Tagebuch aus Istanbul, Tag 3

Der ganz normale Ticket-Wahnsinn

Von Für SPOX in Istanbul: Fatih Demireli
Donnerstag, 25.03.2010 | 17:13 Uhr
Warten auf ein Ticket für das Derby: Galatasaray-Fans beim Ticketkauf
© anadolu
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SPOX ist in Istanbul, um die Stimmung in der Stadt vor dem Derby zwischen Galatasaray und Fenerbahce am Sonntag (18 Uhr) hautnah mitzuerleben. Redakteur Fatih Demireli berichtet am dritten Tag vom Ticket-Wahnsinn vor dem Spiel der Spiele.

Seit Wochen und Monaten ausverkaufte Begegnungen sind in der Bundesliga keine Seltenheit: Bayern gegen Bremen. Dortmund gegen Schalke. Hamburg gegen Bremen. Ich könnte die Liste ewig fortsetzen, aber das wäre ja etwas langweilig.

Die Süper Lig hat auch viele Duelle anzubieten, die für hunderttausende Ticketbestellungen sorgen würden. Doch "seit Wochen ausverkauft" gibt es hier nicht. Der Grund: Es gibt keinen Vorverkauf, wie wir ihn aus der Bundesliga kennen. Per Fax, per Mail, per Vorverkaufsschalter sind Eintrittskarten in der Bundesliga schon früh bestellbar.

1.162 Tickets für Fener

Das Derby zwischen Galatasaray und Fenerbahce hat mal wieder gezeigt, dass sich auch die Türken um ein neues System bemühen sollten. Die Tickets wurden erst am heutigen Donnerstag zum Verkauf freigegeben.Tausende Fans versammelten sich schon in den frühen Morgenstunden am Ali-Sami-Yen-Stadion, um Karten für das Derby zu ergattern.

Ganz heiß ist auch das Rennen bei Fener: Dem Gästeteam wurden genau 1.162 Tickets zur Verfügung gestellt. Wer hier beim Vorverkauf am Stadion fündig wird, darf sich auf die eigene Schulter klopfen.

Hacker verderben den Spaß

Leider geht es beim kurzfristigen Vorverkauf nicht immer freundlich zu. Die Tickets sind begrenzt, Schwarzmarkthändler wollen das schnelle Geschäft machen und die Istanbuler Klubs haben seit geraumer Zeit gewisse Voraussetzungen festgelegt. Bei Fenerbahce und Besiktas benötigt man für den Ticketkauf eine Fankarte. Galatasaray setzt den Besitz einer Galatasaray-Kreditkarte voraus.

Wer es im Internet versuchen will, kann es bei dem einzigen lizenzierten Anbieter gerne probieren, aber die Server des Services machen früh Feierabend. Ganz schlaue Internetfreaks haben die Gunst der Stunde genutzt und den Ticket-Onlineservice einfach mal nachgebaut. Wer darauf reingefallen ist, gab seine Kreditkarten-Daten an die Hacker weiter.

Run auf die Tickets aus dem Ausland

Der Schwindel ist zum Glück schnell aufgeflogen. Kopfschmerzen bereiten nicht nur Hacker und langsame Server, sondern auch hohe Preise. Das billigste Ticket gibt's für 40 Euro - die weiteren Preise staffeln sich im Bereich um die 100, 200 Euro und mehr. Für viele Fans, die eigens aus dem Ausland und aus der ganzen Türkei nach Istanbul reisen, um das Derby zu besuchen, eine böse Überraschung.

Viele zahlen diese Preise trotzdem, weil die Derby-Stimmung verlockend ist. Es gibt auch Menschen im Stadion, die für den Eintritt nichts bezahlen.

Neben Spielern und Trainern sind dies Journalisten und Sicherheitskräfte. Während über 300 Journalisten mit dabei sein werden, haben die Behörden den Einsatz von 3.650 Sicherheitskräften angekündigt.

Tag 2: Die Rivalität ruht nach Canaydins Tod

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