Ein Sorgenkind als Hoffnungsträger

Von Fatih Demireli
Montag, 22.02.2010 | 10:52 Uhr
Daniel Güiza wechselte nach der EURO 2008 von Mallorca zu Fenerbahce
© anadolu
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Mit einem Sieg gegen Bursaspor kann Fenerbahce am Montag (ab 18.45 Uhr im LIVE-TICKER) wieder an die Spitze der Süper Lig zurückkehren. Gegen Bursa spielte Fener erst vor wenigen Wochen im türkischen Pokal und erreichte das Halbfinale. Der Fenerbahce-Held von diesem Spiel ist wenige Tage später der große Buhmann.

Nach dem 3:0 im Hinspiel schien die Sache klar zu sein. Wenn kein kleines Wunder geschieht, zieht Fenerbahce ins Halbfinale des türkischen Pokals ein. Doch genau dieses Wunder stand kurz vor der Erfüllung.

Bis zu 89. Minute führte Bursa zuhause mit 3:0 und war sogar drauf und dran das vierte Tor nachzulegen. Doch Daniel Güiza hatte etwas dagegen und nutzte die einzige Chance Feners nach der Pause in der Schlussminute zum 1:3. Fenerbahce stand im Halbfinale, Güiza war der große Held.

"Wie ist der Torschützenkönig geworden?"

Nun stehen sich am Montagabend beide Teams wieder gegenüber, doch Güiza ist längst kein Held mehr. Der Spanier beherrschte nach dem 1:2 bei OSC Lille in der Europa League die Schlagzeilen. Güiza vergab eine Großchance nach der anderen und war so nicht ganz schuldlos an der Niederlage Feners in Frankreich.

"Wie ist dieser Mann eigentlich Torschützenkönig in Spanien geworden?", schimpfte Fenerbahce-Legende Ziya Sengül im TV. Ex-Fenerbahce-Angreifer und letztjähriger Sivasspor-Trainer Bülent Uygun legte nach: "Hätten die Fenerbahce-Scouts ihn richtig beobachtet, würde der Mann heute nicht bei Fener spielen!"

Daum schützt Güiza

Nur einer steht noch richtig hinter dem Europameister von 2008 - Trainer Christoph Daum: "Man kann nicht von ihm erwarten, dass er immer Tore macht. Es ist wichtig, dass er sich die Chancen erarbeitet und das tut er." Der Abschluss ist dennoch zu oft kläglich.

Wie eben in Lille, als Güiza in guter Schussposition ungenau nach rechts für Alex ablegte. Selbst der brasilianische Kapitän winkte in dieser Situation erstmals demonstrativ ab. Es ist ohnehin kein Geheimnis, dass Alex viel lieber mit Güiza-Konkurrent Semih Sentürk zusammenspielt.

Fordert der Vorstand Güizas Einsatz?

Doch Semih sitzt trotz guten Leistungen immer wieder auf der Bank. Erklären können sich das die wenigsten. Berichte, wonach der Vorstand den regelmäßig Einsatz des 14-Millionen-Euro-Stürmers fordert, um ihn für einen Interessenten schmackhaft zu machen, weist der Klub energisch ab.

"Die Geschichten sind gelogen. Fenerbahce spielt nicht mit der Absicht, um Spieler zur Schau zu stellen, sondern um seine Spiele zu gewinnen", hieß es am Samstag in einer Pressemitteilung. "Wir nehmen diese Gelegenheit aber auch wahr, um daran zu erinnern, dass Daniel Güiza ein weltbekannter, sehr wertvoller Spieler ist."

Große Laufbereitschaft

Wertvoll - genau daran ist wohl bei der Suche nach den Gründen für die Pro-Güiza-Haltung bei Fener anzusetzen.

Trainer Daum schätzt die große Laufbereitschaft seines Angreifers. In den Laufmeter-Statistiken ist Güiza - trotz seines Stürmer-Daseins - immer vorne mit dabei. Konkurrent Semih dagegen ist ein reiner Strafraumstürmer.

"Wir dürfen Güiza nicht abschreiben", sagt Daum. Zumindest bis zum Saisonende dürfte an Güiza kein Weg vorbeiführen. Was danach passiert, bleibt abzuwarten. Güiza soll mit einer Rückkehr nach Spanien, wo er u.a. für Mallorca, Getafe und Murcia spielte, liebäugeln. Bis dahin bleibt aber das Sorgenkind Daums Hoffnungsträger.

Kader, Termine und mehr: Fenerbahce im Überblick

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