Ein Klub zerstört sich selbst

Galatasaray: Von 100 auf 0

Dienstag, 16.02.2016 | 20:02 Uhr
Kaum noch eine Macht: Galatasaray büßt in allen Belangen ein
© getty
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Galatasaray wollte einst mit Superstars wie Didier Drogba oder Wesley Sneijder Europas Spitze erobern - jetzt bangt der Klub um seine sportliche Existenz. Skandalöse Entscheidungen führten den türkischen Rekordmeister in den Ruin. Für Hoffnung sorgen wieder einmal die Fans - doch auch das reicht wohl nicht, um Gala zu retten.

Manisa ist ein schönes Städtchen im Westen der Türkei. 1,3 Millionen Einwohner wurden bei der Volkszählung im Jahr 2014 festgestellt. Die Kriminalitätsrate ist niedrig, die Arbeitslosenzahlen ebenso. Aufgrund der Nähe zur Ägäis und vielen Urlaubsorten ist es ein fröhlicher Punkt des Landes.

Am 15. Februar 2013 sorgte Didier Drogba dafür, dass die halbe Fußball-Welt nach Manisa schaute. Der Ivorer wurde soeben eingewechselt. Er behauptete auf Höhe des Mittelkreises den Ball, um Wesley Sneijder anzuspielen und dann direkt in den Strafraum zu dringen. Es sollte gleich etwas passieren.

Sneijder verarbeitete den Ball: Zuspiel auf die rechte Seite zu Burak Yilmaz, der nach Drogbas Einwechslung auf den Flügel ausgewichen war. Yilmaz flankte punktgenau in den Strafraum.

Drogba setzte unhaltbar für Akhisarspors Torhüter Oguz Daglaroglu zum Kopfball an. Drin! 1:0 für Galatasaray!

"Zurück in der Sphäre der Großen"

Der Galatasaray-Fanblock explodierte, die Galatasaray-Bank sprang auf, der TV-Kommentator brüllte, als hätte gerade Galatasaray in der 90. Minute das Siegtor im Champions-League-Finale geschossen, selbst Polizisten am Spielfeldrand hielten Drogbas Jubeleinlage nach dessen Debüt-Tor in der türkischen Süper Lig auf ihren Smartphones fest. Über die sozialen Medien machte es schnell die Runde, dass Drogba triumphal auf europäischen Boden zurückgekehrt war.

Dieser Drogba, einst vielleicht der beste Stürmer der Welt, sollte Galatasaray in der Folgezeit noch viele Glücksmomente bescheren. Mit ihm zog der türkische Serienmeister in der gleichen Saison ins Viertelfinale der Champions League ein. Das große Real Madrid wurde in der Türk-Telekom-Arena an den Rand einer Blamage gebracht, weil Drogba und Co. großartig aufspielten und am Ende nur wegen eines Tores den Kürzeren zogen.

"Galatasaray ist zurück in der Sphäre der Großen", sagte Fatih Terim, der damals noch die Gelb-Roten trainierte. Jose Mourinho, damals Real-Trainer, sah eine "großartige Mannschaft". Er hatte Drogba und Sneijder den Wechsel zu Galatasaray empfohlen. Auf der Pressekonferenz sprach er fast nur über die tapferen Verlierer.

"Wer soll jetzt die Tore schießen?"

Mittlerweile ist von dieser Euphorie nichts mehr geblieben. Als Burak Yilmaz am 15. Februar 2016 am Istanbuler Atatürk Flughafen stand, verabschiedete er sich von den Medienvertretern - und auf diesem Wege von Fans, Öffentlichkeit und seinem Klub. Seine Reise ging nach China. Dorthin, wo Drogba vor seinem Wechsel in die Türkei nicht wirklich glücklich geworden war.

"Wer soll jetzt die Tore schießen?", fragte ein Reporter. "Ach", sagte Burak, der in 141 Pflichtspielen 82 Tore für Galatasaray erzielte, "wenn Gott will, wird Umut Bulut schon treffen." Kurze Pause. "Lukas Podolski ist ja auch da - und Wesley Sneijder, Selcuk Inan, Yasin Öztekin oder Emre Colak."

