"Zum Glück kann ich kein Türkisch"

Von Cihan Acar
Dienstag, 24.08.2010 | 23:59 Uhr
Kann mit dem Saisonstart bei Besiktas nicht zufrieden sein: Roberto Hilbert
© Imago
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Der zweite Spieltag der Süper Lig war voller Konfrontationen: der Meister fordert die Königlichen, Fener und Besiktas streiten sich um Robinho, Roberto Hilbert wehrt sich gegen die Presse. Ein Ex-Nationalspieler dagegen watscht mal eben alles und jeden bei Gala ab. Selbst Markus Merk schlägt strengere Töne an.

Her mit Real: Man muss schon den Hut vor dem neuen Selbstbewusstsein von Bursaspor ziehen: Unter der Woche wurde ein Sieg im Ali Sami Yen gegen Galatasaray angekündigt, am Sonntag wurde der Sieg selbstsicher eingefahren. Mit den Gedanken waren die Spieler allerdings gar nicht in Istanbul, sondern weit, weit westlich. Als Sercan Yildirim nach dem Spiel vor der Kabine ein Interview gab, waren im Hintergrund "Real, Real!"-Rufe aus der Umkleide zu hören. Darauf angesprochen, meinte der Spieler: "Wir wollen jetzt Real in der Champions League!" Seit dem Meistertitel ist in der Stadt der Begriff "Real Madrid" zum geflügelten Wort geworden. Bursa ist zum ersten Mal für die Champions League qualifiziert und möchte gleich die Königlichen vor die Brust. Die Auslosung findet übrigens am Donnerstagabend um 18 Uhr statt.

Transfersalat: Bei Transfers in der Türkei bzw. der Berichterstattung darüber gilt folgende Regel: Glaube nichts, bevor du den Spieler auf den Schultern der feiernden Fans beim Flughafen-Empfang siehst. Neuestes Beispiel: die Robinho-Saga. Mal ist er bereits bei Besiktas, dann werden noch Sponsoren für die 25 Millionen Ablösesumme gesucht, ein paar Stunden später ist er schon Fenerbahce-Spieler. Robinho selbst stellte allerdings am Montag klar: "Bei allem Respekt für den türkischen Fußball, aber ich werde nicht dorthin wechseln." Stattdessen hat er Italien oder Spanien im Auge. Auch Miroslav Klose wurde in türkischen Medien schon zu Besiktas verschachert - der FC Bayern konterte mit einem ziemlich barschen Dementi.

Handspiel: Was macht ein Polizist, wenn er gerade an einer Bank vorbeiläuft, im selben Moment ein maskierter Mann herausstürmt, beim Anblick des Polizisten in Panik ausbricht, das gestohlene Geld fallen lässt und sich geschockt an den Kopf fasst? Abdullah Yilmaz, Schiedsrichter der Partie Galatasaray vs. Bursa, würde wohl antworten: "Einen schönen Tag wünschen!" In 45. Minute rutschte nämlich vor dessen Augen Bursas Flügelflitzer Volkan Sen aus und hielt im Fallen den Ball mit der Hand fest.

Da Volkan bereits Gelb gesehen hatte, war für jeden im Stadion die Sache klar: Gelb-Rot, Platzverweis! Für die pfeifenden Zuschauer, für die halbe protestierende Gala-Mannschaft und für Volkan selbst, der sofort zum Schiedsrichter blickte und voller Reue die Hände ins Gesicht schlug. Yilmaz machte aber auf lockeren Cop, der einen Promi ohne Führerschein augenzwinkernd weiterfahren lässt, und verzichtete auf den Platzverweis. Volkan durfte weiterspielen, machte ein überragendes Spiel und nahms locker: "Als der Schiri gepfiffen hat, dachte ich, ich fliege vom Platz. Es ist trotzdem ein schönes Gefühl, hier gewonnen zu haben."

Anpassungsprobleme: Dass ausländische Spieler sich an die Türkei oftmals nur langsam gewöhnen, ist nichts Neues - man denke nur an die Farbengeschichte mit Miroslav Stoch und Mamadou Niang in der letzten Woche. Auch in dieser Woche gibt es wieder Beschwerden über verschiedenste Vorgänge: Niang, der übrigens immer noch nicht auf seine gelb-roten Schuhe verzichten will, klagte nach der Partie in Trabzon: "Das Trikothalten gehört wohl zum türkischen Fußball. Bei jedem Zweikampf zerrt mein Gegenspieler an mir. Daran werde ich mich noch gewöhnen müssen." Roberto Hilbert wundert sich dagegen über Berichte, dass er bereits wieder abgeschoben werden und Platz für neue Transfers bei Besiktas machen soll: "Wo gibt es denn sowas? Ich bin doch gerade erst angekommen. Aber zum Glück kann ich kein Türkisch."

Der Merk der Woche: Kommen wir zum wöchentlichen Merk, denn der Ex-Schiedsrichter gefällt sich langsam in der Rolle des kritischen TV-Fachmannes. Als er nach der Partie Galatasaray vs. Bursaspor jeden Spieler von 1 bis 5 Sternen benoten sollte, tat er dies bei jedem Bursa-Spieler sorgfältig. Als er dann aber die Heimmannschaft bewerten sollte, wurde Merk streng: "Da muss man sich ja schon überlegen, wem man mehr als 2 Sterne geben könnte."

Ein Spiel lesen: Als ob Galatasaray nicht genug mit zu wenig Sternen zu kämpfen hätte, holte Ogün Temizkanoglu, früher Nationalspieler und bei Trabzonspor und Fenerbahce tätig, nach dem schlechten Saisonstart bei einem Radiosender zum großen Rundumschlag gegen die Löwen aus: "Die Mannschaft ist nicht fit, hat keinen Leader, und Arda ist kein echter Kapitän. Es ist offensichtlich, dass die Spieler sich untereinander nicht ausstehen können. Außerdem akzeptiert die Mannschaft ihren Trainer Rijkaard nicht. Sie wollen nicht, dass er weiterhin ihr Trainer bleibt." Woher weiß Ogün das alles? Kennt er einen Vereins-Insider? Hat sich Rijkaard ihm anvertraut? Wer braucht schon Connections, wenn es doch viel einfacher geht: "Das alles habe ich im Spiel gegen Bursa gesehen."

Spektakulärer Trabzon-Sieg gegen Fener

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