns aber viele für einen Terroristenverein", so der 27-Jährige.

Nach dem Prozess flog Naki übrigens direkt zu seinem Verein, wo er mit einem Tor und einer Vorlage dazu beitrug, dass Amed nun an der Tabellenspitze liegt. Warum er ausgerechnet dort kickt? "Um die Menschen, die hier leben, etwas glücklicher zu machen. Ich spiele Fußball in einem Krisengebiet. Vielleicht könnte ich höher spielen, aber kein türkischer Verein will es riskieren, mich unter Vertrag zu nehmen."

"Habe schon Leichen weggetragen"

Das liege an seinem üblen Image im Land: "Ich gelte in der Türkei immer noch als Staatsfeind. Bei Auswärtsspielen werden wir rassistisch beleidigt, mit Flaschen und Feuerzeugen beworfen. Ich bin oft das Zielobjekt dieses Hasses. Dennoch halte ich dagegen. Für die Leute in Diyarbakir ist das wichtig, ein Zeichen zu bekommen. Am Sonntag bei unserem nächsten Heimspiel wird die Hütte wieder voll sein. Wir Spieler sagen den Leuten, dass wir für sie da sind."

Verglichen mit der Bundesliga plagen Naki in der Türkei ganz andere Gedanken: "In der Bundesliga stöhnen sie über Druck, wenn sie keine Tore schießen, am Tabellenende stehen. Schöne Sorgen. Ich zucke hier zusammen, wenn eine Autobombe hochgeht. Ich habe auch schon Leichen weggetragen nach einem Raketeneinschlag. Jeden Moment kann es hier jeden treffen. Und trotzdem betreiben wir hier Leistungssport."

An eine Besserung der Situation glaube Naki nicht: "Die Abgeordneten der HDP wurden aktuell verhaftet. Und damit auch die sechs Millionen Wählerstimmen. Viele sagen, die Türkei ist mit Präsident Erdogan auf dem Weg Richtung Diktatur. Ich sage: Hier ist schon Diktatur."

Deniz Naki im Steckbrief

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