Dass sein etatmäßig einziger Vertreter, Umut Bulut, in Gottes Willen treffen sollte, war sicher nicht böse gemeint, wohl aber die einzig plausible Antwort. Dass der Mann, der es zu Zeiten von Drogba, Sneijder und Co. oft nicht einmal in den Spielerkader schaffte, nun die einzige Sturmhoffnung des türkischen Rekordmeisters ist, dokumentiert den Abstieg des Klubs. Dabei sah Galatasarays Plan vor, in wenigen Jahren das Champions-League-Finale zu erreichen.

Gala muss um sportliche Existenz bangen

Das war mal. Inzwischen muss der Klub um die sportliche Existenz bangen und sich ernsthaft mit dem Szenario auseinandersetzen, auf bestimmte Zeit europäisch überhaupt nicht mehr stattzufinden.

Galatasaray hat es geschafft, sich in rekordverdächtiger Geschwindigkeit beinahe selbst abzuschaffen. Von 100 auf 0 in drei Jahren.

Dass der Klub in der heimischen Liga als Tabellenfünfter mit 15 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Fenerbahce einen sportlichen Niedergang erlebte und vor den Sechzehntelfinalspielen in der Europa League gegen Lazio Rom längst die Rolle des krassen Außenseiters eingenommen hat, ist dabei noch das kleinste Übel.

Das große Übel: Financial Fairplay

Das große Übel heißt Financial Fairplay und kommt aus dem Hause UEFA. Der europäische Fußallverband ist geneigt, Galatasaray für mindestens eine Saison aus dem Europapokal auszuschließen. Schlimmstenfalls sind es sogar zwei Jahre.

Die Finanz-Untersuchungskommission der UEFA hatte nach eingehenden Prüfungen den Fall der rechtssprechenden Kammer übergeben. Galatasaray hatte die sogenannten Break-even-Vorschriften im Beobachtungszeitraum nicht eingehalten. Um es einfacher zu formulieren: Innerhalb einer bestimmten Frist musste Galatasaray die finanzielle Tauglichkeit unter Beweis stellen.

"Extrem kritischer Punkt"

Galatasaray fiel durch, woraufhin die Untersuchungskommission eine Empfehlung aussprach, den Verein für 1+1 Jahre aus allen europäischen Wettbewerben auszuschließen. Ende Februar soll eine Entscheidung verkündet werden. Dass die Türken ungeschoren davon kommen, ist eigentlich ausgeschlossen. Denn die UEFA ließ schon einmal Gnade walten, legte Galatasaray jedoch nahe, die Bilanzen zu verbessern und die Verschuldung zu beseitigen.

"Galatasaray ist an einem extrem kritischen Punkt angelangt", sagt Ex-Präsident Faruk Süren, zu dessen Zeiten Galatasaray den UEFA-Pokal gewann, wodurch er Legendenstatus erreichte: "Ich hoffe, es gibt keinen Ausschluss. Der Vorstand muss Antworten liefern."

Die aktuelle Klubführung um Präsident Dursun Özbek trifft bei all dem Chaos dabei die geringste Schuld. Zwar fehlt den Funktionären jegliches Knowhow, um einen Profi-Fußballklub zu führen. An dem finanziellen Untergang sind aber vornehmlich ihre skandalös handelnden Vorgänger schuld. Beispielsweise der milliardenschwere Ünal Aysal, der angetreten war, um aus Galatasaray eine europäische Top-Marke zu kreieren, dabei aber jegliche Balance in der Wirtschaftlichkeit verlor.

Aysal ließ Galatasaray im Stich

Exemplarisch für damals: Drogba verdiente bei Galatasaray vier Millionen Euro Fixgehalt pro Jahr. Bei Sneijder waren es 3,2 Millionen, Hamit Altintop und Felipe Melo erhielten je 3,5 Millionen Euro. Alles netto versteht sich. Und bei jedem kamen noch horrende Prämienzahlungen hinzu. Für den Portugiesen Bruma gab Galatasaray im Jahr 2014 12,5 Millionen Euro aus - ohne je von ihm profitiert zu haben. Ebenso wenig vom Acht-Millionen-Mann Nordin Amrabat.

