Antoine Griezmann im Porträt

Kleiner Teufel sogar besser als Henry

Von Tim Holzwarth
Sonntag, 02.02.2014 | 12:37 Uhr
Antoine Griezmann macht sich berechtigte Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme mit Frankreich
© getty
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Als Teenager fiel Antoine Griezmann gleich bei mehreren Klubs im Probetraining durch und eher abseits des Platzes auf. Mittlerweile ist der Franzose, von dem einst sogar Pep Guardiola schwärmte, zum ernsthaften Profi gereift. Für Real Sociedad San Sebastian spielt er seine bisher erfolgreichste Saison und hält damit die Hoffnung auf seinen großen Traum am Leben: Die WM in Brasilien.

Eine Handvoll französischer Profi-Klubs dürfte sich mittlerweile bei einem Blick in die Primera Division, genauer gesagt nach San Sebastian, ordentlich die Haare raufen.

Antoine Griezmann, als auffälligster Spieler bei Real Sociedad in ganz Europa begehrt, wurde in jungen Jahren unter anderem bei Olympique Lyon für zu schmächtig befunden. Die Basken dagegen erkannten das Talent des damals 14-Jährigen und holten ihn ins Jugendteam.

"Es ist nun mal so, dass die Ausbildung und die Mentalität in Spanien vollkommen anders sind als in Frankreich. Die Technik ist wichtiger als alles andere, darauf basiert alles und das entspricht meinem Stil zu spielen", erklärte "Grizi" rückblickend seinen Wechsel ins Ausland.

Den Durchbruch in der ersten Mannschaft schaffte der kleine Teufel, wie Griezmann auch genannt wird, im Alter von 18 Jahren. In seiner ersten Saison 2009/2010 gewann er auf Anhieb die Meisterschaft in der zweiten Liga und stieg mit La Real in die Primera Division auf. Ein Jahr später sorgte der Franzose in Spaniens höchster Spielklasse und bei der U-20-WM in Kolumbien für Aufsehen.

Seine Explosivität, sein starker linker Fuß und sein Gefühl für den Raum rangen sogar dem damaligen Barca- und heutigen Bayern-Trainer Pep Guardiola viel Lob ab.

Pep: "Er macht fantastische Dinge"

"Dafür, dass dies seine erste Saison in der Liga ist, macht er fantastische Dinge. Er durchschneidet die Abwehr, verfügt über Durchschlagskraft und weiß sehr gut, wie man in den Strafraum eindringt", schwärmte Guardiola.

Schon damals und auch wieder Ende des vergangenen Jahres berichteten spanische Medien vom Interesse mehrerer europäischer Top-Klubs. Unter anderem wurden Paris Saint-Germain, Manchester United und der FC Arsenal genannt.

Vom PSG soll Griezmann im Dezember 2013 sogar eine Einladung ins Trainingszentrum erhalten haben. Der Franzose selbst beschäftigt sich aber keineswegs mit einem Vereinswechsel. "Ich mache mir keinerlei Gedanken um einen Abschied im Januar. Mein Fokus liegt alleine auf Real Sociedad", stellte er klar.

In der aktuellen Spielzeit ebnete Griezmann im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Lyon mit seinem Treffer zum 1:0 den Weg zur ersten Teilnahme an der Königsklasse seit zehn Jahren.

Europameister und Suspendierung

Seinen größten Erfolg bisher feierte der Außenstürmer jedoch im Nationalmannschaftstrikot. Mit der U19 Frankreichs wurde er 2010 im eigenen Land Europameister. Einen Einsatz für die A-Nationalmannschaft sucht man im Lebenslauf des 22-Jährigen aber noch vergebens.

Dabei hat die bisherige Nichtberücksichtigung Griezmanns einen einfachen Grund. Über ein Jahr lang war der Offensivmann vom französischen Fußball-Verband suspendiert worden. Im Oktober 2012 wurde ihm ein unerlaubtes Verlassen des U-21-Trainingslagers in Le Havre nachgewiesen.

Einen Tag nach dem Sieg im Hinspiel der EM-Playoffs gegen Norwegen wurde er mit vier weiteren Mannschaftskollegen beim Feiern in einem Nachtclub erwischt.

Frankreich verlor das Rückspiel mit 3:5 und verpasste so die Qualifikation für die EM. Wissam Ben Yedder, Chris Mavinga, Mbaye Niang und Griezmann wurden über ein Jahr lang bis zum 31. Dezember 2013 suspendiert.

