Adler im Sturzflug

Von Fatih Demireli
Montag, 18.01.2010 | 17:30 Uhr
Ratlosigkeit bei Besiktas - Aus in der Champions League, Aus im Pokal, Platz 5 in der Liga
© Getty
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In der Vorsaison gewann Besiktas noch das Double, aber in der laufenden Spielzeit gelingt dem Istanbuler Klub wenig. Dem Aus in der Champions League folgte nun das blamable Ausscheiden im Pokal. Trainer Mustafa Denizli will durchgreifen und findet drastische Worte. Die Spieler sind ratlos und der Vereinsboss hat ganz andere Sorgen.

Mustafa Denizli verliert sein Lächeln im Gesicht eigentlich nie.

Selbst nach Niederlagen oder schlechten Leistungen tritt der Trainer von Besiktas demonstrativ cool vor die Kameras, analysiert knallhart ohne dabei böse zu wirken und schickt am Ende meistens eine Kampfansage hinterher.

Blamables Pokalaus

In der letzten Saison hatte er damit noch viel Erfolg. Als Besiktas nach einem Remis gegen Bursaspor am 11. Spieltag meilenweit von Titelkampf und Meisterschaft entfernt war, erklärte er kurzerhand sein Team zum Titelkandidaten: "Spätestens am 26. Spieltag wird es nur noch zwei Titelkandidaten geben und Besiktas wird einer davon sein." Genau so kam es.

Besiktas wurde später Meister und sogar noch Pokalsieger. Inzwischen hat sich aber einiges geändert. Die Niederlagen sind geblieben, das Lächeln und die Kampfansagen sind weg. In der Champions Laegue war schon nach der Gruppenphase Schluss, in der Süper Lig belegt Besiktas Platz fünf.

Denizlis klare Worte

Spätestens nach dem 0:1 im türkischen Pokal gegen Istanbul Büyüksehir Belediyespor ist der schwarze Adler, wie Besiktas genannt wird, im Sturzflug. Es war die dritte Niederlage im Pokal im dritten Spiel - mit null Punkten ist der amtierende Titelträger in der Gruppenphase vorzeitig ausgeschieden und das Chaos war schon vor dem Saisonstart perfekt.

"Es werden Anfängerfehler gemacht. Meine Spieler vergessen manchmal, dass sie für einen großen Klub wie Besiktas spielen. Wir werden dies beseitigen müssen. Wenn uns das nicht gelingt, werden wir manche Spieler beseitigen", so Denizli. Kriminelle Absichten hat der 60-Jährige freilich nicht, aber dem einen oder anderen Besiktas-Spieler drohen sehr schwere Zeiten.

Harmlose Offensive

Vor allem in der Offensive hapert es. Besiktas brachte es in 17 Ligaspielen gerade mal auf 20 Tore. Nur drei Teams trafen seltener in der Süper Lig - bedenklich für einen Titelkandidaten.

Ein Blick auf das Offensivpersonal gibt wenig Anlass zur Hoffnung: Bobo ist zu unkonstant, Rückkehrer Nihat Kahveci seit Beginn der Saison ein Schatten seiner selbst, Mert Nobre immer wieder angeschlagen - genauso wie Filip Holosko, der lange verletzt war. Top-Talent Batuhan Karadeniz wird vom Trainer ohnehin ignoriert.

Keine Neuzugänge

"Wir wissen auch nicht, was los ist. Wir können uns nur entschuldigen und nach vorne blicken", so Nihat. "Wenn man kein Tor macht, kann man nicht gewinnen. Wir werden alle Register ziehen, vielleicht müssen wir unsere Taktik ändern, vielleicht an den Spielern arbeiten", sagt Trainer Denizli.

Nur eines steht fest: Neuzugänge wird es nicht geben. Offiziell will Denizli auch keine Verstärkungen haben, wobei bekannt ist, dass Klub-Boss Yildirim Demirören zwei Wochen vor den Präsidentschaftswahlen die in der Vergangenheit gerne benutzte Privatschatulle nicht öffnen will. Am 31. Januar steigt die Wahl, bei der es gegen seinen Herausforderer Murat Aksu gehen wird - am 31. Januar ist aber auch der letzte Tag der Transferperiode - fatal für den Klub.

Vereinsboss in der Kritik

Wahrscheinlich wird Demirören, der in den vergangenen Jahren angeblich mehr als 60 Millionen Euro in den Klub gepumpt haben soll, die Wahl erneut gewinnen - und da würde auch schon das nächste Problem beginnen. Das Verhältnis zwischen Vereinsboss und der mächtigen Fangemeinde ist gestört. In jedem Spiel skandieren die Anhänger gegen Demirören, fordern dessen Ablösung.

Sie werfen ihm eine falsche Vereinspolitik -  vor allem bei den unzähligen Transfers - vor. "Wir werden die Tribünen säubern", sagte jüngst Demirören und erntete dafür viel Kritik. Spätestens nach der Wahl soll Ruhe einkehren. "Wir wollen Konstanz in den Klub bekommen, nur so können wir Erfolg haben", so Demirören. Dann würde auch Mustafa Denizli vielleicht wieder mal lächeln.

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