Ernesto Valverde: Der neue Trainer des FC Barcelona im Porträt

Unerwünscht ab Tag Null

Montag, 29.05.2017 | 19:25 Uhr
Ernesto Valverde wird Athletic Club für den FC Barcelona verlassen
Advertisement
Primera División
Levante -
Getafe
Primera División
Real Betis -
Alaves
Primera División
Valencia -
Sevilla
Primera División
Barcelona -
Malaga
Primera División
Villarreal -
Las Palmas
Primera División
Celta Vigo -
Atletico Madrid
Primera División
Leganes -
Bilbao
Primera División
Real Madrid -
Eibar
Primera División
Real Sociedad -
Espanyol
Primera División
La Coruna -
Girona
Copa del Rey
Saragossa -
Valencia
Copa del Rey
Murcia -
Barcelona
Copa del Rey
Elche -
Atletico Madrid
Copa del Rey
Fuenlabrada -
Real Madrid
Primera División
Alaves -
Valencia
Primera División
Sevilla -
Leganes
Primera División
Atletico Madrid -
Villarreal
Primera División
Bilbao -
Barcelona
Primera División
Getafe -
Real Sociedad
Primera División
Girona -
Real Madrid
Primera División
Eibar -
Levante
Primera División
Malaga -
Celta Vigo
Primera División
Espanyol -
Real Betis
Primera División
Las Palmas -
La Coruna

Der FC Barcelona setzt in der kommenden Saison auf Ernesto Valverde. Das bestätigten die Katalanen auf einer Pressekonferenz am Montagabend offiziell. Der Ex-Trainer von Athletic Club aus Bilbao ist dabei jedoch auf vielen Ebenen nicht der Wunschkandidat.

Ein stolzes Volk, besondere Bedürfnisse des Klubs und eine nie enden wollende Reihe an Kritikern: Als Valverde seine Unterschrift beim FC Barcelona verkündete, wusste der 53-Jährige ganz genau, worauf er sich einlässt. Über Jahre hinweg trainierte er Athletic Club, machte aber mit Ende der Saison 2016/17 seinen Abschied aus dem Baskenland öffentlich.

Nicht viel einfacher wird es für ihn werden, wenn er zum Start der kommenden Saison den FC Barcelona anleitet. Als Nachfolger von Luis Enrique steht er schon genug unter Beobachtung, hinzu kommen zahlreiche weitere Vorurteile, die der 53-Jährige erst abschütteln muss - wenn das überhaupt möglich ist.

Zwei Jahre spielte Valverde einst für den FC Barcelona, damals erreichte er persönliche Bestleistungen und verbuchte seinen einzigen Einsatz für die Nationalmannschaft. Er ist zwar nicht unbedingt dieser geforderte Mann mit der Barca-DNA, letztlich aber auch niemand, der nicht weiß, wie die Dinge laufen in Katalonien.

Nicht immer Titel, aber immer Erfolg

Valverde blickt zurück auf eine nicht immer von Titeln, aber doch stets von sportlichen Erfolgen geprägte Karriere. 2003 übernahm er die erste Mannschaft Bilbaos. Zuvor nur als Jugendtrainer tätig, wurde schnell getuschelt. Ist er erfahren genug? Kann er schon Spieler aus Spaniens höchster Spielklasse anleiten?

Er konnte es. Bilbao erreichte in seinem zweiten Jahr mit Rang fünf der Abschlusstabelle einen Höhepunkt, Valverde machte Schluss. Er begann eine Fortbildungsreise, die ihn neben Villarreal, Piräus und Valencia auch zu Barca-Rivale Espanyol führte. Dort erreichte er das Finale im damaligen UEFA Cup.

Im Sommer 2013 unterschrieb der gereifte Valverde erneut im Baskenland. 213 Spiele sollten folgen. Ein Punkteschnitt von 1,64 reichte nie für Trophäen, wohl aber doch stets für Tabellenplätze im oberen Drittel. In seiner ersten Saison war Bilbao gar die vierte Kraft hinter dem Dreieck aus FC Barcelona, Real Madrid und Atletico.

Bilbao immer ein Stolperstein

Der Trainer vermochte es, aus einer rein baskischen Mannschaft und dementsprechend begrenzten Kapazitäten, eine Mannschaft zu formen, die Erfolge gegen die kleinen Teams der Liga holte und für die großen Teams stets einen möglichen Stolperstein darstellte. Nach Bilbao fuhr niemand gerne.

Eine körperbetonte und aggressive Spielweise kombiniert mit Mannorientierung im Mittelfeld machten aus Athletic einen Gegner, der unangenehm zu bespielen war. Das legt schon manchen Charakterzug Valverdes offen. Der Baske ist selbst ein Arbeiter und lässt dementsprechend auch seine Spieler Fußball arbeiten.