Yann M'Vila erwischte es sogar noch härter. Als mutmaßlicher Anstifter und Wiederholungstäter wurde seine Strafe vom französischen Fußballverband sogar bis zum 30. Juni 2014 festgesetzt.

Strafe bewirkt Sinneswandel

Auch Griezmann war in Sachen Disziplinlosigkeit kein unbeschriebenes Blatt. Von mehreren Verwarnungen seitens seiner Trainer aufgrund von Auffälligkeiten zu unpassenden Uhrzeiten war die Rede. Eine Zeit lang haftete ihm auch das Image des Partyboys an.

Einen Schuss vor den Bug zur rechten Zeit könnte man seine Strafe im Nachhinein wohl nennen. Griezmann, der nach eigenen Angaben "aus den Fehlern gelernt" hat, legte den Fokus in der Folge mehr auf den Fußball und entwickelt sich seither stetig weiter.

Mit 14 Toren und zwei Vorlagen in 19 Ligaspielen und der damit bisher besten Saison seiner Karriere hat sich Griezmann mittlerweile wieder in den Fokus von Les Bleus gespielt.

Didier Deschamps ist der 22-Jährige kein Unbekannter. "Er ist sehr entschlossen. Er ist an einer Menge Tore beteiligt und trifft oft selbst. Nach dem Ende seiner Suspendierung kann ich mir ihn durchaus im französischen Kader vorstellen", sagte Frankreichs Nationalcoach.

Passend zu seiner schnörkellosen Spielweise auf dem Platz gibt sich "Grizi" selbst im Bezug auf das Thema Nationalmannschaft aber durchweg bescheiden.

Besser als Henry

"Meine Strafe ist abgelaufen. Aber ich mache mir darüber keinen Kopf. Ich versuche einfach weiter meine Leistung für Real Sociedad zu bringen. Alles andere entscheidet der Nationaltrainer", sagte der Wahl-Baske vor kurzem.

Seine Leistungen in dieser Saison sprechen dabei in der Tat für sich. Mit bisher 14 Saisontreffern muss der Flügelstürmer nur Cristiano Ronaldo und Diego Costa den Vortritt in der spanischen Torschützenliste lassen und stellt damit sogar einen neuen Rekord auf.

Griezmann ist der erste Franzose in der Primera Division, der nach der Hinrunde mehr als elf Tore auf dem Konto hatte. Bisher wurde die Bestmarke von keinem Geringeren als Ex-Barca-Profi und Arsenal-Legende Thierry Henry gehalten.

Europaweit gesehen ist keiner seiner Landsmänner 2013 effektiver gewesen. Mit 18 wettbewerbsübergreifenden Toren im vergangenen Kalenderjahr darf sich Griezman noch vor Karim Benzema und Jean-Pierre Gignac (jeweils 15) als bester französischer Torjäger bezeichnen.

Seit seiner ersten Primera-Division-Saison 2010 hat der Flügelspieler seine Treffer- und Vorlagenquote bisher in jedem Jahr verbessert und hofft auch deshalb noch auf den WM-Zug aufspringen zu können.

Der Teufel als Weihnachtsmann

Griezmann fühlt sich in San Sebastian wohl und seine Kreativität lässt auch abseits des Rasens nicht zu wünschen übrig. So stürmte er beispielsweise als Weihnachtsmann verkleidet die Kabine, um seine Teamkameraden reichlich zu beschenken.

"Ich wollte meinen Kollegen für die Unterstützung in diesem großen Jahr danken. Die Aktion kam super an, wir haben sehr viel gelacht", sagte die Frohnatur der "Marca".

Um sich selbst ein Geschenk zu machen und seinen großen Traum von der Weltmeisterschaft zu erfüllen, würde Griezman ebenfalls so einiges auf sich nehmen.

"Mir wäre jede einzelne Position recht, um mit zur WM zu fahren. Ich gehe auch ins Tor. Wenn man mich anruft und fragt, ob ich als vierter oder fünfter Torhüter mit nach Brasilien komme, laufe ich sogar dorthin", sagte er.

Sollte er die aktuelle Tendenz beibehalten können, dürfte es Deschamps schwer fallen, Gegenargumente für eine Nominierung zu finden. Möglicherweise sorgt der kleine Teufel dann ja auch bei WM für Aufsehen.

Antoine Griezmann im Steckbrief

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