Galatasaray - Fenerbahce Nachbericht

Derby-Fuchs Daum und der Rückspiegel

Von Für SPOX in Istanbul: Fatih Demireli
Montag, 29.03.2010 | 09:54 Uhr
Gökhan Gönül (l.) und Torschütze Selcuk Sahin (r.) bejubeln den Treffer zum 1:0
© Anadolu
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Nach der 0:1-Niederlage im Derby gegen Fenerbahce leckt Galatasaray seine Wunden und sucht nach Gründen für die Pleite. Fener-Coach Christoph Daum ist voll des Lobes für seine Spieler und Kapitän Alex sendet eine Kampfansage an die Konkurrenz.

Hincal Uluc ist einer der berühmtesten Journalisten der Türkei. Der Mann ist eingefleischter Galatasaray-Fan, aber wer dieses Detail nicht kennt, würde bei den Ausführungen Ulucs denken, er hat eine tiefe Abneigung gegenüber über dem Klub.

"Wenn Galatasaray gegen Fenerbahce spielt und Fener gut drauf ist, gewinnt immer Fener. Wenn Galatasaray gut drauf ist, gewinnt wieder Fener. Und wenn beide gut drauf sind, gewinnt auch Fener", sagte Uluc einst und erntete dafür viel Kritik unter den Galatasaray-Fans.

"Am Ende sind die Details wichtig"

Doch inzwischen scheint der Spruch seine Gültigkeit zu haben. Nach dem 1:0-Erfolg bei Galatasaray hat Fenerbahce nicht nur seinen Lokalrivalen in der Tabelle der Süper Lig überholt, sondern auch seine Vormachtsstellung in Istanbul noch einmal unterstrichen.

Aus den letzten elf Liga-Spielen holte Fener gegen Gala neun Siege, spielte ein Mal Remis und verlor nur ein einziges Mal. "In den Derbys entscheidet die Tagesform. Es sind zwei Mannschaften auf Augenhöhe, aber wichtig sind immer die Details", so Fenerbahce-Trainer Christoph Daum nach dem Spiel zu SPOX.

Selcuk Sahin trifft

Bei der Analyse der Details hat Fenerbahce beim 364. Aufeinandertreffen in der Tat viel richtig gemacht. Wie schon beim 3:1 im Hinspiel war Fener zunächst auf Spielkontrolle bedacht, Galatasaray wurden kaum Räume zur Entfaltung gegeben.

Galas Offensivleute wie Abdel Kader Keita, Jo oder Elano winkten bereits früh im Spiel entnervt ab. Die rigorose Spielweise, deren Härte auch Schiedsrichter Cüneyt Cakir oftmals durchgehen ließ, war Gift für Galatasaray. Daums Taktik ging auf und im entscheidenden Moment schlug Fenerbahce eiskalt zu: Selcuk Sahin traf nach 70 Minuten aus dem Nichts zum 1:0.

Alex warnt Bursaspor

"Wir waren im Mittelfeld um einiges präsenter als der Gegner", so Daum. Allen voran Torschütze Selcuk und Nebenmann Mehmet Topuz ließen den Ausfall von Emre Belözoglu kaum spüren. "Meine Spieler haben Charakter gezeigt und bewiesen, dass sie das Fenerbahce-Trikot tragen dürfen", so Daum weiter.

War vor Wochen noch der Titel in weite Ferne gerückt, darf Fenerbahce nach dem Derby-Triumph wieder hoffen. Der Rückstand zu Tabellenführer Bursaspor beträgt nur noch drei Punkte. "Bursaspor wird uns ab sofort im Rückspiegel sehen", sagt Kapitän Alex.

"Ein schöner Tag"

"Der Derby-Sieg wird uns für die weiteren Aufgaben beflügeln. Es ist ein schöner Tag für Fenerbahce, wir dürfen jetzt feiern, aber wir müssen jetzt auch nach vorne schauen", warnt Torhüter Volkan Demirel, der nach einem Schuss von Abdel Kader Keita in der Nachspielzeit mit einer Glanzparade den Ausgleich verhinderte.

Für Galatasaray war Keitas vergebene Chance die finale Phase einer Unglückskette, die sich über 90 Minuten durchratterte. Die Gastgeber waren zwar vor allem in der Anfangsphase das bessere Team, aber die Torchancen wurden von Mustafa Sarp, Giovani dos Santos und Co. wie schon in den letzten Wochen leichtfertig vergeben.

Rijkaard vs. Servet

"Hätten wir nur eine unserer Möglichkeiten genutzt, würden wir jetzt anders reden", sagte ein sichtlich enttäuschter Frank Rijkaard nach der ersten Heimniederlage in seiner Ära bei Galatasaray. Doch bei den Gelb-Roten sind derzeit nicht nur die vergebenen Torchancen ein Problem.

Während Servet Cetin nach dem Schlusspfiff den fehlenden Kampfgeist bemängelte, sah dies Trainer Rijkaard ganz anders und war sauer auf seinen Innenverteidiger: "Wenn ein Spieler so etwas sagt, muss er erst einmal sich selbst anschauen. Es ist sehr traurig, dass ein Spieler so etwas nach einem Derby sagen kann."

Neill macht sich Mut

Bei Galatasaray brodelt es. Torhüter Leo Franco wurde nach seinem Patzer beim 0:1 fortan gnadenlos ausgepfiffen. Die Nerven liegen blank.

Vor wenigen Wochen stand der Klub noch mit Vorsprung an der Tabellenspitze, doch nach drei Niederlagen in vier Spielen ist "Cimbom" inzwischen auf Platz vier abgerutscht. "Wir müssen bis zum Schluss kämpfen, aber für uns wird es jetzt sehr schwer, den Titel zu holen", sagt Rijkaard ehrlich.

"Es sind noch 21 Punkte zu vergeben. Wir müssen diese Enttäuschung jetzt vergessen und alle Punkte holen. Dann sehen wir weiter", so Lucas Neill. Der Australier war gegen Fenerbahce einer der wenigen Gala-Profis, der Normalform erreichte.

Applaus für Fener im Ali Sami Yen

Positiv war aus Galatasaray-Sicht am Ende nur, dass Fenerbahce, das mit einem Spruchband dem verstorbenen Ex-Galatasaray-Präsidenten Özhan Canaydin gedachte, minutenlang applaudiert wurde.

In Zeiten aufgeladener Derbys eine schöne Wende zum Guten, doch für Frank Rijkaard und Co. wird dies nur ein schwacher Trost bleiben.

Derby in Istanbul: Krummes Tor mach Fenerbahce zum König

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