"Besiktas wurde geschlachtet!"

Von Fatih Demireli
Montag, 19.04.2010 | 15:58 Uhr
Heißes Derby: Schiedsrichter Hüseyin Göcek musste am Sonntagabend immer schlichten
© anadolu
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Das 326. Istanbuler Derby zwischen Fenerbahce und Besiktas geht in die Verlängerung! Nach der 0:1-Pleite und dem Aus im Titelkampf wütet Besiktas gegen Schiedsrichter und Verband. Die Vorstandsmitglieder finden drastische Worte und fordern Konsequenzen. Möglicherweise steht sogar ein Protest im Raum. In die Kritik steht auch ein Brasilianer.

Jubelnde Spieler, ein Konfetti-Regen, der das ganze Stadion bedeckt, 55.000 in Freudentränen versunkene Fans in Ekstase und fröhliche Töne aus den Stadienboxen.

Das 1:0 (1:0) im Istanbuler Derby gegen Besiktas wurde bei Fenerbahce am Sonntag gefeiert wie eine Meisterschaft. Noch lange nach Abpfif blieben Fans und Spieler im Stadion, um den Sieg gegen den Lokalrivalen zu feiern.

Vier Spieltage vor dem Ende hat Fenerbahce einen Punkt Rückstand auf Spitzenreiter Bursaspor. Doch bei Fener ist Titeleuphorie ausgebrochen. "In der nächsten Woche sind wir Tabellenführer und dann hält uns kein mehr auf", so Torhtüer Volkan Demirel.

Ein ganz anderes Bild gab der Verlierer ab: Gesenkte Köpfte, große Enttäuschung, aber vor allem viel Wut nach der Niederlage und dem Aus im Titelkampf bei acht Punkten Rückstand.

Göcek verliert die Kontrolle

Die Empörung bei Besiktas konzentrierte sich aber nicht auf die Tabellensituation und die größtenteils schwache Vorstellung, sondern auf die Leistung des Schiedsrichters Hüseyin Göcek.

Der Unparteiische erwischte einen rabenschwarzen Abend, fand keine Linie in der Verteilung der Karten und verlor zum Ende des Spiels völlig die Kontrolle. Bei Besiktas flogen Fabian Ernst und Ibrahim Toraman vom Platz, bei Fenerbahce erwischte es Wederson.

Bilica demoliert Elfmeterpunkt

Für Diskussionen sorgten aber vor allem zwei Szenen im Fenerbahce-Strafraum: Zum einen der nicht gegebene Elfmeter nach dem Handspiel Diego Luganos in der zweiten Hälfte.

Und zum anderen Fabio Bilica, der nach seinem Foul an Ugur Inceman und dem gegebenen Strafstoß geistesgegenwärtig den Elfmeterpunkt demolierte. Bobos Schuss parierte Fener-Torhüter Volkan Demirel wenig später.

Denizli und Co. wüten

"Das Schiedsrichtergespann soll sich zusammensetzen und sich das Spiel noch einmal ansehen. Sie sollen sehen, welche Entscheidungen sie getroffen haben. Ich kann nur sagen: Wer keinen Mut hat, soll den Schiedsrichter-Job nicht machen", polterte Trainer Mustafa Denizli.

Noch drastischer formulierte es Vorstandsmitglied Sinan Vardar: "Besiktas wurde von den Schiedsrichtern geschlachtet!" Der Klub will jetzt gegen den Verband vorgehen, fordert Konsequenzen.

Besiktas prüft Protest

"Der Verband hat seine Autorität verloren und kann so nicht weitermachen. Der Verband muss die Vertrauensfrage stellen. Wir fordern von den Schiedsrichtern und vom Verband Gerechtigkeit", so Vizepräsident Erdogan Toprak.

Möglicherweise will Besiktas sogar gegen das Ergebnis des Derbys protestieren. Toprak: "Es gibt Regelverstoße, unsere Juristen überprüfen die Sachlage. Wir werden alle Mittel einsetzen und Einspruch einlegen."

Unruhe um SMS

Zwischen Verband und Besiktas herrscht schon seit längerer Zeit Unruhe. Zuletzt soll Besiktas-Boss Yildirim Demirören seine Unzufriedenheit über Schiedsrichter Yunus Yildirim, der beim 0:0 gegen Trabzonspor Besiktas in der letzten Minute einen klaren Elfmeter nicht gab, mit einer SMS an Verbandspräsident Mahmut Özgener geäußert haben.

Dass die SMS publik wurde, sorgte für Empörung bei Besiktas. Nach den Vorfällen beim Derby geht es nun in die nächste Runde. Dass die Querelen und Fehlentscheidungen von den eigenen Leistungen ablenken, ist für Besiktas ein willkommener Nebeneffekt.

Denizli mutlos

Denn auch Besiktas präsentierte sich zuletzt nicht in Bestform. Den Mut, den Besiktas-Trainer Denizli von den Schiedsrichtern einfordert, lässt der 60-Jährige selbst vermissen.

Wie schon in den vergangenen Wochen ließ der BJK-Coach seine Mannschaft bei Fenerbahce mit acht Defensiven antreten, obwohl Besiktas nur ein Sieg weitergeholfen hätte. Torchancen? Mangelware!

Zumindest in den verbleibenden Wochen gelobt Denizli Besserung: "Wir werden in den vergangenen Wochen jetzt den Fußball spielen, den man von uns erwartet!"

Fenerbahce wirft Besiktas aus dem Rennen

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