Als Aysal sich mit Trainer und Machtmensch Terim überwarf und auch unter Roberto Mancini der Erfolg ausblieb, erdachte der 74-Jährige eine Pseudo-Führungskrise an und machte sich aus dem Staub. Galatasaray blieb auf den Schulden, auf einer veralteten Mannschaft und vielen Sorgen sitzen.

Fan-Aktion mit Erfolg

Da der aktuelle Klub-Boss Özbek einst selbst im Vorstand Aysals saß, bleiben dessen Schuldzuweisungen rar. Er versucht zu tun, was Galatasaray schon seit Jahren machen müsste: gesund wirtschaften.

Der Klub senkt drastisch die Kosten. Er sucht neue Einnahmequellen, wobei sich dieser Part schwierig gestaltet: Einnahmen aus TV-Geldern und Zuschauern wurden vom alten Vorstand auf Jahre verprasst, als Garantie für Kredite gewährt.

Um die Fans ins Boot zu holen, rief der Klub die Aktion "Tek Bilek, Tek Yürek" (ein Handgelenk, ein Herz) ins Leben. Der Klub verkauft für umgerechnet drei Euro gelbe und rote Armbänder, um Einnahmen zu generieren. Sechs Tage nach dem Start hatte der Klub schon rund 500.000 Stück verkauft.

"Diese Anteilnahme macht Mut. Mut, dass wir uns aus dieser Lage befreien können", sagt Özbek, der bis Mai zwei Millionen Exemplare verkaufen will.

Özbeks Appell an die UEFA

Die Fans scheinen in der aktuellen Verfassung der einzige Plan des Klubs zu sein, sich zu retten: "Wir sind auf einem guten Weg und die UEFA darf die Augen nicht versperren. Sie muss sehen, dass wir hier wieder richtig wirtschaften."

Eine etwas blauäugige Erwartung, ist der Beobachtungszeitraum doch längst vorüber. Aber Özbek gibt nicht auf: "Wir versichern der UEFA, dass wir solide wirtschaften, ohne unsere sportlichen Ziele aus den Augen zu verlieren."

Der Blick auf das Sportliche lässt die Aussage aber zweifelhaft erscheinen. Galatasaray ist nicht nur abgeschlagen und verkauft dabei, ohne die Chance auf eine Alternative, seinen besten Stürmer für läppische acht Millionen Euro nach China. Die aktuelle Mannschaft offenbart kaum Perspektive.

Gümüs ein Hoffnungsträger

Trainer Mustafa Denizli, der seine besten Jahre schon längst hinter sich hat, versprach zum Einstand viel, blieb aber genauso viel schuldig und scheint allmählich die Lust zu verlieren. Dass er mit einem Gehalt von 4,5 Millionen Dollar für anderthalb Jahre verpflichtet wurde, sorgt in der Szene bis heute für Kopfschütteln.

Mit 27,6 Jahren Alterdurschnitt ist das Team um Star Wesley Sneijder in die Jahre gekommen. Das einstige Prunkstück des Vereins, die Jugendarbeit, ist nur noch ein Gerücht. Geld für einen großen Umbau steht kaum zur Verfügung.

Der 22 Jahre alte Sinan Gümüs, der vor anderthalb Jahren ablösefrei aus der U23 des VfB Stuttgart zu Galatasaray wechselte, stieg zuletzt zum neuen Hoffnungsträger auf. Dass er nun mit einem Muskelriss für zwei Monate ausfällt, ist symptomatisch für die aktuelle Lage. Jason Denayer, die 20 Jahre alte Leihgabe von Manchester City, wird am Saisonende nach England zurückkehren. Pep Guardiola soll ihn auf seiner Liste haben.

Hoffnung macht Galatasaray derzeit wenig. Ahmet Cakar, ehemaliger FIFA-Schiedsrichter und inzwischen Kult-Figur im türkischen Trashtalk-Fernsehen, versucht es auf seine Weise: "Galatasaray ist wie Japan. Es wankt, fällt aber nicht."

Galatasaray im Steckbrief

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