Infos: Ausstiegsklauseln in Spanien

Von SPOX
Donnerstag, 03.08.2017 | 14:35 Uhr
Der Spieler dessen Transferwunsch die Diskussionen auslöste: Neymar Junior vom FC Barcelona
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Die Ausstiegsklausel von Barcelonas Neymar schlägt derzeit hohe Wellen. Wider erwarten fand sich in PSG bzw. seinen Geldgebern tatsächlich jemand, der bereit war, die festgeschriebene Ablöse von 222 Millionen Euro bereitzustellen. Im Zuge des Deals sorgte das spanische Transfersystem immer wider für Verwirrung: Wieso haben alle Spieler der Primera Division eine Ausstiegsklausel? Was bedeutet der Neymar-Transfer für das spanische System? SPOX beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wie funktionieren Ausstiegsklauseln in Fußball-Verträgen?

Eine Ausstiegsklausel beinhaltet einen festen, bei Vertragsabschluss vereinbarten, Betrag, für den der betreffende Spieler den Verein verlassen kann.

Wenn ein anderes Team bereit ist, diese festgeschriebene Summe zu zahlen, dann kauft man damit den Spieler sozusagen von seinem Vertrag frei. Das bedeutet, dass ab diesem Moment der abgebende Verein nichts mehr mit den Verhandlungen zu tun hat - die laufen dann nur noch zwischen Spieler und aufnehmendem Verein.

Hat jeder Spieler der Primera Division eine Ausstiegsklausel?

Ja. Der Grund dafür liegt im spanischen Arbeitsrecht.

Dort ist festgelegt, dass es jedem Arbeitnehmer möglich sein muss, aus seinem Arbeitsverhältnis auszusteigen.

Wieso ist im spanischen Transfersystem eine Ausstiegsklausel verankert?

Aufgrund des erwähnten Arbeitsrechts, wäre ein Vertrag ohne Ausstiegsklausel in Spanien tatsächlich illegal: Der Spieler wäre für die gesamte Vertragslaufzeit "gefangen" und der Verein könnte über den Spieler/Arbeitnehmer verhandeln, ohne dass dieser ein Mitspracherecht hätte.

Deshalb sind spanische Vereine gezwungen, eine festgeschriebene Ablösesumme beziehungsweise eine Ausstiegsklausel im Vertrag zu verankern, damit der Spieler sich zumindest theoretisch aus seinem eigenen Vertrag kaufen kann.

Wie funktionieren Ausstiegsklauseln in Spanien in der Praxis?

In der Theorie sollen die Ausstiegsklauseln dem Zweck dienen, dass ein Profi selbständig aus seinem Vertrag aussteigen kann. Jedoch werden die Vorgaben des spanischen Arbeitsrechts im Fußball ins Absurde verkehrt.

So werden die vorgeschriebene Ausstiegsklauseln in der Praxis angewandt:

  1. Die Ablösesummen von Stars werden astronomisch hoch angesetzt. Die Aufregung im Fall Neymar zeigt, dass kein Klub wirklich damit rechnete, dass ein Spieler sich aus seinem Vertrag rauskaufen könnte.
  2. Auch bei jungen Talenten sind inzwischen Ausstiegsklauseln von 50 Millionen Euro nicht unüblich, da der Verein sonst fürchten muss, in den darauffolgenden Jahren, einen guten Spieler unter Wert zu verlieren.

Was bewirken festgeschriebene Ablösesummen und wer profitiert davon?

Das ursprüngliche Ziel des Arbeitsrechts - mehr Selbstbestimmung der Arbeitnehmer - wird im Bereich des Profifußballs nur teilweise erfüllt.

Die Hauptentwicklungen und deren Profiteure sind:

  • Kleinere Teams wie Atletico Bilbao profitieren von den Ausstiegsklauseln und sind auf diese Verdienste angewiesen, da sie ihre eigenen Jugendspieler und Talente mit hohen Ablösesummen versehen können, die interessierte Vereine zahlen müssen. So kam beispielsweise der damals eher unbekannte Javi Martinez 2012 zu den Bayern. Für den stolzen Preis von 40 Millionen Euro.
  • Spieler kleinerer Teams können davon ebenso profitieren, wenn sie das Interesse eines großen Klubs wie Real oder Barcelona geweckt haben. Wird die festgelegte Ausstiegsklausel bezahlt, kann der abgebende Verein einem wechselwilligen Spieler keine Steine in den Weg legen. Real Sociedads Inigo Martinez könnte zum Beispiel davon profitieren, da Barca angeblich bereit ist, seine 30 Millionen schwere Klausel zu zahlen.
  • Große und reiche Klubs profitieren auf zwei Arten davon: Zum einen können sie ohne aufwendige Verhandlungen junge Talente verpflichten. Außerdem können sie die Verträge ihrer Stars mit absurden Klauseln bestücken, die der Spieler in der Regel nicht bezahlen kann und sie damit stärker binden. Sollte dann doch jemand bereit sein, diese Ablösesummen zu zahlen, erwartet den abgebenden Verein ein riesiger Geldsegen. Win-Win.

