Daum, Ali und der heiße Feger

Von Fatih Demireli
Freitag, 16.08.2013 | 16:04 Uhr
Die neuen heißen Feger der Süper Lig: Emenike, Daum, Bosingwa, Malouda und Carlos
© spox

Nicht nur Alles Süper feiert sein glorreiches Comeback, sondern auch Christoph Daum und der heißeste Feger der türkischen Fußballgeschichte: Außerdem: Zahlenspiele a la türkischer Verband und Roberto Carlos und ganz viel Radau.

Comeback 1: Da Alles Süper in der Vorsaison in der Versenkung verschwunden war, gab's bereits besorgte User-Fragen, ob etwa die UEFA oder der CAS im Zuge des Manipulationsskandals auch AS einfach mal weggesperrt hat. Ganz ruhiiiig! Keine Sperre, kein CAS! Wir sind wieder da - und das monatlich und das regelmäßig und das ab sofort.

Comeback 2: Und rechtzeitig zur Rückkehr von Alles Süper kehrt auch er zurück. Der heißeste Feger der Süper Lig, der coolste Hemdträger des Landes, der lässigste "Ich-schaue-nicht-in-die-Kamera-drück-ab"-Held seit Menschengedenken. Emmanuel Emenike ist zurück! 13 Mille legte Fener hin, nachdem man den Burschen schon 2011 holte und ohne einzigen Einsatz wieder verkaufen musste. 13 Mille für den Mann, der sich einst auf der Kaderseite von Aufsteiger Karabükspor mit diesem Foto vorstellte. Viele Grüße auch an Foto Flash! Den haben wir jetzt auch.

Comeback 3: "Türkiyiii binimm ikincii vatanimmm!" So in etwa hört sich Christoph Daum an, wenn er auf Türkisch "Die Türkei ist meine zweite Heimat" sagen will. Ein bisschen arg verunstaltet das Ganze. Gut, das würde sich jetzt für einen Nicht-Türken auf Hoch-Türkisch genauso komisch anhören, aber zumindest bei den Türken kommt der Spruch immer noch gut an. Zumal ihn Daum jetzt schon zum gefühlt 78. Mal ausgesprochen hat. Daum ist zum fünften (!) Mal in der Süper Lig und hat in der Türkei damit inzwischen mehr Trainerstationen als beispielsweise Fatih Terim, seines Zeichens türkische Trainer-Ikone. Daum tritt die Nachfolge von Hikmet Karaman an, der nach einer verkorksten Saisonvorbereitung gehen musste. Inzwischen kam heraus, dass ein Spieler und ein Vorstandsmitglied nach dem 0:3 in der Europa League gegen Vojvodina ihrer Sucht nicht widerstehen konnten und sich in der Kabine gemeinsam eine Kippe gönnten. Gut, dass jetzt Daum da ist...öhöm.

Zahlenspiele: Dass der türkische Fußballverband immer wieder mal gute Ideen hat, haben die TFF-Herren schon bewiesen. Dass zum Beispiel Rote Karten auf Bewährung ausgesetzt werden können oder dass bei Stadionsperren nur 50.000 kreischende Frauen und Kinder in die Arenen dürfen oder dass eine Spielmanipulation nur dann eine Spielmanipulation ist, wenn man sie auf dem Platz bemerkt. Die neueste Idee des Verband hat einen Namen: 6 + 0 + 4. Die Formel steht für die Ausländerregelung: Sechs Ausländer in der Startelf, keiner auf der Bank, vier auf der Tribüne. Oder keiner in der Startelf, sechs auf der Bank und vier auf der Tribüne. Oder halt drei in der Startelf, drei auf der Bank, vier auf der Tribüne.

