Freitag, 02.01.2015

Shkodran Mustafi im Interview

"Erwarte in jedem Spiel ein Götze-Tor"

Ein halbes Jahr ist nur vergangen seit der Nacht von Rio. Shkodran Mustafi ist Weltmeister. Im Interview spricht der Abwehrspieler über seinen Wechsel zum FC Valencia, die persönlichen Veränderungen seit dem WM-Titel, sein Verhalten nach Fehlern und eine SMS von Mario Götze.

Ein Weltmeister in Valencia: Shkodran Mustafi scheint in Spanien angekommen
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Ein Weltmeister in Valencia: Shkodran Mustafi scheint in Spanien angekommen

SPOX: Herr Mustafi, Sie sind jetzt fast ein halbes Jahr in Valencia. Haben Sie sich inzwischen eingelebt und wie klappt's eigentlich mit der Sprache?

Mustafi: Bisher klappt alles hervorragend, die Stadt ist wirklich wunderbar und mit der Sprache läuft es auch ziemlich gut, zumal ich bereits fließend italienisch spreche. Spanisch verstehe ich daher schon größtenteils, allerdings hapert es dann doch noch mit dem Sprechen. Aber ich arbeite dran, dass das auch bald funktioniert.

SPOX: Zwölf Spiele, drei Tore - sportlich läuft's. Werden Sie in Valencia nun zum Torjäger?

Mustafi: Der Anfang war natürlich nicht einfach, weil ich verletzt von der WM kam, erstmal fit werden musste und mich im neuen Team akklimatisieren musste. Zum Glück hat mir der FC Valencia genug Zeit gegeben, so dass ich richtig gesund werden konnte. Aber zum Torjäger wollte ich jetzt eigentlich nicht werden, wobei... (lacht). Nein, Spaß. Natürlich will ich meine Defensivqualitäten im Team einbringen, aber wenn ich der Mannschaft mit Toren helfen kann, ist es natürlich umso schöner.

SPOX: Wer war eigentlich in der Jugend ihr größtes Vorbild? Ihre Karriere begann ja ursprünglich als Stürmer...

Mustafi: Als ich noch Offensivspieler war, war es David Beckham. Als ich dann Verteidiger wurde, habe ich Rio Ferdinand bewundert. Hauptsächlich also Engländer...

SPOX: Nach dem starken Saisonstart ging's in den letzten Spielen etwas bergab mit Valencia. Woran lag's?

Mustafi: Uns war von Anfang an bewusst, dass wir kein Team sind, das alle Spiele gewinnen wird. Wir wussten, dass es Rückschläge und auch mal schlechtere Phasen geben wird. Dennoch haben wir enorm viel Qualität in der Mannschaft, jeder einzelne hat sich im Team eingebracht und das hat uns zu Saisonbeginn auch stark gemacht. Aber solche Niederlagen, wie gegen den FC Barcelona (0:1-Niederlage in der letzten Sekunde, Anm. d. Red.) muss man dann auch einfach mal hinnehmen. Das gehört einfach dazu, auch wenn es sehr ärgerlich ist.

SPOX: Welche Saisonziele verfolgen Sie mit Valencia? Jetzt, wo ein potenter Geldgeber da ist, könnte es ja wieder hoch hinausgehen.

Mustafi: Das klingt jetzt abgedroschen, aber wir müssen wirklich von Spiel zu Spiel schauen. Es bringt uns nichts, wenn wir uns irgendwelche utopischen Ziele ausmalen und uns so unter Druck setzten. Das hat auch nichts mit unserem neuen Eigentürmer zu tun.

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SPOX: Aber die Champions League sollte doch schon drin sein, oder?

Mustafi: Natürlich wäre der vierte Platz klasse. Wenn der ganz am Ende der Saison rausspringt, werde ich mich mit Sicherheit nicht dagegen wehren.

SPOX: Wie hat sich ihr Leben seit dem 13. Juli 2014 verändert?

Mustafi: Um ehrlich zu sein, ist mir das alles noch immer nicht so richtig bewusst geworden. Wir haben ein Spiel gewonnen und sind jetzt Weltmeister, aber ich habe das alles noch nicht wirklich verarbeitet. Trotz des Abstands von einem halben Jahr...

