Der Imperator, die Kauflustigen und der X-Faktor

Von SPOX
Freitag, 09.09.2011 | 14:30 Uhr
Fatih Terim begrüßt die Fans von Galatasaray: Der "Imperator" ist zurück
© Imago
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Der Startschuss in der Süper Lig fällt: Im Schatten des Manipulationsskandals und in einem neuen Modus kämpfen Galatasaray, Fenerbahce, Besiktas, Trabzonspor und Co. um den Titel. Die Liga begrüßt neue Gesichter, einen kaufwütigen Aufsteiger, einen deutschen Rückkehrer und seinen Imperator. Begleiten wird die Saison aber vor allem der X-Faktor.

A wie Aydinlar, Mehmet Ali: Der Verbandspräsident wurde Ende Juni gewählt und galt als neuer Hoffnungsträger. Seine Sympathien für Fenerbahce waren bekannt, aber selbst Galatasaray, Besiktas und Trabzonspor unterstützten die Wahl des erfolgreichen Geschäftsmannes, der sich mit seinem finanziellen Support für den türkischen Sport einen Namen machte. Doch der Manipulationsskandal, der Aydinlar nur eine Woche nach seiner Wahl heimsuchte, ließ den Verbandsboss sichtbar altern. "Ich hätte diesen Job nie angenommen, wenn ich das gewusst hätte", sagte Aydinlar neulich. Was er auch macht, was er auch sagt und wie er auch entscheidet: Jedes Mal hat er eine stattliche Anzahl von Gegnern vor sich. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er hinschmeißt.

B wie Besiktas: Die vergangene Saison war eine Enttäuschung, sieht man mal vom Pokalsieg ab. Doch auch der Cup steht längst nicht mehr in der Vitrine, denn den hat Besiktas-Boss Yildirim Demirören im Zuge des Manipulationsskandal wieder zurückgegeben. Dass Trainer Tayfur Havutcu und der mächtige Vorstandsmitglied Serdal Adali in U-Haft sitzen, hat der Klub schwer verdauen können. Dennoch hat es Besiktas geschafft, schnell den Schalter auf das Sportliche umzulegen. Wer es mit dem portugiesischen Fußball hat, sollte bei Besiktas unbedingt vorbeischauen: Mit Almeida, Simao, Bebe, Sidnei, Quaresma, Fernandes und Trainer Carlos Carvalhal sind gleich sieben Portugiesen bei Besiktas unter Vertrag...

C wie Carvalhal, Carlos: Es ist nicht ungewöhnlich, als Interimstrainer geholt zu werden. Bei Carlos Carvalhal ist es anders: Er ist bei Besiktas zum Saisonstart als Interimstrainer geholt worden, weil sein Vorgänger ins Gefängnis musste und sein Vorgänger könnte auch jederzeit wieder sein Nachfolger werden. Denn: Sollte Besiktas-Trainer Tayfur Havutcu auf freien Fuß kommen, bekommt er seinen Job als Cheftrainer zurück und Carvalhal bleibt dann die Rolle des Assistenten. Umso bemerkenswerter ist es, mit welcher Akribie der Portugiese seinem scheinbaren Kurzzeit-Job nachgeht. Auch bei den Spielern ist er schon hoch angesehen.

D wie Diego Lugano: Als Spieler und Trainer hat man in der Türkei einen schweren Stand. Sich in die Herzen der Anhänger und in die Gunst der Öffentlichkeit zu spielen, ist ein schweres Unterfangen. Diego Lugano war nicht gerade das, was man als Lieblingsspieler bezeichnen könnte. Zumindest galt das für alle, die nicht mit Fenerbahce sympathisieren. Für die Fener-Fans war er dagegen ein Idol - aufgrund seiner Einstellung zum Fußball und seinem Klub. Lugano hat Fener nun Richtung Paris Saint-Germain verlassen und der Uru darf voller Stolz behaupten, dass er zu den wenigen Spielern gehört, die in der Türkei nicht nur beim Empfang am Flughafen auf Schultern getragen werden, sondern auch beim Abschied...

E wie Englische Wochen: Der neue Playoff-Modus der Süper Lig (siehe P) hat den unschönen Nebeneffekt, dass die Süper Lig ab sofort auch unter der Woche spielen muss. 34 Spieltage müssen in die Monate zwischen September und April gepresst werden - da bleibt der Süper Lig nichts anderes übrig, als nun regelmäßig auch am Mittwoch und Donnerstag zu spielen. Gefreut hat es aber nur den Pay-TV-Sender, der sich mehr Einnahmen erhofft.

