Fussball

Ex-BVB-Spieler Marc Bartra bei Betis Sevilla: Jeden Tag glücklich sein

Von Christoph Sahler
Marc Bartra verabschiedet sich von den BVB-Fans.
© getty

Im Winter verließ Marc Bartra Borussia Dortmund nach 18 Monaten und kehrte nach Spanien zu Betis Sevilla zurück. Dort ist er Stammspieler und kann endlich wieder glücklich sein. Jetzt winkt dem Klub sogar die Teilnahme an der Europa League.

"Jeden Tag glücklich sein", antwortete Bartra auf die Frage nach einem Zukunftsprojekt in seinem Leben. Das Interview mit der katalanischen Sportzeitung L'Esportiu erschien am 11. April 2018, dem ersten Jahrestag des Bombenanschlags auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund.

Dass der gebürtige Katalane 365 Tage später mit Betis Sevilla für ein Auswärtsspiel nach Girona gereist und eben nicht mehr Teil des BVB-Kaders ist, hängt unausweichlich mit den Ereignissen um das Attentat zusammen.

So sehr er immer wieder betont, wie er den BVB und dessen Fans schätzt, es wird schnell klar, dass der 27-Jährige in Dortmund nicht mehr glücklich sein konnte. Schon gar nicht an jedem Tag. Zu präsent waren die Erinnerungen an den Anschlag und die Wochen, die folgten.

Bartra brach sich an jenem Abend die Speiche im rechten Arm. Die folgenden Partien der Borussia sah er im Krankenhaus oder zu Hause am Fernseher. Bartra musste nicht spielen, er war ja körperlich sichtbar verletzt. Seinen Kollegen blieb das nicht erspart. Sie mussten spielen.

Die psychisch, aber eben nicht physisch verletzten BVB-Stars schafften am letzten Spieltag der Saison 2016/17 gerade noch den Einzug in die Champions League. Nach dem Heimspiel gegen Werder Bremen trat Bartra erstmals seit dem Anschlag vor die Südtribüne und stieg spätestens in diesem Moment zum Publikumsliebling auf.

Marc Bartra beim BVB: Raus aus der Komfortzone

Für seine sportliche und charakterliche Entwicklung beschreibt Bartra sein erstes Jahr in Dortmund als "sehr, sehr gut". Im Sommer 2016 verließ er seine Komfortzone, die "Blase" FC Barcelona, wie er sagt, und wechselte für acht Millionen Euro zum BVB. Der hatte gerade seinen Kapitän Mats Hummels verloren und in ihm einen Nachfolger gefunden.

Der damalige BVB-Coach Thomas Tuchel hatte aber so seine Schwierigkeiten, den Platz in der Innenverteidigung neben Sokratis fest zu vergeben. Oft rotierte er zwischen Bartra und Matthias Ginter hin und her.

Marc Bartras Zeit bei Borussia Dortmund

SaisonSpieleToreVorlagenGelbe KartenRote Karten
2017/1820412-
2016/1731147-

In Bartras zweiter Saison in schwarz-gelb hieß sein Konkurrent nicht mehr Ginter, sondern Ömer Toprak. Und der Trainer Peter Bosz. Auch der neue Chefcoach setzte nicht auf eine eingespielte Defensive und so wurde Bartra nie zu einem unverzichtbaren Teilstück in der Startelf der Westfalen.

Im Dezember 2017 bekam Bartra dann seinen dritten Trainer beim BVB. Peter Stöger ließ den Spanier in seinen ersten sechs Spielen nur einmal zum Einsatz kommen. Für 35 Minuten im DFB-Pokal gegen Bayern München.

"Unter Peter Stöger fühlte ich mich nicht mehr als ein wichtiger Spieler und ich wollte keine Saison verlieren", erklärte Bartra seine Entscheidung, Dortmund in der Winterpause zu verlassen. Doch Stögers Nichtberücksichtigung war wohl nur noch das letzte Zeichen für Bartra, dass er eine Veränderung braucht.

Betis Sevilla: Marc Bartras letzter Ausweg

So verkaufte Borussia Dortmund seinen Abwehrspieler im Januar für 10,5 Millionen Euro an Betis Sevilla, den zu diesem Zeitpunkt Tabellen-13. der Primera Division. Betis ist ohne Frage ein stolzer und traditionsreicher Klub und die spanische Liga die wohl beste der Welt. Trotzdem ist der Verein aus Andalusien kein gängiges Ziel von Spielern mit der Qualität Bartras.

