Ein Deal, sie alle zu knechten

Donnerstag, 14.07.2016 | 15:30 Uhr
Neymar vor Gericht, die spanische Justiz bewertete seinen Transfer zum FC Barcelona neu
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Soweit ein ungemein komplexer, aber aufgrund der Vertragslage scheinbar legaler Transfer. Erst bei noch genauerer Betrachtung wird deutlich, warum der im Sommer 2013 abgewickelte Wechsel bis heute Fragezeichen aufwirft und für zwei große Gerichtsverfahren gesorgt hat.

Einen Anfang zu finden, ist schier unmöglich. Es bleiben einzelne Punkte, an denen sich gerieben wird.

Da wäre die Zahlung in Höhe von 40 Millionen Euro an N&N. Diese sollte beim ablösefreien Wechsel des brasilianischen Talents fällig werden, da die Rechte an Neymar mit Vertragsende bei Santos an das Unternehmen übergegangen wären. Doch der FC Barcelona kaufte ein Jahr früher ein - N&N hielt überhaupt keine Rechte am Spieler.

Der vereinbarte Vertrag aus dem Jahr 2011 beinhaltete zwar eine Strafzahlung von 40 Millionen Euro für den Fall, der FC Barcelona würde sich früher um Neymar bemühen oder ihn im Sommer 2014 doch nicht verpflichten. Nur wurde der Vertrag offiziell aufgehoben, die 40 Millionen in einem weiteren Vertrag aber als wirkend anerkannt.

Kein OK durch die Klubführung

Klubintern wurde der Transfer zudem nicht bestätigt, die Barca-Führung gab kein OK für ein Bemühen um Neymar. Als Rosell die Verhandlungen dennoch initiierte, wurde eine finanzielle Obergrenze in Höhe von 70 Millionen Euro kommuniziert. Sie wurde deutlich überschritten.

Inzwischen sogar noch mehr, da sich die spanischen Steuerfahnder einschalteten. Sie ermittelten wegen einer fehlenden Steuerzahlung bezüglich der ursprünglich kommunizierten Ablösesumme, stellten aber bald fest, dass eigentlich weit mehr gezahlt wurde.

Spanien dröselt den Transfer neu auf

Rund 9,1 Millionen Euro aus den Jahren 2011 und 2013 forderte der spanische Fiskus im September 2014 vom FC Barcelona nach. Die Zahlungen im Rahmen des Transfers wurden gänzlich anders bewertet, als es der Klub getan hatte.

Die 7,9 Millionen Euro für Vorkaufsrechte an anderen Spielern zählten die Steuerfahnder zur Ablöse an den FC Santos hinzu. Die Gelder für Bilderrechte, Scouting, Marketing sowie die 40 Millionen Euro an N&N wurden als Handgeld an die Familie Neymar klassifiziert. Die 0,6 Millionen Euro Beraterprovision hätte Neymar seinem Vater bezahlen müssen und nicht der Klub.

Hintergrund: Die Handgeldzahlungen und das Gehalt Neymars fallen unter die spanische Einkommenssteuer. Die Höhe der Abgaben: 24 Prozent, im Jahr 2014 gar 52 Prozent, weil Neymar ab diesem Zeitpunkt steuerrechtlich als Inländer galt. Beide Werte sind deutlich höher als bei Steuern auf geschäftliche Beziehungen, mit denen der Transfer ursprünglich abgerechnet wurde.

Der Klub war sich öffentlich keiner Schuld bewusst, überwies trotzdem 13,5 Millionen Euro an den Staat. Freiwillig und vorsorglich, so die offizielle Mitteilung. Aufgrund von laufenden Kosten aus den Verträgen hätten sich die 9,1 Millionen Euro Steuerschulden im Jahr 2014 erhöht, weil Zinsen für die verspätete Bezahlung dazukamen.

Konsequenzen für die Vereinsbosse

Doch die Ermittlungen hatten weitere Auswirkungen. Auch die Klubführung wurde von Spaniens Staatsanwaltschaft belangt.

Aus der Differenz zwischen den vom Klub akzeptierten Transferkosten in Höhe von 70 Millionen Euro und den tatsächlich geleisteten Zahlungen leiteten die Fahnder einen wirtschaftlichen Schaden für den Verein ab, den Sandro Rosell und Josep Maria Bartomeu zu verantworten hätten.

