Von Istanbul ins Heartbreak-Hotel

SID
Dienstag, 25.01.2011 | 12:18 Uhr
Wird in Bursa gefeiert, muss sich aber erst einfinden: Kenny Miller
© Getty
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ALLES SÜPER ohne die drei Großen aus Istanbul, geht das? Klar geht das! Denn während die drei Istanbuler Teams ihre Punkte relativ ereignisarm einsackten, war in den restlichen Stadien der Türkei jede Menge los. Bei der Partie von Bursaspor weiß keiner so recht, ob der neue Star denn nun dabei ist oder nicht, ein frustrierter Trainer checkt ins Heartbreak-Hotel ein, der Stadionbesuch eines Spielervaters gerät zur Farce und wir verleihen einen ganz speziellen Award an einen Spieler, der die Auszeichnung wirklich verdient hat. ALLES zum 18.Spieltag in der Türkei.

Kein Istanbul: Diese Reihe behandelt bekannterweise die türkische Liga und hat deshalb immer wieder mit harten Vergleichen zu kämpfen. Die französische Liga ist doch viel besser! Holland ist viel ausgeglichener! Sogar in Island gibt es viel mehr Freestyle-Jubelposen zu sehen. Und was machen wir? Lassen diese Woche einfach mal die drei großen Teams aus Istanbul weg. Ja, auf die eventuell heftig ausfallenden Reaktionen sind wir gefasst. Da klickt man schon auf einen Türkei-Artikel, und dann kommen nicht einmal die einzigen Mannschaften vor, die man kennt?! Zur Verteidigung: Gala und Fener haben jeweils mit einem mehr oder weniger unspektakulären 1:0 gewonnen, und gegen die eindeutigen Kräfteverhältnisse beim 5:1 von  Besiktas über  Bucaspor wäre ein Boxkampf Klitschko-Littbarski ein spannender Thriller. Doch jetzt bloß nicht schon zum Fluchtklick ansetzen! Denn zum einen war in den Stadien außerhalb Istanbuls einfach mehr los, zum anderen kommt später wenigstens noch der Trainer der Istanbuler Stadtverwaltungsmannschaft vor. Ist doch auch was.

Miller oder kein Miller? Meister Bursaspor gastierte am Wochenende in Konya, und vor dem Spiel analysierten zwei Kommentatoren knallhart die Aufstellungen. Kommentator 1, ein älterer Herr, meinte eine Schwäche im Bursa-Kader ausgemacht zu haben: "Denen fehlt einfach ein echter Stürmer." Bei diesen Worten dachte nicht nur Kommentator 2 an Kenny Miller, der mit der Empfehlung von 21 Toren in 18 Spielen aus Schottland geholt worden war, und hakte nach. Nr.1 bemerkte seinen Fehler und reagierte clever: "Oh ja, der ist gut. Auf den wollte ich gerade kommen." Sicher doch. Doch auf groteske Art und Weise hatte der Alte am Ende mit seiner ursprünglichen Aussage sogar Recht, denn Miller spielte zwar ab der 65. Minute mit, irgendwie aber doch nicht. Der Schotte war erst drei Tage vor der Partie in Bursa angekommen und wirkte dementsprechend noch wie ein Fremdkörper. Am Ende standen für ihn ein Ballkontakt, ein Ballverlust, drei resignierende Gesten und null Bindung zu den Mitspielern zu Buche, und nach dem Abpfiff soll sich irgendwo in einer TV-Kommentatoren-Box in Konya ein älterer Herr einen abgelacht und sich währenddessen selber auf die Schulter geklopft haben.

