Die Mammutaufgabe

Dienstag, 08.10.2013 | 17:55 Uhr
Roberto Mancini hat bei Galatasaray für drei Jahre unterschrieben
© getty
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Nachfolger von Fatih Terim bei Galatasaray: Einen schwierigeren Job hätte sich Roberto Mancini kaum aussuchen können. Die Erwartungen an den Italiener sind groß und auch Mancini nimmt die Aufgabe mit großem Ernst an. Allerdings gibt es auch Hindernisse.

"Was ich bisher gemacht habe?", erwiderte Roberto Mancini. "Ich war gerade mal einen Tag mit der Mannschaft zusammen. Viel kann ich da nicht tun, nur erst mal die Namen lernen."

Drogba? Klar, den kennt er. Sneijder, Muslera, Eboue und Felipe Melo auch. Burak Yilmaz schoss im Vorjahr zehn Champions-League-Tore - mittlerweile ist der Türke in der Fußball-Welt jedem ein Begriff. Hamit Altintop ist Mancini bestimmt auch schon mal aufgefallen, aber dieser ist verletzt.

Blieben also immer noch genug Spieler, die Mancini erst einmal noch kennenlernen sollte und Namen, Gesichter und Positionen in einen Einklang bringen musste. Ein paar Tage sind seit Mancinis Einstand nun vergangen und die Sorge, Spielernamen zu lernen, hat er nicht mehr.

Mancini hatte die Namen schnell zusammen. Dafür hat aber er nun einige andere Baustellen.

Erstes Liga-Spiel, erste Niederlage

Seinen Liga-Einstand als Galatasaray-Trainer setzte der Italiener gleich mal in den Sand: Bei Akhisar Belediyespor verlor seine Truppe mit 1:2. Die erste Pleite für den türkischen Meister in der Liga.

An gleicher Stätte, gegen den gleichen Gegner, gelang einem anderen Starneuzugang Galatasarays vor rund zehn Monaten noch ein weitaus glücklicherer Einstand: Didier Drogba erzielte damals vier Minuten nach seiner Einwechslung sein erstes Tor in seinem ersten Spiel. Gala gewann ein äußerst zähes Spiel, Drogba legte Minuten später noch eine Vorlage auf, und entwischte der Konkurrenz.

Vom damaligen Galatasaray, das wenige Wochen später auch noch den FC Schalke 04 aus der Champions League bugsierte, ist derzeit nicht viel zu sehen.

Dem Klub gelang das Kunststück, in kürzester Zeit die überbordende Euphorie und das riesige Selbstvertrauen abzuschaffen und zum Scherbenhaufen zu verkommen.

Posse um Terim

Völlig ohne Not entließ Galatasaray vor zwei Wochen Trainer Fatih Terim. Unerklärliche Eitelkeiten und peinliche Machtspiele des Präsidenten Ünal Aysal gingen der Posse voraus.

Die Anhängerschaft Galatasarays ging am Tag der Entlassung auf die Barrikaden, feierte Terim bis in die Nacht vor dessen Haus und tut es immer noch, forderte den Rücktritt des Präsidenten vor dessen Hotel - und tut es immer noch.

Mit Terim ging fast die halbe Belegschaft des Trainingszentrums und auch Teile der Mannschaft weinten dem "Imperator", der zu vielen Spielern ein väterliches Verhältnis hatte, eine Träne nach.

Wollte Galatasaray Mourinho?

Dass Galatasaray urplötzlich Mancini als Nachfolger präsentierte, bestätigte aufkommende Gerüchte, dass der Vorstand von langer Hand Terims Ablösung geplant und an einer Nachfolgerlösung schon längst gearbeitet habe. Schon seit August soll Mancini vom konkreten Galatasaray-Interesse wissen.

Erster Kandidat war aber wohl Jose Mourinho, dessen Situation Galatasaray schon im Frühsommer sondiert haben soll, wie Medien berichten. Dies gilt auch für Slaven Bilic (heute Besiktas) und Mircea Lucescu (Shachtjor Donetsk), die damals angesprochen worden seien.

Ganz gleichgültig, wer auf Terim folgen sollte, würde eine Mammutaufgabe übernehmen. Und das auch ob der inzwischen sportlich verzwickten Situation.

"Gebt mir einen Monat Zeit"

Mancini ist sich dessen bewusst. "Wenn ich es mir einfach hätte machen wollen, würde ich jetzt Zuhause hocken", sagte er nach dem 2:2 in der Champions League bei Juventus.

Der sehr ordentlich Auftritt seiner Mannschaft beim italienischen Serienmeister sorgte für kurze Glücksmomente bei den Gelb-Roten - bis man eben bei Akhisar verlor.

"Wir können nicht von heute auf morgen alles verändern. Wir brauchen mindestens einen Monat Zeit", sagt Mancini. Dass bis dahin die in dieser Saison gut aufgelegte Konkurrenz aus Istanbul im Titelkampf entwischen könnte, sollte der Italiener nicht unterschätzen. Zu explosiv ist das Gebilde.

Allerdings hat Mancini auch etwas vor und beansprucht daher die Zeit: "Wer glaubt, ich wäre wegen des Geldes zu Galatasaray gewechselt, irrt sich", erzählt er der italienischen Presse, die Mancini eigentlich für den Posten als Nationaltrainer ab 2014 auf der Rechnung hatte. Eine entsprechende Freiklausel hat Galatasaray dementiert.

Mancini soll ein langfristiges Projekt leiten, daher auch der hochdotierte Dreijahresvertrag.

Mancini kriegt neue Spieler

Der Ex-Trainer von Manchester City soll insbesondere im Europapokal nachhaltige Erfolge gewährleisten: Galatasaray erreichte im Vorjahr das Viertelfinale der Champions League - dies soll kein Einzelfall bleiben.

Im ersten Schritt arbeitet Mancini an der taktischen Ausrichtung: Überfallartigen Offensivfußball, wie unter Terim gang und gäbe, soll es nicht mehr geben. In Turin und auch in Manisa stellt Mancini auf ein kompaktes 4-2-3-1 um. Bei Juventus klappt es gut, bei Akhisar weniger.

Auch für die Spieler ist es eine Umstellung: "Wir wissen, dass es nicht einfach wird. Das hat uns der Trainer auch gesagt", so Abwehrspieler Aurelien Chedjou.

Um den Prozess zu beschleunigen, sollen möglichst schon im Winter neue Spieler kommen: In den Vertragsgesprächen soll Mancini um ein höheres Transferbudget gebeten haben. Bis auf wenige Gerüchte sind viele Kandidaten noch nicht durchgesickert.

Klar ist nur: Mancini wird die Namen aussprechen können.

Galatasaray im Profil

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