Seit der Jahrtausendwende stiegen die Grün-Weißen dreimal ab. Der letzte Aufstieg, 2015, ist noch relativ frisch. Auch die Ablöse zeigte, was Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bestätigte: "Marc Bartra ist ein wundervoller Mensch und ein toller Fußballer, der unsere BVB-Herzen sofort für sich gewonnen hat. Leider ist ihm in Dortmund durch den feigen Anschlag auf noch immer unfassbare Weise Schreckliches widerfahren. Vor diesem Hintergrund respektieren wir Marcs Wunsch, in sein Heimatland zurückzukehren und alles hinter sich zu lassen. Weil wir uns Marc in besonderer Weise verpflichtet fühlen, haben wir bei den Ablöseverhandlungen deutliches Entgegenkommen gezeigt."

Bartra lobte Betis bei seiner Ankunft höflich für die Visionen und Pläne des Klubs, deren Teil er sein soll. "Ich möchte an einem Ort sein, an dem ich mich wirklich gewollt fühle. Denn das, was mich glücklich macht, ist auf dem Platz zu stehen, zu spielen und mich wichtig zu fühlen."

Außerdem ist Bartra schon 27 und so ist es auch nur verständlich, dass er sich einem Verein anschließt, wo er auf Anhieb der beste Verteidiger und einer der besten Spieler im ganzen Kader ist. Bartra ist kein Talent mehr und will jetzt Führungsspieler sein. Etwas, das beim BVB nicht (mehr) möglich war. Aufgrund der Vorgeschichte und - eng damit verbunden - aufgrund der Leistungen.

Marc Bartra und Betis Sevilla starten durch

Seitdem Bartra da ist, läuft es beim Stadtrivalen des großen FC Sevilla richtig gut. In zwölf Spielen mit dem Neuzugang hat Betis erst zweimal verloren, einmal unentschieden gespielt und steht plötzlich, fünf Spieltage vor Schluss, auf Rang fünf.

Das Team von Quique Setien hat die letzten sechs Partien alle gewonnen und darf auf die erste internationale Teilnahme seit 13 Jahren hoffen. Damals qualifizierte sich Betis sogar für die Champions League. Noch mehr sticht die deutliche Stabilisierung der Defensive ins Auge: Zuletzt spielte Betis fünfmal in Serie zu Null. Insgesamt ließ das Team mit Bartra auf dem Platz erst 14 Gegentore zu und hat sich massiv stabilisiert. Man bedenke: Mit 53 Gegentreffern hat Betis die drittschwächste Defensive der Liga (nur Las Palmas und La Coruna kassierten mit 65 Gegentoren mehr).

Mit einem Auswärtsspiel gegen Atletico Madrid und dem Stadtderby im eigenen Stadion am vorletzten Spieltag hat Betis noch zwei schwierige Aufgaben vor der Brust, bis die Überraschung perfekt gemacht werden kann. Das Spiel gegen den FC Sevilla könnte dabei das alles Entscheidende werden. Die Rojiblancos brauchen nämlich selbst noch ein paar Siege, um nicht am Ende nur Siebter zu werden.

Bartra kann bei Betis wieder frei aufspielen

Für Betis' neuen Abwehrchef dürfte eine Europa-League-Teilnahme aber nur ein schönes Beiwerk sein. Bartra kann in Sevilla endlich wieder frei aufspielen und wird in der Stadt nicht mehr pausenlos an den schlimmsten Tag seines Lebens erinnert. "Bei Betis bin ich glücklich wie ein kleiner Junge", erzählt er.

Den Verein Borussia Dortmund hat er aber nicht aus seinem Gedächtnis gestrichen. Im März kam er zurück in den Signal Iduna Park, wo er sich nochmal persönlich verabschiedete und mit BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel die Mannschaftsaufstellung vor dem Europa-League-Spiel gegen Salzburg verlas.

Zum Derby gegen Schalke meldete er sich dann via Twitter und zeigte seine fortbestehende Verbundenheit zu schwarz-gelb.

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