Primera Divison: Toni Kroos' Entwicklung bei Real Madrid

Der königliche Prittstift

Mittwoch, 10.08.2016 | 11:30 Uhr
Toni Kroos wechselte 2014 für rund 30 Millionen Euro von Real Madrid zu Bayern München
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Toni Kroos ist nach seinem Wechsel in die Primera Division (live auf DAZN) zu Real Madrid zum internationalen Superstar gereift. Dass er das mit seinem unaufgeregten Spielstil ausgerechnet in der königlichen Glamourwelt geschafft hat, ist auf den ersten Blick überraschend. Doch taktische Umstellungen haben Kroos zu einem kompletteren Spieler und zum perfekten Verbindungsstück zwischen Abwehr und Angriff gemacht. Seinen Stil änderte er dafür trotzdem nicht, erklärte Kroos im Gespräch mit SPOX.

Im Sommer 2006 konnte Uli Hoeneß gewohnt forsches Mundwerk mal wieder nicht halten. Gerade hatte der damalige Manager des FC Bayern München 2,3 Millionen Euro für einen 16-Jährigen auf den Tisch gelegt, da versuchte er, sich zu rechtfertigen.

Klar, das sei viel Geld, war zu hören. Doch der Transfer werde sich lohnen, erklärte Hoeneß und schob einen Satz nach, der dem jungen Talent automatisch tonnenweise Ballast auf die Schultern lud: "Die Nummer 10 bei den Bayern ist für ihn reserviert."

Noch bevor sich der Jungspund bei den Bayern überhaupt im Dunstkreis der Profimannschaft befand, wurde er zum neuen Gesicht und zur Identifikationsfigur des Klubs. Sämtliche Hoffnungen für die Zukunft packten die Bayern in die zwei Ziffern 1 und 0 und schickten ihn damit auf die Reise. Ein ganzes Jahrzehnt dauert sie bereits. Die Rückennummer 10 trug er bei den Bayern zwar nicht, ein internationaler Topstar ist er dennoch. Die Rede ist von Toni Kroos.

Toni Kroos und Real Madrid ab Sommer auf DAZN!

Über Umwege landete der inzwischen 71-fache Nationalspieler bei den Königlichen von Real Madrid und scheint dort nach zahlreichen Höhen und Tiefen sein sportliches Paradies gefunden zu haben.

Noch bei den Bayern suchte Kroos lange seinen Platz im Mannschaftsgefüge. Immer wieder wurde er als klassischer Zehner in der Offensive eingesetzt. Die grundsätzliche Idee dahinter lag auf der Hand: Er ist technisch stark und kann den entscheidenden Pass spielen. Auf der Position machte der 26-Jährige gute Partien, dennoch wirkten seine Fähigkeiten verschenkt.

Defensiver als beim FCB

Erst die Spanier schafften es, die Qualitäten des Mittelfeldspielers besser einzusetzen. Nach seinem Wechsel zu den Königlichen rückte Kroos in eine etwas defensivere Rolle und wurde somit zu einem kompletteren Spieler.

Die Opta-Daten belegen seine Verwandlung vom offensiven Spielmacher zum defensiven Taktgeber klar. Während Kroos bei den Bayern noch 2,3 Schüsse pro Spiel abgab, sind es in Madrid im Schnitt nur noch 0,8. Auch den entscheidenden Pass vor dem Tor spielt Kroos nicht mehr so häufig wie noch zu seiner FCB-Zeit (0,5 gegen 0,3 Scorerpunkte und 2,5 gegen 2,0 Torschussvorlagen).

Toni Kroos' Opta-Statistik der Saison 2015/2016

Wie Kroos im Gespräch mit SPOX bestätigte, stellte er seinen Spielstil dazu nicht grundsätzlich um. Vielmehr scheint die Position auf dem Spielfeld besser zu seinen Fähigkeiten zu passen. "Meine Art Fußball zu spielen, war immer die gleiche. Vielleicht bin ich mit der Zeit immer dominanter auf dem Platz geworden. Das liegt aber eher an der persönlichen Weiterentwicklung, wofür man natürlich das Vertrauen der Trainer braucht. Und das war immer gegeben", so Kroos.

Kroos entwickelte sich bei den Königlichen zum perfekten Bindeglied zwischen der Abwehr und der Offensive. Er wurde zu einem Spieler, dessen Pässe den Klebstoff zwischen den Reihen darstellt. Vor allem unter Ex-Real-Coach Carlo Ancelotti agierte er oft als klassischer Sechser vor der Abwehr und kurbelte das Spiel der Königlichen an. Seine schon von Haus aus wenig spektakuläre Spielweise büßte scheinbar weiter an Glanz ein. Immer wieder musste er sich deshalb mit Diskussionen herumschlagen.

