Fussball

Ex-BVB-Spieler Emre Mor bei Celta Vigo in Spanien: Auf dem Thron der Stagnation

Mittwoch, 22.08.2018 | 11:39 Uhr
Ex-BVB-Spieler Emre Mor bekommt bei Celta Vigo kein Bein auf den Boden.
© instagram.com/emre.mor9

Im Sommer 2016 wurde Emre Mor noch als eines der vielversprechendsten Talente im Fußball angepriesen und galt als neuer Heilsbringer der türkischen Nationalelf. Zwei Jahre später ist der ehemalige BVB-Spieler nur noch eine Einwechseloption bei Celta Vigo in der Primera Division - und stolpert von einem Missverständnis ins nächste.

"Ich sehe nur einen normalen 21-jährigen Jungen in einem Stuhl, den er zum Geburtstag geschenkt bekommen hat", schrieb Emre Mor. Der ehemalige BVB-Spieler, seit einem Jahr in Diensten von Celta Vigo in der spanischen Primera Division, sah sich vergangene Woche zu dieser Replik gezwungen.

Zwei Tage zuvor teilte Mor mit seinen knapp zwei Millionen Followern auf Instagram nämlich ein Bild, das nicht wenige verstörte und Fragen aufwarf. Mor saß an einem Pool auf einem an einen Thron erinnernden Sessel, dessen mit Strasssteinen besetzten Rückenlehne die Aufschrift "Emre Mor 7" zierte.

Ein sogenannter Shitstorm entlud sich über den türkischen Nationalspieler, internationale Medien berichteten über seinen Post. Mit der Folge, dass Mor nicht nur die Kommentare darunter abschaltete. Er gab eben auch seine Interpretation des Fotos preis und riet den Empörten, "etwas anderes zu hassen".

Emre Mor: Wo ist das Problem?

Es ist die neueste, mittlerweile aber nur noch wenig überraschende Episode um einen Kicker, der am Ball zweifelsfrei ein außerordentliches Talent mitbringt. Legt man die Entwicklung seiner Karriere in den vergangenen zwei Jahren zugrunde, scheint dies jedoch eines der letzten Argumente zu sein, um Mor Hoffnung auf den großen Sprung zum Superstar zu machen.

Mors Posting steht sinnbildlich für den Verlust an Realität und Vernunft, der im heutigen Fußball an einigen Stellen Einzug erhalten hat. Knapp 160.000 Menschen gefällt Mors Inszenierung und das dürfte sich für einen 21-Jährigen im Zeitalter der Social-Media-Parallelwelten nicht allzu verkehrt anfühlen. Die Frage, die sich auch aus Mors Antwort ergibt: Wo ist also das Problem?

Sie ist leichter zu beantworten als sich vorzustellen, wie Mor sein Bildchen interpretiert und weshalb er es überhaupt in die Welt setzte. Der Fußballer Mor nämlich, und genau aufgrund seines Berufs schauen ja unter anderem die zahlreichen Follower auf ihn, stagniert.

Emre Mor: Leistungsdaten bei Celta Vigo

WettbewerbSpieleToreVorlagen
La Liga2413
Copa del Rey400

Tuchel: "Emre muss lernen, Profi zu sein"

Im Mai 2016 verhalf ihm der türkische Nationaltrainer Fatih Terim in der letzten Partie vor der endgültigen EM-Kadernominierung zu seinem Länderspiel-Debüt gegen Montenegro. Mor zockte überraschend für die Verantwortlichen derart auf, dass der 18-Jährige quasi über Nacht zum Heilsbringer einer nach Erfolgen durstenden Nation aufstieg. Terim kam nicht umhin, ihn mit zur Endrunde zu nehmen.

Unausweichlich war schnell vom "türkischen Messi" die Rede, der nur sieben Monate zuvor unbeachtet beim FC Nordsjælland in Dänemark erstmals im Seniorenbereich auflief und in 13 Ligaspielen zwei Tore erzielte. Borussia Dortmund sicherte sich Mors Dienste und legte dafür zehn Millionen Euro auf den Tisch.

"Der Trainer liebt mich", sagte Mor über Thomas Tuchel nach seinem Wechsel. Ein paar Monate später sagte dieser: "Emre muss noch lernen, was es bedeutet, Profi zu sein."

