Das Dilemma der Frohnatur

Von Fatih Demireli
Mittwoch, 21.04.2010 | 12:39 Uhr
Arda Turan wurde mit Galatsasaray ein Mal türkischer Meister
© Imago
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Arda Turan ist wohl der größte Star des türkischen Fußballs, doch die Karriere des Mittelfeldspielers von Galatasaray steht auf dem Prüfstand. Der 23-Jährige steht im besonderen Fokus der Öffentlichkeit. Auch sein Privatleben ist davon betroffen. Einen Ausweg scheint Arda aber schon gefunden zu haben.

Öffentliches Training ist bei Galatasaray eine Seltenheit. Der Klub öffnet höchstens ein bis maximal zwei Mal im Monat seine Pforten des schwer bewachten Trainingsgeländes im Stadtteil Florya.

Am Dienstag war es wieder einmal soweit. Einigen Fans, die bei einem Preisausschreiben gewannen, wurde genauso Eintritt ins Metin-Oktay-Trainingszentrum gewährt wie nach langer Zeit auch den Vertretern der Presse.

Krach im Training

Außergewöhnliches gab es zunächst nicht zu berichten: Der zuletzt angeschlagene Elano trainiert wieder mit, Harry Kewell absolviert weiter sein Lauftraining, Spieler und Trainer Frank Rijkaard sind bestens gelaunt...

...doch dann passiert doch etwas! Plötzlich wird es laut, hektisch - und blutig.

Beim lockeren Spielchen Fünf gegen Zwei geraten Arda Turan und Caner Erkin aneinander. Letzterer blutet wenige Augenblicke später an der Lippe. Der Übeltäter ist Arda Turan.

Proteste von den Fans

Zwar konnte Trainer Frank Rijkaard die eigentlich gut befreundeten Streithähne besänftigen und es gab auch schnell die Versöhnung mit demonstrativer Umarmung vor der Presse, aber die Geschehnisse passen perfekt in die Akte Arda Turan.

Der einstige "Everbody's Darling" erlebt jetzt wohl die schwierigste Phase seiner noch jungen Karriere. Beim 4:1 gegen Diyarbakirspor vor zwei Wochen protestierten die sonst so treuen Galatasaray-Fans gegen ihren Liebling mit Pfiffen und Sprechgesang.

Mit 35 Kameras ins Restaurant

Die sportliche Talfahrt und das fast verlorene Rennen um die Meisterschaft machen die Anhänger an den "lustlosen" Auftritten von Arda und Co. fest. Dass sich der Superstar laut Fan-Meinung lieber in der Glamour- und Glitzerwelt Istanbuls blicken lässt, anstatt auf dem Platz zu glänzen, nehmen sie ihm übel.

Doch Arda wehrt sich vehement: "Ich kann die Fans verstehen, weil sie enttäuscht sind. Ich habe das aber nicht verdient. Ich mache drei Spiele pro Woche, trainiere jeden Tag und gehe dann ein Mal in der Woche zum Essen in ein Restaurant. Dabei verfolgen mich 35 Kameras und dann heißt es, dass ich jeden Tag ausgehe!"

Gefragter Mann

In der Tat folgt ihm die türkische Öffentlichkeit auf Schritt und Tritt. Seine Beziehung zum TV-Star Sinem Kobal hat das Interesse nur gesteigert. Auch dass ihm der Galatasaray-Vorstand zu Saisonbeginn das Kapitänsamt und die Nummer 10 übertrug, hat Arda zu einem gefragten Mann gemacht.

Die einstige Frohnatur, die für jeden Spaß zu haben war, hat ihr Lächeln verloren. Arda Turan ist ernster geworden, auch nachdenklicher. "Ich werde eingeengt, oft verliere ich meine Laune, dabei liebe ich es zu lachen und die Leute zum Lachen zu bringen. Jetzt habe ich schon weiße Haare."

Rijkaards Vergleich

Unterstützung erfährt er inzwischen von prominenter Stelle: "Er hat uns in der Vergangenheit mit großartigen Leistungen verzaubert und wird jetzt kritisiert, wenn er mal nicht so gut spielt. Ich vertraue ihm sehr. Arda wird bald wieder der Alte", sagt Präsident Adnan Polat.

Auch Frank Rijkaard vertraut seinem Kapitän. "Er ist ein wichtiger Spieler für mich. Ich kann einen Vergleich machen: Je größer ein Baum ist, desto größer ist sein Gegenwind. Er wird da aber wieder rauskommen."

Vergleich mit Messi

Die Karriere Arda Turans steht auf dem Prüfstand. Sowohl bei Galatasaray als auch in der Nationalmannschaft werden Wunderdinge erwartet. Die Medien vergleichen ihn in aller Regelmäßigkeit mit Barcelonas Superstar Lionel Messi.

Freuen kann sich der türkische Star darüber nicht: "Das ist totaler Schwachsinn. Messi ist der beste Fußballer der Welt. Er ist der Weltfußballer, der für Barcelona und Argentinien spielt. Ich bin Arda Turan. Diese Vergleiche dienen nur dazu, mir eins auszuwischen, wenn ich mal schlecht spiele!"

Arda will zum FC Liverpool

Als Ausweg sieht Arda Turan einen Wechsel ins Ausland. "Ich will das machen. Vielleicht scheitere ich im Ausland, wer weiß, aber ich will es versuchen."

Und auch einen Wunschverein äußert der beidfüßige Mittelfeldspieler immer wieder: "Der FC Liverpool ähnelt Galatasaray. Die Trikotfarbe ist Rot, der Klub hat Tradition und seine Bräuche."

Voraussetzung: Champions-League-Gewinn

Die Gerüchte, dass sich Rafael Benitez bereits über den Nationalspieler informiert hat und dass sogar Verhandlungen stattgefunden haben, halten sich hartnäckig. Auch Manchester City soll interessiert sein.

Galatasaray will Arda nicht einfach so gehen lassen. "Er bekommt von mir die Freigabe, wenn wir die Champions League gewinnen", sagt Vereinsboss Polat. Es gibt sicherlich einfachere Aufgaben, aber den Druck ist Arda ja inzwischen gewohnt...

Der Galatasaray-Kader im Überblick

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