Innerlich zerfressen

Donnerstag, 08.01.2015 | 16:40 Uhr
Präsident Josep Mario Bartomeu (r.) und Trainer Luis Enrique stehen schwere Wochen bevor
© getty
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Die Entlassung von Sportdirektor Andoni Zubizarreta wirbelt beim FC Barcelona Staub auf, der lange unter den Teppich gekehrt wurde. Das Treiben von Präsident Josep Maria Bartomeu und Vorgänger Sandro Rosell wirft Fragen auf. Diese reichen von der FIFA über Katar nach Brasilien. Der letzte Ausweg: Neuwahlen.

Einer weniger. Die Entlassung von Sportdirektor Zubizarreta war für viele Fans des FC Barcelona ein Geschenk zum Dia de los Reyes, dem 6. Januar. Die "Sport" skizzierte ein Päckchen mit dem abgetrennten Kopf des ehemaligen Torhüters darin und forderte gleichzeitig weitere Präsente zum spanischen Feiertag.

Nach vier Jahren und sechs Monaten wurde der Baske aus der Führungsebene entfernt. So wie man es vom FC Barcelona kennt. Freundlich, glattgebügelt, undurchsichtig und mit standardisierten Aussagen des Präsidenten. Dass sich Zubizarreta am Vorabend praktisch selbst entlassen hatte, fiel dabei unter den Tisch.

Angesprochen auf die Transfersperre und das Schweigen der Verantwortlichen gegenüber den Medien hatte er im Anschluss an die Niederlage gegen Real Sociedad (0:1) erklärt: "Als das alles passiert ist, war Josep Maria Bartomeu der Vizepräsident Sport. Er weiß, wie die Situation ist, er weiß, wie das alles seinen Lauf nehmen konnte. Die Verantwortung zu tragen heißt, zu erklären, wie das passieren konnte, was sie entschieden haben. Aber darüber habe ich wenig zu sagen, weil der Vizepräsident Sport im Moment Präsident des Klubs ist."

Zubi als Sportdirektor überfordert

Diese Worte könnten der größte Verdienst Zubizarretas Amtszeit werden. Die Fans wurden mit dem legendären Torhüter in seiner Rolle als Sportdirektor nie warm. Im Juli 2010 übernahm er den Posten von Txiki Begiristain, der ihm große Fußstapfen hinterlassen hatte. Fußstapfen, die Zubizarreta in keinem Moment ausfüllen konnte. Die Transfers von Thomas Vermaelen und Douglas zu Beginn der laufenden Saison waren einer der vielen Nägel, die sich Zubizarreta selbst in den Sarg geschlagen hatte. Und auch wenn der Ursprung der Transfersperre vor seiner Zeit liegt, ist er im weiteren Verlauf des Falls als Sportdirektor zumindest nicht unbeteiligt daran.

Schlicht überfordert erschien der Mann aus dem baskischen Vitoria mit seiner Rolle. Regelmäßig verließen hochtalentierte Spieler den Klub, weil ihnen keine langfristige Perspektive aufgezeigt wurde. Jüngstes Beispiel ist Andre Onana, 19-jähriger Torhüter der kamerunischen Nationalmannschaft, der zu Ajax Amsterdam wechseln wird. Der Thiago-Verkauf geht ebenso auf seine Kappe, wie das völlig aus den Angeln gehobene Gehaltsgefüge der ersten Mannschaft.

Die zweite Mannschaft des FC Barcelona befindet sich in der 2. Liga im freien Fall, Coach Eusebio wirkt hilflos und griff zuletzt mit verwirrenden Maßnahmen durch, nur um teils blamable Niederlagen (0:7 gegen Real Valladolid) hinnehmen zu müssen. Es sind viele Makel auf der Liste Zubizarretas, die durchaus positive Ansätze, wie die durchgehend langfristigen Verträge aller Leistungsträger im Profiteam überdecken.

