Arturo Vidal beim FC Barcelona: Der Krieger leckt Blut

Arturo Vidal wechselte für 18 Millionen Euro vom FC Bayern München zum FC Barcelona.
© getty

Arturo Vidal steckt seit seinem Wechsel vom FC Bayern München zum FC Barcelona im vergangenen Sommer in der Rolle des Reservisten fest. Zuletzt zeigte er sich genervt von seinem Trainer Ernesto Valverde, schnell kursierten Gerüchte über eine Rückkehr nach Italien. Aufgrund des Ausfalls von Ivan Rakitic bietet sich dem Krieger nun aber im Topspiel gegen Atletico Madrid (Samstag, ab 20.45 Uhr im LIVETICKER und LIVE auf DAZN) die große Chance, zum Gegenschlag auszuholen.

Cookie-Einstellungen

Schenkt man dem katalanischen Radiosender RAC1 Glauben, hat Arturo Vidal seinem Ruf als Nachtschwärmer wieder einmal alle Ehre gemacht. Allerdings nicht in einer Diskothek von Barcelona, München oder anderen Metropole dieser Welt, sondern in der Luft. Der chilenische Nationalspieler reiste nach der Länderspielpause in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag aus Südamerika zurück nach Katalonien. Mehr als 20 Stunden war er unterwegs, kam nach einer Zwischenlandung in Madrid um 6 Uhr erst gegen 9.30 Uhr in Barcelona an.

Den Weg in sein Domizil anzutreten und sich nach diesem mühseligen Trip auszuschlafen, war für Vidal aber keine Option. Zur Überraschung seiner Mitspieler und seines Trainers Ernesto Valverde erschien er pünktlich um 11 Uhr zum Mannschaftstraining des FC Barcelona. Zu wichtig war ihm die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel bei Atletico Madrid, zu sehr wollte er allen im Verein signalisieren: "Ich will doch einfach nur spielen!"

Arturo Vidal nur Bankdrücker beim FC Barcelona

Genau das ist für Vidal seit seinem Abschied vom FC Bayern nämlich zur Seltenheit geworden. Wettbewerbsübergreifend kommt der 31-Jährige gerade einmal auf 367 Einsatzminuten für seinen neuen Arbeitgeber. Barca-Trainer Valverde baut in seinem Dreier-Mittelfeld neben den gesetzten Sergio Busquets und Ivan Rakitic lieber auf Arthur und Rafinha oder aber zieht den offensiveren Philippe Coutinho auf eine der beiden Achter-Positionen.

Valverde ist ein Freund des kontrollierten Ballbesitzes. Das körperbetonte Spiel des Kriegers passt nur bedingt in sein Konzept. Wenn es in der Schlussphase eines Spiels einmal brenzlig wird und ein "Drecksarbeiter" benötigt wird, dann darf Vidal ran.

Dass er seinem 18 Millionen Euro schweren Neuzugang damit keinen allzu großen Gefallen tut, ist Valverde inzwischen durchaus bekannt. "Wie soll man zufrieden sein, wenn man nicht spielt? Gerade ich. Als Spieler, der immer gekämpft und in den besten Mannschaften der Welt gespielt hat?", schimpfte Vidal Anfang Oktober im Kreise der chilenischen Nationalmannschaft und trug in seiner typisch heißblütigen Art und Weise immer wieder vielsagende Social-Media-Botschaften in die Welt. So viele, dass sich irgendwann sogar die Oberen von Barca gezwungen sahen, ihn zu bremsen.

Pep Segura rüffelt Arturo Vidal: Keine Feinfühligkeit

"Vidals Situation ist ganz klar. Seine Äußerungen zeigen auf der einen Seite, dass er einen sehr großen persönlichen Willen hat, für den FC Barcelona zu spielen und mit dem Verein alles zu gewinnen. Andererseits hat er nicht die Feinfühligkeit, die ein Profi gegenüber seinem Trainer und seinen Teamkollegen haben sollte", sagte etwa Klubmanager Pep Segura. Vidal wisse, dass er seinen Kollegen nicht genug Respekt vermittelt habe und werde das "mit Sicherheit richtigstellen".

Dass zu jener Zeit bereits Gerüchte über eine Rückkehr des Spielers nach Italien umherschwirrten, erhitzte die Gemüter zusätzlich. Die Message des Vorstands schien den Rechtsfuß aber erreicht zu haben. Er stoppte seine öffentlichen Wutanfälle und konzentrierte sich auf die tägliche Arbeit. Dafür wurde er wenige Wochen später mit einer Einwechslung und in einem Tor im Clasico gegen Real Madrid belohnt. Mit 5:1 schoss Barca Real aus dem Camp Nou.

"Arturo versteht, dass er kein unangefochtener Stammspieler ist", verriet eine Person aus dem nahen Umfeld Vidals SPOX und Goal. "Es ist ein Prozess. Arturo ging zum FC Barcelona, weil der Klub einen Spieler mit seinen Qualitäten wollte. Er trainiert hart und mit dem Ziel, in jedem Spiel dabei zu sein."

Arturo Vidal: Große Chance gegen Atletico Madrid

Das wurde auch am Donnerstagmorgen deutlich, als Vidal trotz langer Anreise noch zum Training kam. "Ein Zeichen", kommentierte Sport, "dass er vor dem Spiel in Madrid Blut leckt". Da der kroatische Vizeweltmeister Rakitic verletzt und gesperrt ausfällt, rechnet die spanische Presse fest damit, dass er gegen die kämpferisch starke Truppe von Diego Simeone in die Startelf rückt. Auch El Pais schrieb am Freitag: "Vidals große Chance ist gekommen."

Eine größere wird sich ihm wohl kaum bieten. Die Defensvie der Blaugrana macht in dieser Saison einen sehr wackligen Eindruck. Barca hat mit 18 Gegentoren nach zwölf Spieltagen in der Primera Division sogar zwei mehr als Erzrivale Real und generell die zweitmeisten der Top ten kassiert. Schafft Vidal es, der anfälligen Hintermannschaft gegen Atletico Stabilität zu verleihen, ist ihm doch noch zuzutrauen, eine wichtige Rolle im Team von Valverde einzunehmen. Andernfalls scheint ein Abschied im kommenden Sommer wahrscheinlich. Einige namhafte Klubs aus Italien, darunter der AC Mailand, sollen einem Bericht der Gazzetta dello Sport zufolge schon Kontakt zu Vidal (Vertrag bis 2021) aufgenommen haben. Der Krieger will eben einfach nur spielen.

Die Leistungsdaten von Arturo Vidal in der Primera Division

KategorieWert
Einsatzminuten238
Tore2
Vorlagen2
Gewonnene Zweikämpfe17
Passquote in der gegnerischen Hälfte81,58 %
Kreierte Chancen6
Artikel und Videos zum Thema