Die Staatsanwaltschaft forderte dafür insgesamt sieben Jahre und neun Monate Gefängnis für Rosell sowie zwei Jahre und drei Monate für Bartomeu. Dazu sollten Geldstrafen in Höhe von 25 Millionen beziehungsweise 4 Millionen Euro kommen. Der FC Barcelona selbst wurde zu rund 22 Millionen Euro Strafe verdonnert und begann einen langen Rechtsstreit.

Barcelona akzeptiert Vergleich

Dieser fand im Juni 2016 sein Ende. Der Klub stimmte einem Deal zu, der angesichts der geforderten Strafen nach einem guten Deal klingt. Der Verein bezahlt die ausstehenden Steuern mit den überwiesenen 13,5 Millionen Euro, begleicht entstandene Zinsen für die verspätete Zahlung und erhält insgesamt eine Strafe von 5,5 Millionen Euro.

Bei dem Vergleich werden nicht nur die Zahlungen aus dem Jahr 2014 ausgeklammert, der FC Barcelona umgeht auch eine drohende Sicherheitsleistung in Höhe von 90 Millionen Euro. Diese hatte das Gericht gefordert, um eventuelle Kosten und Verbindlichkeiten des Klubs sicher zu decken.

Der Verein nimmt alle Schuld auf sich

Seit dem 13. Juli 2016 sind die Vereinbarungen zwischen Staat und Klub einzusehen. Dabei wird deutlich, worin der größte Punkt des Deals liegt: im Freispruch von Rosell und Bartomeu. Die Präsidenten kommen ohne jegliche Strafe davon, der Klub nimmt alle Schuld auf sich.

Dabei handelt es sich nicht um "Missverständnisse", wie von Bartomeu verkündet, sondern ganz offiziell um "Steuerverbrechen", was mit einer Streichung von zukünftigen Subventionen einhergeht. Die Führungsebene des FC Barcelona stimmte dem Deal mit zwölf Stimmen bei zwei Enthaltungen und zwei Ablehnungen zu. Der Klub hat somit gegenüber der spanischen Justiz eingestanden, Ablöse und Handgeld im Neymar-Transfer absichtlich so aufgeteilt zu haben, dass Steuerzahlungen umgangen werden.

Der Präsident zeigte sich angesichts des Deals begeistert: "Wir würden Neymar wieder kaufen. Nur würden wir uns dieses Mal einen Steuerberater leisten."

Die nächste Klage droht in Brasilien

Weitere Folgen wird die Klassifizierung der 40 Millionen an N&N als Handgeld haben. In Brasilien droht Barca die nächsten Klage: Die Agentur DIS, die 40 Prozent an Neymar hielt, bekam vom FC Santos nur 6,8 Millionen Euro. Die Zahlung beruhte allerdings auf er offiziell angegebenen Summe von 17,1 Millionen, die der spanische Staat nun erhöht hat.

DIS erhofft sich nun aufgrund der Neuberechnung eine höhere Summe. Ein erster Antrag wurde abgelehnt, die Agentur hat allerdings Einspruch eingelegt. Ob Barca weitere Millionen abgeben muss, hängt besonders davon ab, wie die brasilianische Justiz die geleisteten 7,9 Millionen für Vorkaufsrechte einordnet, die nie genutzt wurden. Zählen sie nach Urteil des brasilianischen Gerichts zur Ablöse, hat DIS einen Anspruch auf mehr Geld.

Am Donnerstag legte die Staatsanwaltschaft ebenfalls Berufung ein. "Wir können die Sichtweise des zuständigen Richters nicht teilen, wonach die vorliegenden Fakten nicht auf Betrug hinweisen", teilten die Strafverfolger mit. Demnach seien einige relevante Dokumente bislang nicht berücksichtigt worden.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Diana Uzum, Reporterin der Barca-Fanseite Grup14, sowie der Organisation Manifest Blaugrana, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Aktivitäten des Klubs im Sinne der Mes-Que-Un-Club-Mentalität zu beobachten und zu bewerten.

Seite 1: Der Neymar-Deal Schritt für Schritt

Seite 2: Die Sache mit den Steuern

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