"Stehgeiger" vs. "Professor"

Bei kaum einem anderen Spieler klaffen die Meinungen der Öffentlichkeit und die der Trainer so weit auseinander wie bei Kroos. Während er von einigen Fans stets als "Stehgeiger" und "Ballschlepper" abgestempelt wurde, überschütten Trainer und Funktionäre den Strategen ausschließlich mit Lob. Ex-Coach Ancelotti beispielsweise bezeichnete den Mittelfeldmann als "Professor" und den "engagiertesten Spieler", den er je trainiert habe.

Auch Bundestrainer Joachim Löw unterstrich jüngst den enormen Wert Kroos'. "Er macht keine Fehler und sorgt für eine gute Symmetrie auf dem Platz", so Löw: "Die Mitspieler wissen, dass man ihn immer anspielen kann. Ich kenne keinen Spieler, der so cool ist wie der Toni."

Toni Kroos: La Liga 2015/2016 und bei der EM 2016

Im DFB-Team füllt Kroos die Rolle des klassischen Sechsers weiterhin perfekt aus, ist das personifizierte schnörkellose Spiel. Kroos ist der Fixpunkt der deutschen Mannschaft und fast immer die zentrale Anspielstation im Aufbau. Speziell gegen tiefstehende Gegner bekommt Kroos im letzten Drittel die Kugel und verteilt die Bälle im Stile eines NFL-Quarterbacks. Sein Nebenmann Sami Khedira dient eher als Edelhelfer, der mit seiner mächtigen Physis Löcher in die gegnerische Abwehr reißt. Beim DFB bestimmt Kroos, wo der Ball auftaucht und in welche Bahnen das Spiel gelenkt wird.

Bei Real hat sich dies speziell unter dem neuen Trainer Zinedine Zidane zuletzt leicht geändert. Der Franzose installierte Casemiro als festen Mann vor der Abwehr und schob Kroos an die Seite von Luka Modric auf die Acht. In diesem 4-3-3 ist es oft der Kroate, der die größeren Freiheiten besitzt.

Es scheint, als würde Kroos die neue Mischung aus Offensive und Defensive gut tun und sein Spiel erneut leicht zu verfeinern. "Mit Zidane kann ich mein Niveau nochmals steigern. Der Trainer weiß, dass ich sowohl sehr defensiv spielen kann, also auch als Box-to-Box-Spieler, oder in einer offensiven Rolle", so Kroos.

Beste Passquote der letzten zwei Jahre

Auch auf dieser Position lebt das komplette Spiel des Deutschen von seinen unaufgeregten und fast schon roboterähnlichen Aktionen. Er scheut den spektakulären 30-Meter-Ball nicht, wägt das damit verbundene Risiko jedoch stets bedächtig ab. Eine Fähigkeit, die den Nationalspieler auszeichnet und ihm eine ungeheuerliche Präzision im Passspiel bringt. Sein Quote ist die beste der letzten zwei Jahre in LaLiga (93.1%), in der gegnerischen Hälfte (91.0%) wird er nur von Barcas Xavi übertroffen (92.2%).

Dass es Kroos gerade in der Glitzerwelt von Real Madrid zum Superstar geschafft hat, ist auf den ersten Blick überraschend. Schließlich ist der 26-Jährige auch außerhalb des Platzes ein äußerst ruhiger und zurückhaltender Charakter, der sich zwei Meter neben dem Scheinwerferlicht wohler fühlt. Es wirkt hin und wieder gar so, als wolle er nur Fußball spielen und würde sämtliche Randerscheinungen halt ertragen.

Im einem königlichen Haufen voller Alphatiere der Größenordnung Ronaldo, Ramos und Bale wirkt Kroos aufgrund seiner schnörkellosen Auftritte ohne Ecken und Kanten fast schon wie der deutsche Langweiler. Fehl am Platz fühlt er sich dennoch nicht: "Das Standing bestimmt ausschließlich die Leistung und das allgemeine Auftreten auf und außerhalb des Platzes. Und da ist es klar, dass ich mich als Spieler sehe, der vorneweg gehen muss."

"Spüre eine große Wertschätzung"

Kroos definiert sich allein über die Leistung auf dem Platz. Dass er im Umfeld der Königlichen dennoch als fester Bestandteil angesehen wird, ist wohl eines der größtmöglichen Komplimente. Sami Khedira stand beispielsweise im Gegensatz zu Kroos viel häufiger im Kreuzfeuer der Medien, war auch bei den Fans unbeliebter und verließ Real letztlich wohl auch deshalb.

"Grundsätzlich ist es nicht mein erstes Ziel, öffentliche Wertschätzung zu bekommen. Ich will, dass wir als Team erfolgreich sind und dazu einen großen Teil beitragen. Das hat bisher sehr gut funktioniert. Ich spüre eine große Wertschätzung im Verein, einen tollen Support der Fans und großen Respekt der Medien, für meine Art Fußball zu spielen", so Kroos.

Er spielt für sich und seine Mannschaft. Wenn andere das wertschätzen, ist das eher ein netter Nebeneffekt. Ihn selbst juckt es deshalb wohl am wenigsten, dass er beim FC Bayern bis heute nie die Zahlen 1 und 0 auf dem Rücken trug.

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