F wie Fenerbahce: Die Freude über die Rekordmeisterschaft hielt nicht lange. Am 3. Juli 2011 wurde Fenerbahces Präsident Aziz Yildirim erst vernommen und dann festgenommen. Der Startschuss für eine Welle von Verhaftungen: Viele Klubs sind betroffen, aber am härtesten hat es Fener getroffen, weil die Vorwürfe sich auf den Meister konzentrieren. Inzwischen wurde dem Klub die Teilnahme an der Champions League untersagt. Auch der Zwangsabstieg drohte lange, aber da wird sich zunächst nichts tun. Fenerbahce musste dennoch tüchtig einstecken: Die Verluste durch den Wertverfall der Aktie haben sich im zweistelligen Millionenbereich eingependelt, wichtige Spieler wie Diego Lugano, Andre Santos und Mamadou Niang haben den Klub verlassen. Fener steht vor einer schweren Saison.

G wie Galatasaray:

Die grauenvolle Saison 2010/11 veränderte bei Galatasaray so einiges: Neuer Vorstand, neuer Trainer und eine neue Mannschaft: Gala ließ 17 Spieler, darunter Arda Turan, Harry Kewell, Lucas Neill, Juan Pino, ziehen und holte dreizehn neue Spieler.

Mit Felipe Melo, Fernando Muslera, Tomas Ujfalusi, Selcuk Inan, Emmanuel Eboue, Albert Riera und zuletzt Sercan Yildirim ist die Qualität des Kaders deutlich verbessert worden, aber die Erwartungen im Umfeld sind riesig. Trainer Fatih Terim (siehe I wie Imperator) wurde empfangen wie ein Messias. Sollten sich die Neuen schnell integrieren und der Umbruch schnell vonstatten gehen, ist Gala wohl der gewichtigste Titelkandidat der Süper Lig.

H wie Hoffnungsträger: Viele neue Spieler haben die Klubs verstärkt - bei vielen ist die Erwartung groß. Eine Auswahl gefällig? Bei Galatasaray erhofft man sich einiges von Felipe Melo, dem Ex-Juventus-Spieler, bei Champions-League-Starter Trabzonspor sind es Didier Zokora, Marek Cech und auch Halil Altintop. Fenerbahce hat Reto Ziegler von Juventus verpflichtet und den in der letzten Saison bereits von Everton ausgeliehenen Joseph Yobo zurückgeholt. Bei Besiktas bleibt der Spanier Guti auch in dieser Saison und soll endlich seine Klasse zeigen.

I wie Imperator: Zum dritten Mal ist Fatih Terim als Trainer zu Galatasaray zurückgekehrt: Beim ersten Mal feierte man UEFA-Pokalsieg und vier Meisterschaften in Folge, Terim prägte eine Ära des türkischen Fußballs. Der zweite Versuch ging komplett in die Hose: Terims damalige Einkaufspolitik wurde ihm zum Verhängnis, letztlich wurde er zum Rücktritt gezwungen. Eigentlich wollte der Imperator zu Gala als Trainer nicht mehr zurückkehren, doch die Rufe wurden nach der verkorksten Saison 10/11 zu laut, um das Mandat ablehnen zu können. Der frühere Milan-Trainer beansprucht bei Gala viel Macht und hat sich schnell mit wichtigsten Vorstandsmitgliedern angelegt. Die Unterstützung der Mannschaft, der Fans und des Präsidenten genießt er aber in vollen Zügen.

J wie Jungspunde: Der jüngste Mannschaft der Liga ist Kayserispor. Der Altersdurchschnitt des Kaders beträgt 23,1. Kein Zufall, dass auch Trainer Shota Arveladze mit 38 der jüngste Trainer der Süper Lig ist. Ach ja, die älteste Mannschaft der Süper Lig ist Antalyaspor (28,3 Jahre).

K wie Kauflust: Aufsteiger Orduspor verpflichtete sage und schreibe 23 neue Spieler, darunter den einen oder anderen interessanten Kicker. Auch ein Deutscher ist dabei: Tobias Nickenig (ehemals VfL Osnabrück und 1. FC Köln) soll der neue Abwehrchef der Veilchen werden.

L wie LIVE-TICKER: Alle Spiele der Süper Lig werden bei SPOX im LIVE-TICKER übertragen. Einfach reinklicken und mitfiebern!

M wie Michael Fink: Als Besiktas 2009 Meister wurde, war der Deutsche ein wichtiger Part in der Mannschaft von Mustafa Denizli. Denizli ging, Bernd Schuster kam und Fink stand nicht mehr zur Debatte. Besiktas meldete ihn aufgrund der Ausländerbegrenzung beim Verband ab, ließ ihn separat trainieren und lieh den Mittelfeldspieler zu Borussia Mönchengladbach aus. Auch nach der Rückkehr spielte Fink keine Rolle mehr, obwohl die Klubs fortan so viele Ausländer unter Vertrag nehmen dürfen, wie es ihnen lieb ist. Dem Ex-Frankfurter gelang nun die erneute Flucht: Fink wechselte zum Aufsteiger Samsunspor...

Teil 2: Wie funktionieren die Playoffs? Was macht Skibbe? Wer sitzt ein?

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