Fussball

Mamaaaaa!

Von Fatih Demireli
Burak Yilmaz schickt seiner Mama nach seinem Tor liebe Grüße ins heimische Wohnzimmer
© Getty

ALLES SÜPER geht mit der Süper Lig chloroform und sucht den Konflikt. Galatasarays neuer Trainer mag keine Kolumbianer. Dafür gibt's bei den Gelb-Roten einen Opa-Wahn. Und: Der kleine Burak sucht seine Mutter.

AL sucks: Wenn man dem einen oder anderen glauben schenken darf, kann die Süper Lig nichts. Die Vorwürfe im Einzelnen: In die Süper Lig gehen nur alte, über dem Zenit dahin vegetierende, urlaubsmäßig in der Türkei befindliche Altstars, die kein anderer haben will. In der Süper Lig haben die Trainer ein Haltbarkeitsdatum wie sonst nur beim FC Bayern. In der Süper Lig gibt's nur Ausschreitungen und Konflikte. Und getürkt wird da auch ständig.

ALLES SÜPER sagt zu allen diesen Vorwürfen: Na und?!

Uns macht es Spaß und Konflikte müssen ja gar nicht so langweilig sein. Weil sich Eskisehirspors Trainer Bülent Uygun gegen den Vorwurf wehren wollte, sein Team habe gegen Fenerbahce absichtlich schlecht gespielt, damit Uyguns Ex-Klub Fener die Punkte einfach mal so einsackt, ließ er sich bei einer TV-Sendung per Telefon live zuschalten. Blöd nur, dass das Ganze etwas ausartete. Der Moderator und seine Studiogäste gingen aufeinander los, weil der Moderator eine Frage stellen wollte, aber die Gäste lieber vorher etwas sagen wollten.

Vielleicht war es auch gut so, dass der Moderator keine Fragen stellte. "Haben Sie den Tunnel gebuddelt, um auszubrechen?", wollt er mal vor ein paar Jahren live im TV wissen. Von einem Häftling, der nach monatelanger Buddel-Arbeit aus seinem Hochsicherheitsgefängnis ausgebüchst war und später gefasst wurde. Vielleicht hatten die Studiogäste einfach nur Angst, dass er eine ähnliche Frage stellt und hauten auf die Pauke.

Was auch immer, der Moderator brach die Sendung ab - wahrscheinlich wird der Quoten-Knaller "Son Kale" nie wieder ausgestrahlt. Und Uygun? Der brüllte am Telefon im Hintergrund etwas, was kein Mensch verstand.

Um mit der Süper Lig Solidarität in diesen schweren Zeiten zu zeigen, machen wir jetzt auch einen auf Konflikt: Hey, ALLES SÜPER für Deutsche, ja Du, dich meine ich, AL: Du nervst! Und jetzt brechen wir die Sendung ab.

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Kolumbianer, der: Naja, vielleicht machen wir doch weiter. Bringt ja nichts. Das ist übrigens auch die Devise bei Galatasaray. Wer sagt, dass Gala keine Ziele mehr in dieser Saison hat. Platz 14, nur noch neun Punkte bis zum Abstiegsplatz - das ist doch aufzuholen, Gala. Das Restprogramm sieht vielversprechend aus und Galas Interimstrainer Bülent Ünder hat auch angefangen, jeden halbwegs fähigen Spieler aus dem Kader zu werfen, damit das mindeste aller Mindestziele erreicht werden kann.

Nach dem 0:1 gegen Trabzonspor sagte Ünder im besten pressemitteilungstürkisch: "Den kolumbianischen Fußballer, Juan Pablo Pino, werdet ihr ab sofort nicht mehr sehen." Was sich zunächst anhört wie eine Mordankündigung, ist eigentlich eine Suspendierung auf Lebenszeit. Oder mindestens bis Saisonende. "Ich habe ihm eine Chance gegeben und er ist einfach nur spaziert", sagt Ünder.

