Neymars Transfer zu PSG: Wie geht es beim FC Barcelona weiter?

Warum Neymars Abgang eine Chance ist

Donnerstag, 03.08.2017 | 12:10 Uhr
Neymar wird den FC Barcelona und Lionel Messi bald in Richtung Paris Saint-Germain verlassen
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Der FC Barcelona verliert mit Neymar einen großen Teil seiner Zukunftsplanung. Gleichwohl bringt der Abgang des Brasilianers zu Paris Saint-Germain aber auch eine Menge Chancen mit sich. Am Horizont braut sich etwas zusammen.

Der Fußball ist nur selten in Schwarz und Weiß, in Gut oder Böse zu unterteilen. Oftmals herrscht Uneinigkeit innerhalb eines Vereins oder einer Mannschaft bezüglich der anstehenden Aufgaben.

Bei kaum einem anderen Klub gilt das wohl so oft wie beim FC Barcelona.

Doch in diesen Tagen herrscht eine ungewohnte Einigkeit im Klub. Eine merkwürdige Stimmung hat Katalonien ergriffen, so stark, das stets schwelende Brandherde seit Mitte Juli kaum mehr Beachtung finden.

Neymar will weg.

Was sich über Tage hinweg von einem wilden Gerücht zu einer Tatsache entwickelte, hat seine Wirkung entfaltet.

Selten hat es ein Spieler geschafft, die kollektive Missachtung von sämtlichen Anhängern in so kurzer Zeit zu gewinnen. Parallelen zu Luis Figo müssen an dieser Stelle durchaus bemüht werden. Der Portugiese war vom FC Barcelona direkt zu Real Madrid gewechselt und stellte die spanische Liga damit auf den Kopf.

Neymar war Barcelonas Zukunft

Muss beim nächsten Duell zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Barcelona alss verstärkt auf etwaig mitgeführte Schweineköpfe kontrolliert werden? Nicht unbedingt, ist der FC Barcelona von heute doch ein anderer Klub als im Jahr 2000. Und auch die Ablösesumme ist eine gänzlich andere: Damals sorgten 60 Millionen Euro für weltweite Empörung, heute sind es 222.

Eine ähnliche Ausgangssituation mag nicht geleugnet werden. Und doch ist vieles anders im Jahr 2017. Barcelona wird einen seiner besten Spieler verlieren. Das ist nicht einmal das größte Problem, denn Barcelona wird auch einen immensen Teil seiner Zukunftsplanung verlieren.

Der Zukunftsplan selbst will nicht mehr warten auf seine Entfaltung. Für Neymar geht es in Richtung Frankreich, in Richtung Geld, in Richtung Anerkennung. Ein Tiefschlag für seinen bisherigen Klub, so könnte man vermuten. Tatsächlich kann Barcelona auf lange Sicht als Gewinner aus dem Transfer hervor gehen.

Sportlicher und wirtschaftlicher Wert immens

Ein erster Blick wird natürlich immer die negativen Aspekte des Transfers herausstellen. Barcelona verliert den Spieler, der früher oder später für Lionel Messi übernehmen sollte. Der die tragende Rolle des Teams sein sollte, der Spieler, um den eine Mannschaft herum aufgebaut wird.

Zudem stellte er einen großen Anteil der Marketing-Pläne des Klubs dar. Nicht nur aufgrund der enormen Anziehungskraft in Südamerika, sondern aufgrund eines weltweiten Publikums und einer Ausweitung der Zielgruppe über bisher von Barcelona angesprochene Personen hinaus.

Ein Spieler von großem Wert also - sportlich wie wirtschaftlich. Nicht umsonst schlug sich der Klub jahrelang mit dem bekanntlich alles andere als einfachen Transfer herum. Selbst als es vor das Gericht ging, war stets die Handhabe des Transfers und nicht der Transfer an sich Gegenstand der Kritik.

Der Wert von 222 Millionen Ablöse

Warum also sollte Barcelona aus einem Verlust von Neymar als Gewinner hervorgehen? Einen großen Teil der Begründung liefert die festgeschriebene Ausstiegsklausel von 222 Millionen Euro. Sollte - das ist noch nicht garantiert - Neymar tatsächlich diese oder nur eine vergleichbare Summe einbringen, liegen Barcelona auf einen Schlag enorme Mittel vor.

Präsident Josep Maria Bartomeu kündigte bereits vor einiger Zeit an, in diesem Fall nicht nur einen Ersatz für Neymar finden, sondern gleich den Kader gezielt an einigen Stellen verbessern zu wollen.

Seitdem wurde manch Name durch die Medienlandschaft getrieben.

Die Mittel für Philippe Coutinho, Kylian Mbappe oder Ousmane Dembele wären vorhanden. Jeder Konkurrent auf dem Markt weiß nun, dass Barcelona eine Menge Geld hat und ein spezifisches Profil sucht - das treibt den Preis in die Höhe. Doch: Wann traf das mal nicht auf die Blaugrana zu?