SPOX: Das glauben wir Ihnen jetzt aber nicht...

Mustafi: Warum?

Daten & Fakten

Das ist Shkodran Mustafi
2006 - 2009 Hamburger SV (41 Spiele in der U17 & U19 | 4 Tore)
2009 - 2012 FC Everton (34 Spiele in der U21 | 1 Tor / 1 Spiel)
2012 - 2014 Sampdoria Genau (53 Spiele | 1 Tor)
seit 2014 FC Valencia (13 Spiele | 3 Tore) Stand Dezember 2014

SPOX: Irgendetwas muss sich doch verändert haben? Sie sind Fußball-Weltmeister...

Mustafi: Man läuft natürlich mit einer viel breiteren Brust über den Platz, das ist klar. Das Selbstvertrauen ist enorm. Man traut sich viel mehr zu, nicht nur im Training. Manche Dinge auf dem Feld werden zur Selbstverständlichkeit. Auf der anderen Seite bringt ein solcher Titel auch viel Druck mit.

SPOX: Wie meinen Sie das?

Mustafi: Man ist jetzt Weltmeister. Das muss man in jedem Spiel beweisen und das setzt einen gewissermaßen unter Druck. Man darf sich keine Fehler mehr erlauben, weil man alleine in der Mannschaft ganz anders wahrgenommen wird.

SPOX: Auf Ihrer Instagram-Seite steht: "Born to make mistakes. Not to fake perfection". Was wollen Sie damit ausdrücken?

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Hunderttausende erwarteten unsere Weltmeister schon in den frühen Morgenstunden in Berlin - um 10 Uhr war die Fanmeile dicht!
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Die Jubelschreie arteten aus, als das Flugzeug über der Fanmeile zu sehen war.
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Ausschau halten nach dem Siegerflieger! - Gebannt waren die Augen Richtung Himmel gerichtet
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Der WM-Pokal war natürlich omnipräsent - das Original war aber nur im Flieger zu finden
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Der Favorit dieses Fans ist eindeutig zu erkennen. Logisch, bei der Finalleistung!
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Der Adler ist gelandet! Um 10:08 Uhr setzte die Maschine am Flughafen Berlin-Tegel auf der Landebahn auf
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Begleitet von unzähligen Fans bahnte sich der DFB-Tross seinen Weg zur Fanmeile
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Da ist das Ding! Phillip Lahm stieg als erster aus dem Flugzeug und präsentierte den WM-Pokal
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Gute Aussichten! Dieser Fan hat die Bühne voll im Blick - und kann notfalls auch den Hunger stillen
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Auch diese beiden Fans hatten sich die eine ganz besondere Position zum Zuschauen ausgesucht
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Auch Trainer Joachim Löw ließ sich am Flieger feiern -absolut zurecht!
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Posieren mit dem Pokal - Besonders elegant: Toni Kroos mit den Händen in den Taschen
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Der Pokal blieb dann aber doch bei Phillip Lahm - die Fans jubelten dem Kapitän zu
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Daumen hoch! Auch Thomas Müller war bestens gelaunt bei der Ankunft.
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Der Bundestrainer präsentiert auf der Fanmeile stolz das Siegershirt des DFB
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Per Mertesacker und Co. enterten als erste DFB-WG die Bühne
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Es folgte die Gruppe um Toni Kroos und Mario Götze - So geh'n die Deutschen!
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Zehn Jahre bis zum Titel - Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski waren von Beginn an gemeinsam dabei
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Auch Manuel Neuer freut sich und zeigt wohl den schönsten Jubel-Sprung des Tages
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Arsenal-Profis unter sich. Per Mertesacker überzeugt dabei - sogar ohne Eistonne
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Helene Fischer sang für die deutschen Helden - und durfte den Pokal halten. Atemlos!
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Auch Champagner gab es zum DFB-Empfang. Und die Frage: Hat Per Mertesacker seinen Kopf in die Eistonne gehalten?
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Auch der Bundestrainer zeigte sich gewohnt locker und feierte mit
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Der eine hielt hinten dicht, der andere knipste auf unnachahmliche Art - Manuel Neuer und Thomas Müller
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So geh'n die Gauchos, die Gauchos die geh'n so! - Die zweite DFB-WG gestaltete ihren Einlauf kreativ
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Gruppenfoto vor der Fanmeile - und wieder die Frage: Was macht eigentlich Per Mertesacker?
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Gruppenfoto vor der Fanmeile - und wieder die Frage: Was macht eigentlich Per Mertesacker?
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Mustafi: Es soll jetzt nicht bedeuten, dass man Fehler machen soll - nicht falsch verstehen. Aber Fehler können passieren, sind einfach menschlich und gehören dazu. Das sollte man jedem Menschen zugestehen. Wenn man es auf den Fußball beziehen möchte: Wenn keiner Fehler macht, geht jedes Spiel 0:0 aus. Das wäre doch auch langweilig. Für mich wird generell im Fußball zu harsch kritisiert. Ich habe teilweise das Gefühl, dass es manchen Leuten richtig Spaß macht, andere Leute zu kritisieren. So sollte es nicht sein. Wenn man einen Fehler macht, sollte man dazu stehen und gut ist's. Fehler gehören zum Leben dazu.