Rosell noch immer gegenwärtig

Seine Entlassung, die man angesichts der öffentlichen Kritik an Bartomeu durchaus als Rücktritt verstehen darf, bewegte wohl auch seinen Assistenten Carles Puyol zum Abschied. Dieser hatte erst vor kurzem seine Ausbildung zum Sportdirektor abgeschlossen. Beide könnten dem Verein damit einen Dienst geleistet haben, der erst auf den zweiten Blick sichtbar wird. Denn sie wirbeln Staub auf, der in den letzten Jahren immer und immer wieder unter den Teppich gekehrt worden war.

Der Verein stinkt vom Kopf herab bis tief in die letzten Winkel. Undurchsichtige Zahlen, geschönte Wahlergebnisse, Beeinflussung von Mitgliedern, sehr kreative Auslegungen der Klublinien und zahlreiche Gerichtsverfahren ziehen sich in der Amtszeit des Präsidenten Sandro Rosell durch den Klub. Dass dieser Anfang des Jahres seinen Rücktritt erklärte, hat seinem Werk noch lange kein Ende bereitet.

Zwar mag er nicht mehr der Kopf sein, die von ihm eingesetzte Führungsebene ist aber weiterhin im Amt - und klammert sich mit aller Kraft an die Macht. Der FC Barcelona droht gerade an den Ränkespielen zu ersticken, die auch schon Trainer Pep Guardiola mehr als nur ein Dorn im Auge waren.

Kommerz ist Fluch und Segen

Rosell hat seinen Plan nie bestritten. Der FC Barcelona war unter Ex-Präsident Joan Laporta zwar sportlich einer der besten Klubs der Welt, finanziell allerdings weit hinter der Spitze. Rosells Wahlkampagne war deutlich auf die Punkte finanzielle Besserung, mehr Kommerzialisierung, mehr Einnahmen und weniger Verbindlichkeiten ausgerichtet. Er wurde mit dem Rekordergebnis von 61,35 Prozent der Stimmen gewählt.

Diese Ziele hat er größtenteils erfüllt, allerdings auf oft fragwürdige Art und Weise. Einen Tag nach Amtsantritt trennte er sich von Klub-Legende Johan Cruyff. Unter Berufung auf die Klubordnung nahm er dem Ehrenpräsidenten sein Amt, der Titel war ihm von Vorgänger Laporta ohne Zustimmung in Form von Mitglieder-Wahlen verliehen worden. "Technisch korrekt", erkannte Cruyff an und verzichtete auf die ihm angebotene Wahl.

Undurchsichtige Verflechtungen

Zum gleichen Zeitpunkt begannen die ersten Verhandlungen des Klubs mit Katar. Während seiner Zeit bei Nike und als Betreiber einer eigenen Agentur hatte sich Rosell zahlreiche Beziehungen in den Wüstenstaat erarbeitet. Es ging darum, mit dem "aufstrebenden Staat", wie er ihn selbst bezeichnete, den vermeintlich größten Trikotsponsoring-Deal der Fußballgeschichte auszuhandeln.

Doch es ging vermutlich noch um viel mehr, die Vergabe der WM 2022. "France Football" deckte komplexe geschäftliche Beziehungen zwischen Rosell, seiner Agentur, Florentino Perez, dessen Firma ACS und Katar auf. Im Gegenzug erhielt Rosells Agentur den Zuschlag für ein Länderspiel in Katar und ACS zahlreiche Bauaufträge für die Weltmeisterschaft.

Zwei Millionen Euro sollen laut "Telegraph" auf dem Konto der zehnjährigen Tochter von Ricardo Teixeira gelandet sein. Vermeintlicher Auftraggeber: Sandro Rosell. Teixeira stimmte für eine WM in Katar und ist aufgrund seiner Skandale mittlerweile auf der Flucht vor dem brasilianischen Justiz. Auch gegen Rosell wird ermittelt.

Seite 1: Zubizarreta, Rosell und die WM 2022

Seite 2: Wahlen ohne Mitglieder, geschönte Zahlen und Neuwahlen

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