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Real Madrid: Navas statt Courtois im Tor - Zidanes erstes Machtsignal

Zinedine Zidane (l.) baut auf Keylor Navas.

Real Madrids Präsident Florentino Perez gesteht dem zurückgekehrten Trainer Zinedine Zidane mehr Entscheidungsmacht zu als in dessen erster Amtszeit. Der sendet mit dem Wechsel von Thibaut Courtois auf Keylor Navas zwischen den Pfosten umgehend ein erstes Machtsignal.

Zinedine Zidane war merklich darum bemüht, die so allmählich aufkeimenden Diskussionen an der Avenida de Concha Espina schnellstmöglich zu ersticken.

Thibaut Courtois sei ein "großartiger Torhüter", der schon noch auf seine Minuten kommen werde, beteuerte der neue alte Trainer von Real Madrid auf der Pressekonferenz nach seinem ersten Spiel nach seiner Rückkehr gegen Celta Vigo (2:0). Keylor Navas aber eben auch.

"Ein Klub wie Real Madrid kann nicht in vier, fünf, sechs Wettbewerben spielen, wenn er nur einen guten Torhüter hat. Er braucht zwei, drei. Und wir haben sie", sagte Zidane, verwies ganz nebenbei noch auf seinen "gut trainierenden" Sohn Luca, die Nummer drei im Real-Kasten, und lächelte spitzbübisch.

Zinedine Zidane rehabilitiert Keylor Navas

Die Entscheidung des Franzosen, bei seinem Comeback ausgerechnet Navas ins Tor zu beordern, war dennoch ein klares Zeichen. Nicht unbedingt an seine drei Torhüter, sondern eher an seinen Boss, an Florentino Perez.

Der Präsident der Königlichen hatte dem nach dem Fiasko im Champions-League-Achtelfinale gegen Ajax Amsterdam zurückgekehrten Zidane nämlich hoch und heilig versprochen, ihm mehr Entscheidungsmacht zu verleihen als noch in dessen erster Amtszeit.

Der frühere Weltfußballer manifestierte mit dem Torwartwechsel seine neue, seine höhere Rangstufe. Ganz zur Freude von Navas. "Zidane ist ein Trainer, der immer die Wahrheit sagt", schwärmte der Costa-Ricaner nach seiner vor allem in Hälfte eins starken Vorstellung von seinem Vorgesetzten, "er kennt mich, weiß, wie ich spiele und gibt mir Selbstvertrauen."

Real Madrids Präsident war noch nie ein Fan von Keylor Navas

Mehrere spanische Medien gehen davon aus, dass sich Navas und Courtois in den verbleibenden zehn Ligaspielen abwechseln. Eine Maßnahme, die sicherlich keine Zukunft hat, im Hinblick auf die Transferperiode im Sommer aber vor allem Navas deutlich macht, doch noch eine wichtige Rolle im Estadio Santiago Bernabeu spielen zu können.

Zidanes Vorgänger Santiago Solari und Julen Lopetegui hatten dem 32-Jährigen, immerhin Stammkeeper bei den drei Champions-League-Siegen in Folge, kaum Beachtung geschenkt.

Der knapp sechs Jahre jüngere Courtois galt als gesetzt, obwohl er nicht immer sattelfest wirkte, und Navas durfte als "Entschädigung" ab und an in der Copa del Rey ran. Eine Anordnung von oben. Perez war offenkundig noch nie ein großer Fan von dem einst nach einer starken WM 2014 als Backup für Iker Casillas verpflichteten Navas, sah in ihm nie die Nummer eins. Zidane aber schon.

Zinedine Zidane sträubte sich schon gegen Kepas Verpflichtung

Deshalb kam es zwischen dem Trainer und dem Präsidenten bereits in der Vergangenheit immer wieder zu Reibungspunkten. Im August 2017 wollte Perez - wie zwei Jahre zuvor - den spanischen Nationalkeeper David de Gea von Manchester United verpflichten - bis Zidane dagegen stimmte.

Im Januar 2018 arbeitete Perez an einer Verpflichtung von Kepa Arrizabalaga, dem designierten Nachfolger von de Gea im spanischen Tor, und erzielte bereits eine Einigung mit dessen damaligem Arbeitgeber Athletic Bilbao - bis Zidane dagegen stimmte. "Ich brauche keinen neuen Torhüter", sagte der 46-Jährige immer wieder, "ich kann mich auf Keylor verlassen."

Der Transfer von Kepa zerschlug sich. Zidane sollte allerdings recht behalten. Navas rettete Real im vergangenen Champions-League-Halbfinale gegen den FC Bayern mit mehreren Glanzparaden. Dass Zidane nach dem Gewinn des Henkelpokals freiwillig seinen Hut nahm, war offensichtlich auch der Tatsache geschuldet, dass Perez den auch innerhalb der Mannschaft überaus beliebten Navas weiterhin degradieren wollte.

Real Madrid: Thibaut Courtois verliert Unantastbarkeit

Mit dem Abschied von Zidane Ende Mai 2018 war der Weg für den lang geplanten Torwartumbruch frei. Perez legte während des vergangenen Sommers sogar größeren Wert darauf, einen neuen Keeper zu verpflichten anstatt einen adäquaten Ersatz für den gen Italien abgewanderten Torjäger Cristiano Ronaldo an Land zu ziehen.

So kam der belgische Schlussmann Courtois nach der WM in Russland fast schon zum Schnäppchenpreis von 35 Millionen Euro vom FC Chelsea. Neun Monate später droht aber eben jener Courtois zur Nummer zwei zu verkommen. Bei Navas ist jedenfalls kein Qualitätsabfall erkennbar. Und Perez wird Zidane wohl kaum noch einmal in die Parade fahren.

"Zidane hat seine starken Männer, denen er vertraut. Einer davon ist Keylor", erklärte Ex-Real-Profi Rafael Martin Vazquez im Interview mit dem Radiosender Onda Cero.

Saison 2018/19PflichtspieleDavon zu NullGegentore
Thibaut Courtois321042 (1,31 im Schnitt)
Keylor Navas15515 (1 im Schnitt)

Real Madrid: Auch Isco und Marcelo kehren zurück

Daher dürfen sich auch andere Akteure wie Mittelfeldspieler Isco oder Linksverteidiger Marcelo, die zuletzt unter Solari noch komplett außen vor gewesen waren, Hoffnungen auf eine Zukunft im weißen Trikot machen. Isco erzielte gegen Celta das 1:0, Marcelo bereitete das 2:0 durch Gareth Bale vor.

"Diese Spieler haben unglaublich viel erreicht und können uns noch immer sehr viel geben", betonte Zidane. "Ob Keylor, Isco oder Marcelo: Ich habe einen großen Kader mit 25 Spielern. Ich werde sie alle einsetzen."

Der angedachte Umbruch wird wohl andere Mitglieder des madrilenischen Kaders betreffen. Der bis 2020 beim spanischen Rekordmeister unter Vertrag stehende Navas hielt sich nach seiner überraschenden Rückkehr zwischen die Pfosten jedenfalls bedeckt: "Wir werden sehen, was die Zukunft bereit hält. Ich habe stets alles für diesen Klub gegeben."

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