Mor beim BVB: "Wenn ich mal gehe, möchte ich als Star gehen"

Mor hatte mit seinem Verhalten auf und abseits des Platzes in nur einem Jahr das Trainerteam, einige seine Mitspieler und die Verantwortlichen der Borussia gegen sich. Er musste zum Rapport bei Sportdirektor Michael Zorc antanzen, er sah eine unnötige Rote Karte, er wurde von Tuchel im Training für jeden hörbar zusammengestaucht.

Der BVB hatte schnell genug und gab Mor an Celta Vigo weiter, das ihn mit einer Ablöse von 13 Millionen Euro zum zweitteuersten Spieler in der 95-jährigen Vereinsgeschichte machte. "Wenn ich mal gehe, möchte ich als Star gehen", sagte Mor während seiner Zeit in Dortmund.

Das hat nicht geklappt und aus den Erfahrungen beim BVB scheint sich bei ihm auch kein Lerneffekt eingestellt zu haben. In Vigo war Mor von Anfang an Einwechselspieler und Mitläufer. Die magere Bilanz: In bislang 24 absolvierten LaLiga-Spielen stand Mor lediglich vier Mal in der Startelf, 15 Mal kam er erst nach der 70. Minute ins Spiel.

Mor bei Celta Vigo: Verspätung, Handgemenge, Suspendierung

"Mein größter Traum ist es, eines Tages das Trikot von Real Madrid zu tragen. Auch wenn es jetzt noch etwas zu früh dafür ist. Ich kenne mich und ich glaube, ich könnte auch für Barcelona spielen. Wann, weiß ich aber noch nicht", ließ der gläubige Mor damals im Interview ausrichten. "Emre selbst wäre am liebsten zu Real oder Barça gewechselt, aber die wollten ihn nicht", sagte Berater Bariz Soofidazeh im letzten Sommer.

Soofidazeh war bis dahin Mors Agent, aufgrund eines gescheiterten Wechsels zu Inter Mailand trennte sich Mor jedoch von ihm. Soofidazehs Vorwurf: "Der Junge wird gesteuert von Hakan Calhanoglu. Er redet ihm ein, er soll zu einem Topklub wechseln. Es ist einfach eine menschliche Enttäuschung, wie das jetzt gelaufen ist."

Allerdings drängt sich der Eindruck auf, dass auch die neuen Karrierehelfer bei ihm auf Granit beißen. Im April flog Mor aus dem Kader für das Heimspiel gegen Sevilla, weil er zu spät zum Training erschien. Einen Monat später suspendierte ihn der Klub für den Rest der Saison. Mor lieferte sich ein Handgemenge mit einem Mitspieler, soll anschließend eine Entschuldigung verweigert haben und blieb am nächsten Tag dem Trainingsgelände fern.

"Emre Mors Einstellung treibt Celta in den Wahnsinn"

Augenscheinlich kann Mor die Defizite, die sich bereits in seiner einzigen Saison beim BVB offenbarten, nicht ablegen. Es ist grundsätzlich richtig, dass er mit seinen Fähigkeiten einen Unterschied ausmachen könnte. Doch die Partien, in denen ihm dies gelungen ist, sind an einer Hand abzuzählen und längst vergessen.

Stattdessen sollte man ihm eher die Basiselemente des Mannschaftsspiels Fußball einbläuen, ohne die er auch künftig in seiner Stagnation verharren wird. Mor muss taktisch disziplinierter spielen, seltener das Besondere suchen wollen, weniger egoistisch agieren, ein Gefühl für den Raum bekommen und an seiner Entscheidungsfindung arbeiten - und das ist nur ein grober Auszug an Verbesserungsmöglichkeiten.

Am Montag überschrieb die spanische Sportzeitung Marca einen Artikel wie folgt: "Emre Mors Einstellung treibt Celta in den Wahnsinn".

Emre Mor müsste schleunigst kapieren, dass Realismus, Beharrlichkeit und Fleiß in seine Arbeitsethik einfließen sollten. Sonst werden Real und Barca auf ewig die Träumereien eines Unbelehrbaren bleiben.

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