SPOX: Sie sind mit 22 nun Weltmeister. Fällt es da schwer auf dem Boden zu bleiben?

Mustafi: Nein, damit habe ich überhaupt keine Probleme. Ich bin ja kein anderer Mensch geworden. Sollte die Gefahr bestehen, dass ich irgendwann mal abheben könnte, dann werden meine Freunde und meine Familien schon dafür sorgen, dass das nicht passiert.

SPOX: Sie sagten einmal: "Es ist das Schwerste an meinem Beruf, mit Emotionen richtig umzugehen." Wie meinten Sie das? Emotionen gehören ja zum Fußball dazu...

Mustafi: Natürlich gehören die Emotionen dazu. Damit war gemeint, dass man in dieser glitzernden Fußballwelt nicht den Kopf verlieren darf. Das ist nicht immer einfach. Wenn man vier Spiele gewonnen hat, ist man auf Wolke sieben und macht auf einmal die seltsamsten Dinge auf dem Platz, anstatt einfachen Fußball zu spielen. Hat man drei Spiele verloren, ist man der letzte Dreck und fühlt sich schlecht. Dann klappen die einfachsten Sachen nicht. Wie man mit diesen Situationen umgeht, kann man trainieren - und das sollte man auch.

SPOX: Hätten Sie aus der Emotion heraus nach der WM nicht zu einem noch größeren Verein wechseln können?

Mustafi (lacht): Natürlich gab es Anfragen, ich hab mir das auch alles angehört. Aber ich wollte nicht sofort zu einem europäischen Top-Verein wechseln und dort auf der Bank sitzen. Mir war wichtig, den nächsten Schritt zu gehen - aber mit Bedacht. Gerade im Hinblick auf die Europameisterschaft in zwei Jahren wollte ich bei einem Verein spielen, bei dem ich regelmäßig zum Einsatz komme und internationale Erfahrung sammeln kann. Mein Ziel war es nicht, den nächstbesten Vertrag an Land zu ziehen, sondern zu sehen, was für meine Entwicklung am sinnvollsten ist. Und da machte Valencia den besten Eindruck und bisher habe ich die Entscheidung auch nicht bereut.

Seite 1: Mustafi über Valencia, Vorbilder und sein Leben nach der WM

Seite 2: Mustafi über Trainingsinhalte in England, Mario Götze und Spitznamen

Interview: Florian Schimak

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Florian Schimak(Redaktion)

Florian Schimak, Jahrgang 1986, kam 2012 zu SPOX.com. Aufgewachsen im hessischen Darmstadt, zog es ihn nach dem Sport- und Germanistikstudium in Erfurt in die bayerische Landeshauptstadt. Ist seit März 2014 festes Mitglied der Redaktion und arbeitet hauptsächlich für das Fußball-Ressort, ist aber auch in Sportarten wie Handball oder Tennis zu Hause.

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