Gleichwohl vermochte es Valverde doch immer, sich seinen Mannschaften anzupassen. Nirgendwo zeigte er das so gut wie bei Bilbao, waren die Möglichkeiten von Transfers dort doch arg begrenzt. Das resultierte in einem Spiel, das klar auf die Stärken seiner Spieler zugeschnitten war.

Mehr Brechstange als Eleganz

Bilbao ist auch in dieser Saison ausgelegt auf Mittelstürmer Aritz Aduriz. Meist wird der Weg über die Flügel bemüht, es folgen Hereingaben auf den bulligen Mann im Zentrum. Vor langen Bällen im Aufbau scheut Valverde nicht zurück, gleichwohl auch nicht vor horrend schlechten Passstatistiken.

Im baskischen Derby gegen Real Sociedad fiel die Passquote auch mal unter 55 Prozent, beide Mannschaften pressten den gegnerischen Spielaufbau kaputt und jagten die Bälle von Strafraum zu Strafraum. Eine seltsame Partie, nicht nur für einen baldigen Trainer des FC Barcelona.

Die Anpassungsfähigkeit des Trainers wird abermals gefragt sein. Valverde wird seinen Fußball im Baskenland lassen müssen, wird aber gleichwohl auch keinen Voetbal Total im Camp Nou spielen. Die Kombination von katalanischen und baskischen Stärken wird letztlich über den Erfolg der kommenden Saison entscheiden.

Fans wünschten sich Sampaoli

Standardstärke kombiniert mit Einzelspielern wie Lionel Messi oder Neymar. Aggressives Angriffspressing kombiniert mit guten Restbeständen an Aufbauspiel. Doch hier liegt auch ein potentielles Problem begraben. Valverde hatte stets Probleme damit, Lösungen auf schwierige Fragen im kurzen Aufbauspiel zu finden.

Die Führung des FC Barcelona kommt deshalb nicht um die Frage herum, warum nicht Fanfavorit Jorge Sampaoli verpflichtet wurde. Dieser ließ in Sevilla das Spiel spielen, das man in Barcelona seit Zeiten von Pep Guardiola vermisst. Obendrein signalisierte er seine Bereitschaft, das Amt zu übernehmen.

Als der Abschied von Enrique bekannt wurde, kristallisierte sich der Wunsch der Cules dementsprechend schnell heraus. Einer Umfrage der SPORT zufolge wünschten sich mehr als 80 Prozent aller Anhänger Sampaoli als Nachfolger. Es folgten auf den Plätzen Ronald Koeman, Quique Setien, Carlos Berizzo, Juan Carlos Unzue, Jürgen Klopp und schließlich Valverde.

Erfahrungen aus Bilbao helfen

Der 56-Jährige muss sich auf eine schwere Aufgabe gefasst machen. Wer als Trainer nach Katalonien kommt, kann in neun von zehn Fällen nur verlieren. Jeder Schritt wird von Tausenden von Augen überwacht, jede Entscheidung noch Tage später analysiert und diskutiert.

Erlebe die Primera Division live und auf Abruf auf DAZN. Hol Dir jetzt Deinen Gratismonat!

Valverde wird, da helfen auch zwei Jahre als Spieler in Barcelona nicht, von Tag eins an um Anerkennung kämpfen müssen. Er ist nicht der Wunschtrainer in Barcelona und das wird er bei jedem Misserfolg zu spüren bekommen. Enrique gewann die Champions League mit den Katalanen und musste sich doch für jede misslungene Entscheidung rügen lassen.

Gerade hier könnte die Erfahrung aus Bilbao greifen. Wenngleich im kleineren Stile, ist das Baskenland doch nicht unähnlich zum FC Barcelona. Der Klub denkt besonders, die Fans denken besonders. Valverde zeigte in seinen zwei Amtszeiten, dass er dem nicht nur gewachsen ist, sondern auch unter Druck exzellent arbeitet.

Unzue zieht es wohl nach Vigo

Seine humorvolle und doch entschiedene Art wird Valverde bei dieser Aufgabe entgegenkommen. Er scherzt gerne auf Pressekonferenzen und kontert Fragen der Journalisten mit Gegenfragen. Er stellt sich vor das Team und ist bekannt dafür, sich in kurzer Zeit einen enormen Rückhalt in der Mannschaft zu erarbeiten.

Wieder ein entscheidender Punkt. Ein großer Teil des aktuellen Barcelona-Kaders sprach sich für Co-Trainer Carlos Unzue als Nachfolger von Luis Enrique aus. Der langjährige Assistent wird den Klub nun wohl in Richtung Celta Vigo verlassen, so die Marca. Valverde bringt sein Trainerteam aus Bilbao mit und wird sich auch intern beweisen müssen.

Es wird nicht leicht werden für den Basken, soviel ist klar. Gleichwohl scheinen sich die Verantwortlichen des FC Barcelona sehr sicher zu sein. Schon im Sommer 2016 soll man Valverde mitgeteilt haben, seinen Vertrag in Bilbao besser nicht zu verlängern.

Ernesto Valverde im Steckbrief

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung