Kayserispor blüht auf

Auftrag: Geschichte schreiben!

Von Fatih Demireli
Donnerstag, 21.01.2010 | 13:22 Uhr
Die Erfolgsgaranten in dieser Saison: Trainer Tolunay Kafkas (r.) und Stürmer Ariza Makukula
© SPOX
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Von einer Fahrstuhlmannschaft zum Titelkandidaten: Kayserispor avanciert in der Süper Lig zum ernsthaften Konkurrenten der Istanbuler Top-Klubs. Mit ungewöhnlichen Methoden hat der Klub aus Zentral-Anatolien den Aufschwung geschafft. Doch die Entwicklung Kayseris ist noch längst nicht abgeschlossen.

Ariza Makukula wollte nur noch weg. Bei Benfica Lissabon ließ man ihn nicht spielen, als Leihgabe bei den Bolton Wanderers kam der Stürmer auch nur auf sechs Einsätze.

Angebote gab es für den dreifachen Nationalspieler Portugals zu Genüge. "Klubs aus Portugal und die Blackburn Rovers wollten mich", erzählt der Mann mit den kongolesischen Wurzeln. Sein Berater berichtete auch von einem Angebot von Kayserispor.

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Die Suche nach Hilton

Kay...wer? "Ich hatte diesen Namen noch nie gehört". Was macht man in so einem Fall heutzutage? Richtig. "Wir haben mit meiner Frau gleich mal bei Google nachgeguckt, ob es in Kayseri ein Hilton gibt." Die erste Prüfung wurde bestanden. Das Luxus-Hotel ist auch dort ansässig.

Nächste Suchanfrage: Stadion und Stadt. Auch da gab es schöne Bilder im Internet. "Meine Frau wollte dann sofort nach Kayseri", sagt Makukula. Er gehorchte und wechselte in die Türkei - zu einem Klub, von dem er vorher noch nie was gehört hatte. Inzwischen ist eine halbe Saison vergangen und der Stürmer hat seinen Wechsel "nicht eine Sekunde bereut".

Früher eine Fahrstuhlmannschaft

Auch bei Kayserispor ist man froh über den Neuzugang. Mit 13 Toren führt er die Torjägerliste an, aber noch viel wichtiger: Er steht symbolisch für den steilen Aufstieg des Klubs, der in der Süper Lig aktuell Platz vier belegt. Früher war Kayseri dagegen eine typische Fahrstuhlmannschaft.

Nicht nur die Liga wechselte ständig. Auch Präsidenten, Trainer und Spieler kamen und gingen. Konstanz und Planung war damals ein Fremdwort in Kayseri - zumindest im Fußball. Die Stadt dagegen ist für ihre traditionell erfolgreichen Geschäftsmänner und florierenden Unternehmen bekannt. Die Diskrepanz war nicht mehr tragbar.

Die Wende

Die Größen der Stadt beschlossen 2005 einen Neuanfang. Als erste Maßnahme wurde Kayseri Erciyesspor, der kleinere der beiden Klubs der Stadt, in Kayserispor umbenannt. Hintergrund war der Aufstieg von Erciyesspor in die Süper Lig. Aus Kayserispor wurde dagegen Kayseri Erciyesspor.

Unterstützt von reichen Geschäftsleuten, allen voran von Kadir Has, wurde der Industrielle Recep Mamur zum Präsidenten gewählt. Auch ein Sportdirektor wurde installiert. In einem Fußballland, indem bis dahin nur die Präsidenten das absolute Sagen hatten, beinahe eine Revolution. Doch der Mut wurde belohnt.

Ein unverkäufliches Duo

Präsident Mamur und Sportdirektor Hurma bauten nicht nur den Kader um, sondern entwickelten auch ein Jugendkonzept. Als Trainer wurde Ertugrul Saglam aus Samsun geholt. "Das war damals vielleicht  die wichtigste Entscheidung", sagt Hurma. Der damals noch unerfahrene Saglam baute auf zahlreiche Talente aus der Region.

Mit Gökhan Ünal und Mehmet Topuz avancierten zwei dieser Spieler sogar zu den Superstars der Süper Lig. Fast im Wochentakt gab es Angebote für das Offensiv-Duo, Kayseri lehnte jedes Mal ab. Als das Werben kein Ende fand, ließ der Klub in Istanbul mit einer klaren Botschaft in großen Lettern Werbeplakate platzieren: "Wir verkaufen nicht!"

Das neue Stadion

Bis in den UEFA-Pokal drangen die Gelb-Roten vor, holten 2007 sogar den türkischen Pokal. Kayseri wurde immer mehr zum Top-Klub Anatoliens. Inzwischen konnte es sich der Klub sogar leisten, seine Spieler zu verkaufen und dafür neue Kräfte für ordentliches Geld zu verpflichten. Ünal ging 2008 für über sechs Millionen Euro zu Trabzonspor, Topuz ein Jahr später für knapp neun Millionen Euro zu Fenerbahce. Das wirtschaftliche Geschick der Stadt war endgültig beim Klub angekommen.

Die Entwicklung des Klubs fand in dieser Zeit keinen Abbruch - im Gegenteil: Eine Gruppe von Architekten, selbstverständlich aus Kayseri, entwarf hoher europäischer Standards entsprechend die Pläne für ein neues Stadion.

"Erwartungen weit übertroffen"

Wieder waren es die Größen der Stadt, die den Bau finanziell unterstützten. In der vergangenen Saison wurde die Kadir-Has-Arena mit einer Kapazität von 33.000 Plätzen eingeweiht. "Das ist ein Tag, der in die Geschichte eingehen wird", sagte Sportdirektor Hurma bei der Eröffnung der hochmodernen Arena. Sollte die Türkei den Zuschlag für die Euro 2016 bekommen, wird Kayseri einer der Austragungsorte.

Doch vorher will der Klub noch andere Highlights in seinem neuen Wohnzimmer feiern. Schon in dieser Saison spielt der Klub um den Titel mit, war zwischendurch sogar Tabellenführer. "Wir haben die Erwartungen weit übertroffen", so Tolunay Kafkas. Er trat 2007 die Nachfolge Saglams an, der zu Besiktas wechselte.

Talente aus Deutschland

Auch Kafkas, der als Profi für Trabzonspor und Galatasaray spielte, setzte den Jugendstil fort. Gerade aus Deutschland holte er zahlreiche Youngster, die es bei ihm nicht nur zum Stammspieler schafften, sondern auch in den Fokus der Nationalmannschaft rückten.

Natürlich sind auch Spieler wie Ömer Sismanoglu (ehemals St. Pauli) oder Furkan Özcal (früher 1860 München) ins  Visier der großen Klubs geraten, aber Kayseri will seine Juwelen wieder nicht abgeben. "Wir haben selbst große Ziele. Weshalb sollten wir unsere besten Spieler abgeben", so Hurma.

Hurma tritt auf die Bremse

Eines der Ziele ist die Meisterschaft. Kayseri wäre nach den Istanbulern und Trabzonspor erst der fünfte Klub, dem dieses Kunststück gelingen würde. "Wieso sollen wir in dieser Saison nicht Geschichte schreiben", frägt Trainer Kafkas.

Nur Sportdirektor Hurma tritt noch etwas auf die Bremse. "Dass ein Klub aus Anatolien Meister wird, ist nicht so einfach. Das hat man in der vergangenen Saison bei Sivasspor gesehen. Schon das Erreichen des internationalen Wettbewerbs wäre klasse!" Der nächste Schritt wäre zumindest schon mal getan.

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