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Keylor Navas im Tor von Real Madrid: Noch nicht im Kreis der Heiligen

Keylor Navas wechselte 2014 von UD Levante zu Real Madrid.
© getty

Seit seiner Ankunft in Madrid wird Keylor Navas kritisch beäugt. Der Torhüter aus Costa Rica hat sich aber in den letzten vier Jahren als Nummer eins etabliert und jede Menge Titel gewonnen. Auch in den anstehenden Spitzenspielen gegen den FC Bayern in der Champions League (Di., 20.45 Uhr im LIVETICKER) und im Clasico gegen den FC Barcelona (So., 20.45 Uhr live auf DAZN) steht er wieder im Fokus.

Joshua Kimmich drehte zum Jubeln ab, es war eine emotionale Explosion nach seinem 1:0-Führungstreffer im Hinspiel gegen Real Madrid. Der Dank ging im Anschluss auf die Tribüne. Er zeigte auf einen Kumpel im Publikum.

"Ich habe mit ihm vor dem Spiel gesprochen und uns ist aufgefallen, dass der Torwart oft auf eine Flanke spekuliert, wenn ich außen durch bin", sagte Kimmich. Der deutsche Nationalspieler hatte sich vorbereitet auf seinen Gegner und er wusste, dass Navas gerne auf eine Hereingabe spekuliert.

Ausgeguckt von Kimmich und dessen Kumpel. Wasser auf die Mühlen von Real Madrids Torhüter Keylor Navas. Und so musste auch Zinedine Zidane hinterher Fragen nach seinem Torhüter beantworten.

"Es war ein Fehler der ganzen Mannschaft", sagte Zidane. "Wir waren nicht gut organisiert." Das stimmt natürlich, Madrid hatte sich von einem schnell ausgeführten Abstoß der Bayern überrumpeln lassen. Aber am Ende blieb vor allem Navas Schrankenbewegung hängen.

Keylor Navas steht im Schatten bei Real Madrid

Es ist ein seit Jahren bekanntes Spiel in Madrid. Navas ist kein Spieler der obersten internationalen Kategorie, kein schillernder Superstar, aber er ist seit drei Jahren der Stammtorhüter von Real Madrid. Er hat zweimal die Champions League gewonnen und einmal die spanische Meisterschaft.

Navas ist ein Mann im Schatten, aber ein wichtiger Baustein im in Europa dominierenden Real Madrid der letzten Jahre. Trotzdem hält sich latent Kritik am Nationaltorhüter Costa Ricas. Ein hausgemachtes Problem. Schließlich hatte Navas seit seiner Verpflichtung nach der WM 2014 nicht den größten Kredit in Madrid.

Der Mann aus San Isidro kommt nicht vorbei an San Iker Casillas

Navas kam als bester Torhüter der spanischen Liga von UD Levante nach Madrid, saß im ersten Jahr aber hinter dem Vereinsheiligen "San" Iker Casillas meist nur auf der Bank. Im Jahr darauf sollte David de Gea von Manchester United kommen. Der Transfer scheiterte auf spektakuläre Weise. Seitdem ist Navas gesetzt.

"Ich musste weinen, als ich erfuhr, dass ich bleiben würde. Zu viele Emotionen hatten sich angestaut", sagte er damals: "Gott wollte mich nicht gehen lassen. Deshalb bin ich noch hier." Der gläubige Christ hat sich allen Kritikern zum Trotz durchgesetzt und sich wie so oft in seiner Karriere geduldig hochgearbeitet.

Und eigentlich passt der Mann aus Costa Rica auch gut nach Madrid, immerhin wurde er in einer Stadt geboren, die Madrids Stadtheiligen San Isidro im Namen trägt.

Karrierestationen von Keylor Navas

ZeitraumKlub
2014-jetztReal Madrid
2011-2014UD Levante
2010-2011Albacete Balompie
2005-2010Deportivo Saprissa

Über die spanische dritte Liga zu Real Madrid

Navas startete seine Laufbahn beim Costa Ricanischen Topklub Saprissa, wo er mehrfach Meister wurde. Er gewann die CONCACAF-Champions-League und nahm an der FIFA-Klubweltmeisterschaft teil. 2009 wurde er zum besten Keeper des Gold Cups gekürt, ehe er ein Jahr später nach Albacete wechselte - dort spielte er in der zweiten und dritten spanischen Liga.

Nach nur einem Jahr ging er nach Levante, wo ebenfalls Geduld gefragt war. Die ersten beiden Spielzeiten verbrachte er weitgehend auf der Bank als Vertreter Gustavo Munuas. Erst als der Uruguayer den Klub im Sommer 2013 verließ, rückte Navas zur neuen Nummer eins auf.

In Levante konnte er sich regelmäßig auszeichnen. In der Saison vor seinem Transfer nach Madrid wehrte er 160 Schüsse ab, so viel wie kein anderer Torhüter damals in Europas Topligen. Auf der Linie ist er stark.

Wie geschickt er im Tor ist, zeigte er schon vor der WM 2014 bei einem Showtraining mit dem spanischen Tennisprofi Pablo Andujar, der Tennisbälle mit bis zu 160 km/h von außerhalb des Sechzehners auf das Tor feuerte.

Keylor Navas: Keine herausragenden Statistiken

Bei Real sind meistens andere Qualitäten gefragt, unter Dauerbeschuss steht sein Kasten selten. In der aktuellen Saison hat er erst 80 Paraden in seinem Statistikbogen stehen und wehrte nur 73,4 Prozent der Schüsse ab.

Rein statistisch gesehen bekommt er alle 77,6 Minuten ein Tor. Diese Zahlen sind aber in etwa deckungsgleich mit den Werten der Vorsaison, als Madrid Meister wurde.

Statistisch gesehen kann der 31-Jährige dennoch zum Beispiel mit Barcas Marc-Andre ter Stegen nicht mithalten, aber Navas hat bewiesen, dass er in großen Spielen ein sicherer Rückhalt sein kann für seine Mannschaft.

Bodo Illgner sieht Keylor Navas stärker als Sven Ulreich

"Keylor Navas ist auf keinen Fall der Schwachpunkt", sagte Bodo Illgner schon vor dem Hinspiel dem kicker. "Ich würde sogar trotz der guten Form Sven Ulreichs im direkten Vergleich einen Punkt an Real vergeben. Er hat schon in Champions-League-Duellen seinen Mann gestanden."

Ein Patzer wie vor Blaise Matuidis Treffer zum 0:3 gegen Juventus "passiert jedem Klassetorwart mal", meinte Illgner. Man sollte dabei auch nicht vergessen, dass er vor allem im Hinspiel mit herausragenden Paraden am Weiterkommen Madrids beteiligt war.

Daran erinnerte auch Zidane in München, als er die Kritik an Navas einbremste. Navas parierte mehrmals stark gegen Franck Ribery und wehrte auch den Kopfball von Robert Lewandowski ab. "Man sollte nicht immer nur über die Fehler sprechen", sagte Zidane. "Navas hat ein gutes Spiel gemacht." Für eine Heiligsprechung reicht das natürlich nicht.

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