Gefühlschaos: Abdullah Avci, Trainer von Istanbul Büyüksehir Belediyespor (auf neudeutschtürkisch: IBB) war im Interview nach der 2:3-Niederlage in Kayseri im TV-Interview nach dem Spiel ziemlich angefressen und schilderte das Dilemma mit einer seltsamen Mischung aus leiser Ratlosigkeit und heftiger Wut. Mit nüchternen Rechenaufgaben fing es an: "Fünf Spieler kamen an die Seitenlinie und tauschten ihre Schuhe. Jeder brauchte ungefähr zwei Minuten dafür. Das macht zehn Minuten in Unterzahl für uns." Leuchtet ein. Danach ging der Ton dann doch etwas in Richtung Eskalation: "Unsere Spieler testen vor dem Spiel mit jeweils einem Stollen- und einem Nockenschuh den Rasen, und rutschen dann trotzdem die ganze Zeit aus. Amateurhaft!" Daraufhin erzählte Avci, er habe an der Seitenlinie sitzend sein Glück ein paar Etagen weiter oben beim Fußballgott gesucht("Jeder Trainer betet hin und wieder, die Halbzeit ohne Gegentor zu überstehen"), sei aber enttäuscht worden ("kurz darauf fiel das erste Gegentor"), obwohl der Fußballgott anscheinend sehr wohl helfen wollte: Ein Schuss des Gegners wurde gefährlich in Richtung Tor abgefälscht, fiel aber auf die Latte und die Situation schien eigentlich schon geklärt. Doch bevor sich Avci oben bedanken konnte, rauschte Abwehrmann Ekrem heran und setzte den Ball unbedrängt und zielsicher in die eigenen Maschen. Bei soviel Gefühlschaos verwundert es auch nicht mehr, dass Heartbreak-Avci im Interview nicht so recht wusste, ob er nun ratlos oder wütend sein soll.

Mogelpackung: Jeder kennt das: Man schaut Fernsehen und eine Stimme beschreibt das, was man sieht, und irgendwann fällt einem auf, dass das Gesehene und das Gehörte nicht so recht zusammenpassen. "Der Blockbuster des Jahres" ist so ein Beispiel, "Experte Beckenbauer" ein anderes, und beim Begriff "Starlet" sollte man eh grundsätzlich aufhorchen. Ähnliches passierte am Sonntag bei der Partie Trabzonspor gegen Ankara. Dort war nämlich zum ersten Mal in acht Jahren der Vater von Trabzons Kapitän Ibrahim Yattara anwesend, und für die Regie und die Kommentatoren war der väterliche Besuch ein großes Ereignis, das immer wieder in den Mittelpunkt der Übertragung gestellt wurde. "Schauen Sie, Yattaras Vater hält es vor Spannung kaum auf den Sitzen!" Stimmte nicht ganz, Yattaras Vater schaute sich einfach regungslos das Spiel an. Später hieß es: "So freute sich Yattaras Vater über die schöne Torvorlage seines Sohnes", doch immer noch strahlte Yattara Senior die Emotionalität eines Schuhkartons aus. Das Highlight dann in der Halbzeit, als eine einheimische Truppe einen traditionellen Tanz aus der Region aufführte: "Yattaras Vater ist begeistert und würde am liebsten gleich mittanzen!" Ja, so kann man das auch beschreiben, wenn ein Mensch abwechselnd auf eine ihm völlig fremde Tanzvorstellung und die ständig auf ihn gerichteten Kameras blickt und dabei ziemlich irritiert aussieht. Warum nicht.

Mann ohne Nerven: Zurück zur Montagabendpartie in  Kayseri, denn die hat nicht nur IBB-Trainer Avci ein gebrochenes Herz beschert, sondern einem gegnerischen Spieler auch eine ALLES SÜPER-Auszeichnung, die heute zum ersten Mal verliehen wird: der Mann-Ohne-Nerven-Award! Kayseri-Torwart Souleymanou verletzte sich kurz vor Schluss beim Stand von 3:2 schwer und musste ausgewechselt werden, für ihn stand der von Fenerbahce ausgeliehene  Volkan Babacan bereit. Wenige Minuten später, es lief der letzte Angriff des Spiels, hatte Volkan dann seinen großen, sehr großen Auftritt. IBB-Spieler Holmen zog von der Strafraumgrenze ab, und der eben Eingewechselte gab den routinierten Keeper mit geschultem Auge und hob in Torwart-Manier lässig die Hand, um zu signalisieren: "Der geht raus! Seh ich." Dumm nur, dass er mit seiner Lockerheit ziemlich allein da stand, denn einen Moment später prallte die Kugel auf die Latte und ein Aufschrei ging durchs Stadion. Ging noch mal gut, Kayseri gewann, doch die Fragen blieben. Hat er es wirklich gesehen? Sind das die Eier, von denen Kahn damals sprach? Oder hatte der Gute vor lauter Langeweile auf der Ersatzbank eine Wette mit seinem Sitznachbar laufen, nach dem Motto: "Was kriege ich, wenn ich mal reinkomme und..."? Man weiß es nicht. Und unseren Nerven-Award wollte er auch nicht.

Gala erledigt Pflichtaufgabe in neuer Arena

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