Wieso er den Zusatz "Kolumbianer" verwendet hat, ist sein Geheimnis. Sehr interessant auch, dass Pino von seinem Glück bis dahin nicht wusste. "Ich denke, ich sage es ihm im Bus", so Ünder. Gerüchten zu Folge soll Pino, der südamerikanische Kolumbianer aus Kolumbien bei der Heimfahrt den Busfahrer gebeten haben, noch schnell am Flughafen vorbei zu fahren. Ist aber nur so ein Gerücht. Genauso ist es eins, dass Pino seinem Trainer gesagt haben soll: "Interimstrainer, ich kenne noch jemanden, den wir bei Gala bald nicht mehr sehen werden."

Jugendwahn: Kann ja bei Gala nicht so ewig weiter gehen mit der Krise. "Galatasaray wird wie Phönix aus der Asche wiederauferstehen", sagt der Präsidentschaftskandidat Ünal Aysal. Der 70 Jahre alte Geschäftsmann will dem Klub auf die Beine helfen und dafür hat er bereits erste Maßnahmen getroffen.

Schritt 1: Bülent Tulun soll Sportdirektor werden. Der gute Mann, der einst Größen wie Marek Heinz und Junichi Inamoto zu Gala holte, und zuletzt den Fliegenfänger Zapata empfahl.

Schritt 2: Das frische, neue Galatasaray soll mit völlig neuen Gesichtern wie Ze Roberto und Clarence Seedorf verstärkt werden.

Tolle Aussichten. Irgendwie sind die meisten Galatasaray-Fans beruhigt, dass Hakan Sükür seit Montag offiziell Kandidat für einen Sitz im türkischen Parlament ist. Mit seinen knackigen 40 Jahren passt er perfekt ins Raster von Galatasaray 2012.

Mamaaaaa! Von wegen Phönix aus der Asche und Galatasaray. Wenn jemand Phönix ist, dann ist es Burak Yilmaz.

Phönix Yilmaz hat in seinem Leben viel richtig gemacht. Er stand schon bei Besiktas und Fenerbahce unter Vertrag, bevor er zu Trabzonspor kam. Ein Hero ist er aber erst am Schwarzen Meer geworden. 14 Saisontore, Neu-Nationalspieler und vielleicht sogar bald Meister - und das obwohl Burak in dieser Saison so ziemlich jede Verletzung erlitten hat, die Wikipedia auflistet.

Beim Gastspiel gegen Galatasaray saß sogar ein Neurologe auf der Bank, weil Burak mit einer Kopfverletzung und einer leichten Gehirnerschütterung auflief. Den Petr-Cech-Gedächtnis-Helm, den der Klub für viel Geld anfertigen ließ, wollte Burak nicht aufsetzen und spielte ohne. "Egal, soll mir der Kopf abfallen, Hauptsache gewonnen", sagte Burak nach dem Spiel.

Gesagt hat er auch etwas während des Spiels. Oder besser gesagt: Geschrien. Nach seinem Tor zum 1:0 kurz vor Schluss brüllte er "Anneeeeee!" in die Kamera. Weil keine Fans im Stadion waren und ein Mikro in der Nähe aufgestellt war, explodierte der "Mamaaaaa!"-Schrei in allen Wohnzimmern. Bei der Familie Yilmaz sogar so sehr, dass Mamaaaa Belgin Yilmaz vor dem Fernseher in Ohnmacht fiel.

So erging es übrigens auch dem Neurologen, der nebenbei großer Trabzonspor-Fan ist und während den 90 Minuten sich mehrmals hin und her warf. Hatte aber nichts mit dem Spiel zu tun, sagt Ahmet Cubukcu: "Ich stand mehrmals vor dem Herzstillstand, weil Burak ohne den Helm gespielt hat. Man muss den Ehrgeiz des Jungen loben, aber er hat mich fertig gemacht."

Die Tabelle der Süper Lig

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