Dauergrinsen in Xavis Schatten

Dienstag, 18.11.2014 | 17:38 Uhr
Ivan Rakitic kam im Sommer für 18 Millionen Euro aus Sevilla
© getty
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Bei seiner Ankunft in Barcelona wurde Ivan Rakitic kritisch beäugt, doch inzwischen hat sich der Kroate binnen weniger Spiele zur Stammkraft etabliert. Auf dem Platz geht es jetzt gegen die ehemaligen Kollegen aus Sevilla (Sa., 20 Uhr im LIVE-TICKER) - mannschaftsintern steht ihm nur eine Legende im Weg.

Ivan Rakitic war glücklich. In fast jeder Szene hatte der Kroate ein breites Grinsen aufgesetzt, von einem Ohr zum anderen. Es fing schon an, als ihm der Doktor beim Medizincheck die Pads für das EKG auf die nackte Brust klebte.

Auch als der große schwarze Audi mit der Nummer 2093 HSH am 1. Juli in der Tiefgarage des Camp Nou zum Stehen kam, stieg der Kroate im weißen Polo-Hemd lachend aus. Und weil seine kleine Tochter während der offiziellen Vertragsunterzeichnung - an der Seite von Barca-Präsident Josep Maria Bartomeu und von unzähligen Kameras festgehalten - ununterbrochen vergnüglich quiekte, kam auch der Papa aus dem Grinsen nicht mehr heraus.

Was die Kameras des vereinseigenen YouTube-Kanals in einem "Behind the Scenes"-Clip bei der Vorstellung des 18-Millionen-Neuzugangs festhielten, zeigt eindrucksvoll, dass es nicht einfach so daher gesagt ist, wenn Rakitic immer wieder von seinem Glück spricht, der Blaugrana anzugehören. "Dieses Trikot nun tragen zu dürfen, ist die Erfüllung eines Traums."

"Er verkörpert alles, was ich brauche"

Der Start bei den Katalanen war auch auf dem Platz traumhaft. Die Kritiker, die dem 26-Jährigen die Klasse für eine der zentralen Positionen bei Barca absprachen, mussten sich ihre Fehleinschätzungen schon früh eingestehen. Die neue Nummer vier war von Beginn an gesetzt. Und der Barca-Motor schnurrte mit seinem neuen Antreiber. Sechs Spiele, fünf Siege, kein Gegentreffer, 17 Tore - von denen Rakitic selbst zwei beisteuerte und eines vorlegte.

Vor allem in der Arbeit gegen den Ball entpuppte sich der körperlich starke Kroate als deutliche Verbesserung zu Andres Iniesta und vor allem Xavi. Zwar hat Letzterer mit 71,4 Prozent gewonnener Zweikämpfe in der laufenden Saison auf den ersten Blick die Nase deutlich vor Rakitic' knapp 46 Prozent gewonnener Duelle. Doch alleine die Anzahl der Zweikämpfe zeigt die Wichtigkeit des Neuzugangs. 68 Mal suchte Rakitic das direkte Duell (Xavi 14), in Sachen Tacklings liegt seine Erfolgsquote bei 73,3 Prozent (elf von 15, bei Xavi einer aus drei). Werte, die im Mittelfeld der Katalanen nur von Sergio Busquets getoppt werden.

Rakitic ist ein Box-to-Box-Spieler, dessen Dynamik bislang so nicht im spanischen Luxus-Kader vorhanden war. Er geht weite Wege, ackert, fängt Konter ab. Er ist die physische Komponente, die der Blaugrana in den letzten Spielzeiten oft gefehlt hat. Auch seine Qualitäten als Distanzschütze sind im Star-Ensemble der Katalanen selten. Bei den Anhängern genießt die Nummer vier deshalb nach nicht einmal einem halben Jahr ein hohes Standing. "Rakitic verkörpert alles, was ich brauche", schwärmt auch Coach Luis Enrique.

Weit weg von Perfektion

Dennoch ist die Situation weit weg davon, perfekt zu sein. Gerade in den letzten Wochen ist Rakitic nach seinem fantastischen Start etwas untergetaucht. Und ausgerechnet Xavi, der im Sommer offenbar vor einem Wechsel nach Katar oder die amerikanische MLS stand, macht dem Neuzugang unerwartet viel Druck.

"Ich werde nicht versuchen, Xavi oder sonst wen zu ersetzen", stellte der Mittelfeldmann schon bei seiner Vorstellung fest. In den vergangenen Partien bekam dann ausgerechnet die Klub-Legende oft den Vorzug vor dem Kroaten - der leistungstechnisch selbst in ein kleines Loch fiel.

War er zu Beginn noch einer der präsentesten Akteure und spielte gegen Levante und Elche zwei Mal über 100 Pässe im Spiel (112 und 123), kam der schon zu Schalker Zeiten als schlampiges Genie verschriene Rakitic seit dem sechsten Spieltag nur noch einmal über die 50er-Marke. Der Kroate verliert sichtlich an Sicherheit im Zentrum, muss er besipielsweise dem hoch aufrückenden Dani Alves mit Zweikämpfen auf rechts den Rücken frei halten.

Läuft die Partie nicht nach Plan und agiert das Team über seine Einzelkönner, präsentiert sich also nicht als homogene Einheit, scheint der Kroate überfordert zu sein, neben seinem Kerngebiet - dem Abräumen und Umschalten - das Heft in die Hand zu nehmen und das Spiel wieder zu ordnen.

In Sevilla agierte Rakitic meist auf der Zehn, war Schnittstelle bei Kontern und kein ballhaltender Achter. Das merkt man ihm, auch ob der Anfälligkeit unter Druck, - noch - an.

"...wenn man sich zuhause fühlt"

Doch dass Rakitic schon perfekt ist, hat niemand bei Barca erwartet. Das weiß auch er selbst. "Es gibt Dinge, in denen ich mich verbessern muss. Ich achte immer darauf, dass ich stets einen Schritt vorwärts mache." Man würde "aus allem lernen", auch aus Fehlern. Gerade bei einem Weltklub wie dem FC Barcelona.

Sevilla kann da temporär in der Tabelle, aber nicht vom Status her mithalten. Die Südspanier führte Rakitic im vergangenen Jahr in Turin als Man of the Match im Finale zum Europa-League-Sieg. Jetzt gibt es das Wiedersehen mit seinem Ex-Klub (Sa., 20 Uhr im LIVE-TICKER), der in der Tabelle auf Rang fünf liegend nur zwei Zähler Rückstand auf die Katalanen haben.

Er habe die Champions League vermisst, hat Rakitic nach seinem Wechsel gesagt. Und dass man sein Potenzial nur vollständig ausschöpfen kann, "wenn man sich wohl und wie zu Hause fühlt". In Sevilla war das wohl nicht der Fall - zumindest weniger, als bei Barcelona. Für die wird er auch am Wochenende wieder alles tun, damit er wieder ein breites Grinsen aufsetzen kann. Von einem Ohr zum anderen.

Ivan Rakitic im Steckbrief

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