Wie hoch sind die Ausstiegsklauseln von Neymar, Kroos, Ronaldo und Co?

SpielerVereinAusstiegsklausel
Cristiano RonaldoReal Madrid1 Milliarde Euro
Karim BenzemaReal Madrid1 Milliarde Euro
Gareth BaleReal Madrid500 Millionen Euro
James RodriguezReal Madrid/Bayern500 Millionen Euro
Luka ModricReal Madrid500 Millionen Euro
Lionel MessiFC Barcelona300 Millionen Euro
Toni KroosReal Madrid300 Millionen Euro
NeymarFC Barcelona220 Millionen Euro
Gerard PiqueFC Barcelona200 Millionen Euro
Luis SuarezFC Barcelona200 Millionen Euro
Andres IniestaFC Barcelona200 Millionen Euro
Sergio BusquetsFC Barcelona200 Millionen Euro
Sergio RamosReal Madrid200 Millionen Euro
CasemiroReal Madrid200 Millionen Euro
Antoine GriezmannAtletico Madrid200 Millionen Euro
Marc-Andre ter StegenFC Barcelona180 Millionen Euro

Sind Ausstiegsklauseln in der Bundesliga üblich?

In der Bundesliga sind Ausstigsklauseln keine Pflicht, werden aber auch immer häufiger eingesetzt. Mario Götze bestand zum Beispiel 2012 darauf, in seiner Vertragsverlängerung beim BVB eine Ausstiegsklausel zu verankern. Keine Klausel, keine Verlängerung.

Dortmund stimmte zu, um Götze nach der Saison nicht ablösefrei zu verlieren und konnte dann jedoch in der darauffolgenden Saison 2013/14 nicht eingreifen, als der FC Bayern München die veranschlagten 37 Millionen Euro zahlte, um Götze zu verpflichten.

Auch die 50 Millionen die Schalke beim Wechsel von Leroy Sane zu Manchester City einstrich, beruhten auf einer Ausstiegsklausel.

Kann die Liga (bei Neymar) die Zahlung der Ausstiegsklausel verweigern?

Da es für den Neymar-Deal keinen Präzedenzfall gibt, ist dies eine der am meisten gestellten Fragen. Laut Marca und anderen spanischen Medien lautet die Antwort: Nein. Auch wenn LaLiga-Boss Tebas (im Bild) die Annahme des Geldes zunächst verweigerte. Wird die festgeschriebene Ablöse gezahlt, dann ist der Vertrag aufgelöst.

Die einzige Instanz, die im Fall Neymar dazwischen funken könnte, ist die UEFA, falls die Regeln des Financial Fairplay verletzt wurden. Dies zu entscheiden liegt allerdings nicht bei der Liga.

Alle Infos zu den Fragen um den Neymar-Transfer gibt es hier auf einen Blick.

Was bedeutet der Neymar-Transfer für das spanische System?

Die Bezahlung der 220-Millionen-Euro-Klausel ist nur ein weiterer Beweis dafür, dass vor allem den großen Vereinen im Fußball immer mehr Geld zur Verfügung steht. Im Fall von Paris St. Germain hilft dabei der katarische Investor Qatar Sports Investments, der seit der Übernahme vor einigen Jahren mehrere hundert Millionen Euro für neue Spieler bereitstellte.

Wie sich der einmalige Fall Neymar auf das System in Spanien auswirkt, ist schwer zu sagen. Auch davor war es schon Standard, die Klauseln immer weiter in die Höhe zu treiben - dieser Trend dürfte jetzt noch verstärkt fortgesetzt werden.

Für die Bundesliga bedeuten die steigenden Klauseln, dass es voraussichtlich immer schwieriger werden wird, ohne Investor Spieler aus Spanien zu verpflichten.

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