Die Klubs, die in den meisten Fällen am Tag der Entscheidung bis zu 15 Ausländer in ihren Kadern zählten, bekamen - wen wundert's - ein Problem, auf zehn Gastarbeiter runterzuschrumpfen und vier Spieler zu finden, die künftig auf der Tribüne hocken wollen. Besonders groß die Freude bei Galatasaray, das sich gerade nach Sneijder und Drogba die nächsten Leckerbissen holen wollte: "Wäre die Regelung nicht eingetreten, hätten wir Nani einen Vertrag gegeben. Wir waren uns einig", sagt Präsident Ünal Aysal. Auch schön: Fenerbahce verpflichtete den schwedischen Nationalspieler Samuel Holmen, konnte aber bis heute keine Lizenz beantragen, da der Kader zu viele Ausländer hat. Inzwischen soll er wieder verkauft werden. Dass Fener FÜR die Ausländerregelung war, verschweigen wir lieber mal.

Apropos gute Idee: Sivasspor hat mit Roberto Carlos einen sehr namhaften neuen Trainer verpflichtet. Ganz Sivas war im Carlos-Fieber, als dieser in Mittelanatolien vorstellig wurde. Der Brasilianer hat behutsam einen Kader aufgebaut, eine tolle Vorbereitung hinter sich und irgendwann, wenige Tage vor dem Saisonstart, fiel dem türkischen Verband dann plötzlich auf: Hey, der Carlos hat ja gar keine Trainer-Lizenz. Zumindest keine, die ihn berechtigen würde, als Cheftrainer zu agieren. So fintenreich wie er als Spieler nun mal war, kam Carlos auf die Idee, sich schnell eine Lizenz aus Peru zu besorgen. Die türkische Trainerzunft ist erbost: "Das darf doch nicht wahr sein! Nur weil der mal ein guter Spieler war, kann der doch jetzt nicht automatisch die Lizenz bekommen. Ich verfolge das: Wenn Roberto Carlos an der Seitenlinie stehen darf, werde ich für Radau sorgen", sagte Yilmaz Vural jüngst. Der Alles-Süper-Dauergast hat gerade seine 26. Trainerstation hinter sich.

Freude bei Trabzonspor: Einen Neuanfang wagt Trabzonspor: zwei Dutzend Spieler sind gegangen, zwei Dutzend Spieler sind gekommen. Und dazu auch Trainer Mustafa Resit Akcay, der neulich auf einer Pressekonferenz Minsk-Stürmer Sychev als gefährlichsten Spieler des Europa-League-Gegners anpries. Als dann ein weißrussischer Journalist die nicht unwesentliche Info zu verstehen gab, dass Sychev längst verkauft wurde, sagte Akcay: "Ach so, und wir dachten, er ist gesperrt oder so." Naja, passiert mal. Inzwischen wurden Akcay mit Jose Bosingwa und Florent Malouda zwei frühere Chelsea-Stars als Neuzugänge präsentiert. Was die Webseite Trabzonspors aber mit "großer Freude" meinte, als sie dieses Foto des Präsidenten Ibrahim Haciosmanoglu zeigte, erschließt sich uns aber dann nicht so ganz.

Ein bisschen kopflos: Die Süper Lig begrüßt mit Caykur Rizespor, Kayseri Erciyesspor und Torku Konyaspor drei sehr emsige Aufsteiger. Die Neulinge haben insgesamt 44 Transfers getätigt - das Wort Umbruch bekommt eine neue Bedeutung. Richtig aktiv war Rize, der Klub aus der Teestadt, der 15 neue Spieler holte. Zwei direkt aus Nigeria, dazu jeweils einen aus Rumänien, England, Polen, Tschechien, Spanien, viele aus der Türkei und einen aus dem Irak: Dieser eine Letzte, also Ali Adnan, war aufgefallen bei der U-20-WM in der Türkei und er stand auch auf der Liste Galatasarays. Dass er sich letztlich für Rizespor entschied, wurde zu einer Riesengeschichte in der Türkei. Auch für die Kollegen der Zeitung "Ege Postasi", die vor allem bei der Bildauswahl einen großen Job machten.

Der Spielplan der Süper Lig

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