Die drei Perspektiven des Coutinho-Wechsels: Der Verlierer heißt FC Liverpool

Montag, 08.01.2018 | 10:00 Uhr
Philippe Coutinho erzielte in dieser Saison in wettbewerbsübergreifend 20 Spielen zwölf Tore für den FC Liverpool
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Nach einem halbjährigen Poker ist Philippe Coutinho für 120 Millionen Euro vom FC Liverpool zum FC Barcelona gewechselt, die Ablösesumme kann noch auf bis zu 160 Millionen ansteigen. Für Coutinho ist der Transfer ein Risiko, Barcelona hat alles richtig gemacht - und der Verlierer heißt Liverpool.

Die Coutinho-Perspektive

Mit viermonatiger Verzögerung ist der Wechsel zum FC Barcelona für Philippe Coutinho die verspätete Erfüllung seines Traums. "Ich hatte ein Jobangebot und wie jeder weiß, habe ich mich dafür interessiert", sagte er im Sommer. Sein Ex-Trainer Jürgen Klopp erklärte nun in einem Statement, dass es "kein Geheimnis ist, dass Philippe schon seit letztem Juli, als Barcelona erstmals Interesse anmeldete, wechseln wollte". Weil es damals nicht geklappt hat, durchlebte Coutinho "einen Moment der Qual, Enttäuschung und Trauer", wie es dessen Nationalmannschafts-Kollege und Freund Neymar pathetisch formulierte.

Dass ihm sein Verein Liverpool nun doch noch einen frühzeitigen Ausstieg aus seinem bis 2022 gültigen Vertrag gewährte, fühlt sich für Coutinho wohl wie eine Erlösung an. Fortan darf er für seinen Traumverein spielen, doch aus seiner Sicht hätte ein Sommer-Wechsel deutlich mehr Sinn gemacht - entweder im vergangenen oder im kommenden.

Im kommenden Sommer nämlich will Coutinho mit seinem Land Brasilien die WM gewinnen - vorzugsweise als Stamm-, am liebsten als Schlüsselspieler. Dafür ist es einerseits von Vorteil, die vorangegangene Saison ohne große Turbulenzen, in gewohntem Umfeld und mit reichlich Spielpraxis absolviert zu haben. Und andererseits, sich auf allerhöchstem Niveau gemessen zu haben. Beides ist für Coutinho nun nicht oder nur spärlich möglich.

Coutinho wechselt in eine perfekt funktionierende Mannschaft, die die heimische Liga ungeschlagen und souverän anführt. Nach langer Verletzungspause kehrte mit Ousmane Dembele kürzlich ein weiterer potentieller Stammspieler zurück. Mit seiner Klasse sollte Coutinho zwar in jeder Mannschaft der Welt spielen, doch für Barcelona-Trainer Ernesto Valverde wird es schwierig sein, einem bisherigen Stammspieler trotz starker Leistungen zu erklären, dass er wegen des Neuzugangs nur auf der Bank sitzt.

Erschwerend hinzu kommt Coutinhos Spielverbot in der Champions League. Dadurch fehlen ihm Möglichkeiten, sich auf allerhöchstem Niveau zu messen. Anfang März spielt Barcelona in der Liga gegen Atletico Madrid, Anfang Mai gegen Real Madrid und je nach Weiterkommen und Auslosung womöglich nochmal im Pokal. Das war es für Coutinho bis zur WM mit Gegnern von höchstem internationalen Niveau - sofern er in diesen Partien überhaupt aufgestellt wird.

Mit Liverpool hätte Coutinho nicht nur Premier-League-Spiele gegen die Top-Klubs aus Manchester und London vor sich gehabt, sondern auch die Möglichkeit auf Champions-League-Einsätze. Barcelona wäre wohl auch noch im Sommer an einem Kauf interessiert gewesen. Das Risiko einer unterfordernden Rückrunde, die seiner Rolle bei der WM womöglich schadet, erschien Coutinho jedoch offenbar annehmbarer als das eines endgültigen Scheiterns seines Wechsels nach Barcelona.

Seite 1: Die Coutinho-Perspektive

Seite 2: Die Barcelona-Perspektive

Seite 3: Die Liverpool-Perspektive

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