Terim, Drogba, Kenyon: Ein Klub erfindet sich neu

Von SPOX
Dienstag, 17.05.2011 | 12:26 Uhr
Neue Köpfe bei Galatasaray? Peter Kenyon, Didier Drogba und Fatih Terim sind im Gespräch
© spox
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Neuanfang bei Galatasaray: Ünal Aysal wurde mit einem Rekordergebnis zum neuen Präsidenten des Klubs gewählt. Der wohlhabende Geschäftsmann kommt mit neuen Ideen, neuen Stars und einem großen Versprechen. Aysal will Galatasaray aufleben lassen und kennt dabei keine Grenzen. Der neue Trainer steht dabei auch schon so gut wie fest.

Mehr Symbolcharakter ging nicht: Die 1905. gezählte Stimme machte Ünal Aysal vorzeitig zum Präsidenten. Die Konkurrenten Turgay Kiran und Mehmet Helvaci hatten eigentlich schon nach den ersten Zählungen am Samstag keine Chance mehr.

Beim Gründungsjahr Galatasarays sollte es aber nicht bleiben, denn es folgten weitere 1083 Stimmen, die Aysal zum Rekordpräsidenten in der Geschichte des Klubs machen.

"Das ist ein Zeichen von Vertrauen, aber auch ein klarer Auftrag an uns", sagte Aysal nach dem Triumph und vesprach "Erfolg, Erfolg und nochmals Erfolg".

Das Phantom ist da

Aysal ist der große Hoffnungsträger, den der Klub in der schwersten Krise seiner Geschichte gesucht hat. Der Name des millardenschweren Energie-Tycoons geistert schon seit Jahren durch Istanbul, doch ein Gesicht gab es zum "Phantom" nie.

Jetzt jedoch riefen die außergewöhnliche Situation bei Gala, der zwischenzeitlich drohende Abstieg und der extreme Verlust der "Marke Galatasaray" Aysal auf den Plan.

"Das ist nicht das Bild, das der Klub abgeben darf", sagt Aysal. "Galatasaray muss international ein gewichtiges Wort mitreden. Die europäischen Titel Anfang des Jahrtausends sind unser Maßstab." Erinnerungen an bessere Zeiten, an den UEFA-Pokal-Sieg und den Supercup-Erfolg im Jahr 2000.

Fast sicher: Terim kommt

Mit den Renovierungsarbeiten haben Aysal und sein Vorstand, in dem sich gewichtige Größen des Klubs versammelt haben, längst begonnen. "Wir haben nicht viel Zeit und nicht viel Anlaufzeit", sagt Aysal.

Als erste Amtshandlung soll ein neuer Trainer geholt werden. Gehandelt wurden viele Namen, doch die Wahl ist auf Fatih Terim gefallen. Der Imperator kehrt aller Voraussicht nach zum dritten Mal zu Galatasaray zurück, nachdem er schon zwischen 1996 und 2000, sowie von 2002 bis 2004 für die Gelb-Roten arbeitete.

Ursprünglich war Martin Jol Favorit auf den Posten: Nach SPOX-Informationen wurde bereits eine Einigung mit dem früheren Trainer des Hamburger SV erzielt, doch Galatasaray bevorzuge nun beim Neuanfang doch einen Trainer, der den Klub schon gut kennt.

Neue Struktur für den Klub

"Es ist richtig, dass Jol kontaktiert wurde, aber Fatih Terim ist einer unserer ersten Ansprechpartner", bestätigte Aysal am Sonntag. Am Montag trafen sich Vizepräsident Ali Dürüst und Terim zu einem Gespräch. Eine Terim-Rückkehr könnte nur noch an einem Veto der Familie scheitern. Aber daran glaubt im Umfeld niemand.

Terim, den Aysal-Vorgänger Adnan Polat zu einer Rückkehr nicht überzeugen konnte, wird sich allerdings mit eingeschränkten Befugnissen begnügen müssen. "Der neue Trainer muss wissen, welche Kompetenzen er hat. Wenn er diese akzeptiert, kann er arbeiten. Wenn nicht, dann nicht", sagt Aysal.

Galatasaray soll eine neue Struktur bekommen. Die Geschicke des Klubs sollen nicht mehr ehrenamtiliche Vorstandsmitglieder, sondern hauptverantwortliche Geschäftsführer leiten.

Kenyon steht parat

Es gilt als beschlossene Sache, dass Peter Kenyon, Ex-CEO bei Manchester United und beim FC Chelsea, übernimmt.

Kenyon stand schon 2008 vor einem Engagement bei Galatasaray, doch damals scheiterte Präsidentschaftskandidat und Kenyon-Befürworter Adnan Öztürk nur knapp an Adnan Polat. Nun stehtn Öztürk aber im Vorstand Aysals - und Kenyon einmal mehr parat.

Auch Thomas Kurth, Gründer der G-14, und Barcelonas früherer Fußball-Direktor Esteve Calzada sind Öztürk-Freunde, die erneut mit Galatasaray in Verbindung gebracht werden.

"Wir müssen uns an den modernen Strukturen der europäischen Spitzenkubs orientieren", sagt Aysal. "Natürlich ist Galatasaray ein Sportverein, aber vielmehr ist es ein Konzern, der profesionell geführt werden muss."

Im Gespräch: Drogba, Altintop und Kallström

Doch zunächst muss Aysal zu alten Methoden greifen, um seinem Klub auf die Beine zu helfen. Er wird anfangs nicht drumherum kommen, in die Privatschatulle zu greifen, um den geplanten Komplettumbruch im Kader voranzubringen.

"Wir werden vier, fünf Stars holen, weil wir in der nächsten Saison Meister werden wollen", kündigt er an. Dabei ist der Name Dider Drogba vom FC Chelsea längst kein Lückenfüller mehr in den zahlreichen Sportzeitungen am Bosporus, sondern ernsthaft im Gespräch.

Auch Hamit Altintop, so heißt es aus dem Umfeld des neuen Vorstands, könnte zu Galatasaray wechseln, wenn er doch nicht mit Real Madrid einig wird. Bestätigte Namen sind Johan Elmander von den Bolton Wanderers und Kim Kallström von Olympique Lyon: "Wir wollen beide Spieler verpflichten", sagt Aysal.

"Mindestens ein Drittel aus dem aktuellen Kader wird gehen und wir werden Wege finden, wie wir das lösen", so Aysal weiter. Spieler wie Harry Kewell, Lucas Neill, Emiliano Insua und Robinson Zapata haben bei Gala keine Zukunft mehr.

"Abramowitsch sieht besser aus"

Doch der neue Vorstand hat nicht nur sportliche Aufgaben zu bewältigen: "Galatasaray drücken Belastungen und Schulden. Wir müssen mit Hochdruck daran arbeiten, dass unser Klub wieder gesund wird", sagt Aysal. "Wir haben die Mittel, die Ideen und die Vision, alle Problem zu lösen."

Allein bis Ende des Monats muss Galatasaray 50 Millionen Euro aufbringen, um kurzfristige Zahlungen zu begleichen. Zahlen, die Aysal nicht abschrecken. "Wir haben Schulden, aber der Klub hat ein großes Vermögen und kann alles meistern."

Nur eine Sache schmeckt dem neuen Macher nicht: Der Vergleich mit Roman Abramowitsch. "Wir sind unterschiedlich. Er hat den FC Chelsea gekauft und hat persönliches Interesse an einem Gewinn. Galatasaray gehört mir nicht und ich werde auch nicht mein ganzes Privatvermögen investieren."

Und übrigens: "Herr Abramowitsch sieht besser aus als ich."

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