FC Barcelona bleibt Big Player

Somit hat sich die Position der Katalanen auf dem Markt nicht geändert. Barca ist auch vor dem Neymar-Transfer ein absoluter Big Player gewesen. In den verbleibenden Tagen der Transferperiode wird der Klub nun allerdings deutlich aktiver auftreten müssen, um seine Wünsche zu erfüllen - bisher verpflichtete man nur Nelson Semedo und Rückkehrer Gerard Deulofeu.

Letzterer wird sich insgeheim sicherlich auch ein wenig über den Abgang von Neymar freuen. Einfacher war es noch nie, einen Stammplatz beim FC Barcelona zu ergattern. Die Position des Linksaußen ist völlig offen, stand doch bisher auch kein direkter Ersatz für den Brasilianer im Kader bereit.

Diese Tatsache sollte auch manch anderem Spieler einen Wechsel schmackhaft machen. Mbappe oder Dembele beispielsweise hätten die Chance, direkt zu einem Leistungsträger bei einem der größten Klubs Europas zu werden. Bisher versprühte ein Engagement als MSN-Backup nur bedingt Reiz.

Aus MSN wird MS+X

MSN - das Trio aus Lionel Messi, Luis Suarez und eben bisher Neymar - stand in den letzten Jahren unter Luis Enrique prägend für den Fußball des FC Barcelona. Zuvor eigentlich immer vom Mittelfeld dominiert, verschob sich das strategische Augenmerk in den letzten Jahren in Richtung Angriff.

Mehr Zielstrebigkeit, mehr Tempo, mehr Konter. Neu-Coach Valverde sah das bei seinem Amtsantritt etwas anders: "Barcas Stil ist Zusammenspiel über das zentrale Mittelfeld."

Der Abgang von Neymar gibt dem Team die Chance, seinen Fokus wieder zu ändern.

Das geht aber nicht nur einher mit der Positionierung von Messi auf dem Feld, sondern auch mit Neuzugängen für die Zentrale. Die bisher gehandelten Lösungen waren - abgesehen von Marco Verratti - bestenfalls Preis-Leistungs-, nicht aber Testsieger.

Mit dem nun vorhandenen Budget ist wohl kein Gedanke mehr verboten.

Auch Neymar Sr. geht

Zu guter Letzt ist der Abwanderungswille von Neymar die große Chance für Barca, sich reinzuwaschen von den Verfehlungen Sandro Rosells. Der Transfer des Brasilianers vom FC Santos nach Barcelona ist bis heute nicht vollständig aufgearbeitet. Wo genau welche Summen flossen, kann nur schwer beurteilt werden.

Im Hintergrund arbeitet derweil Augusti Benedito - ehemaliger Präsidentschaftskandidat und entschiedener Gegner von Bartomeu - an einem Misstrauensvotum. Die Aussichten auf Erfolg waren bisher alles andere als rosig. Abzuwarten ist, wie der Abschied von Neymar sich auf die Abstimmung auswirkt.

Nur positiv auf die Grundstimmung dürfte sich die Abwesenheit des Neymar-Klans auswirken, der neben Gerichtsverhandlungen und Steuernachzahlungen sowie dem Imageverlust auch lange nach der Verpflichtung noch für Unruhe im Verein sorgte.

Keiner wüsste besser, wie so etwas funktioniert als Neymar Sr. Der Vater des Superstars weiß, welche Knöpfe er drücken muss. Das bewies er erneut Mittwochabend am Flughafen Barcelonas, als er Cadena SER mitteilte, dass Barca den Transfer veranlasse: "Präsident Bartomeu hat auf einige Anrufe und Nachrichten meines Sohns nicht reagiert."

Frust im Neymar-Lager

Letztlich sei der Klub der, der den Transfer vorantreibe und der Neymar loswerden wolle. Man könnte mutmaßen, dass hinter den abendlich getätigten Aussagen ein gewisser Frust steckt. In den vorangegangenen Gesprächen wurde wohl klar, dass Barcelona nicht plant, die 2016 vereinbarte Zahlung von 26 Millionen Euro an die Familie Neymar zu leisten.

Diese Summe wurde im Rahmen der Vertragsverlängerung und einem dementsprechend geplanten Verbleib von Neymar ausgehandelt. Der Spieler war zum Zeitpunkt der Verhandlungen noch bis 2018 gebunden gewesen und verlängerte schließlich vorzeitig zu deutlich verbesserten Bezügen bis 2021.

Noch so ein Faktor, der den Abschied von Neymar schmackhaft macht. Ein Transfer befreit große Teile des Budgets in Sachen Gehalt, Bonuszahlungen und Prämien. "Wer es anzweifelt, bei Barcelona zu spielen, der hilft uns nicht", stellte einst Johan Cruyff fest. Und der hatte in Barcelona sowieso immer Recht.

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