Sahin und Altintop: Das erste Halbjahr in Madrid

Sechs Monate zum Vergessen

Von Daniel Börlein
Dienstag, 17.01.2012 | 16:11 Uhr
Nuri Sahin (l.) und Hamit Altintop kamen bei Real Madrid bislang nicht zur Entfaltung
© Getty
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Im Sommer wechselten Hamit Altintop und Nuri Sahin aus der Bundesliga zu Real Madrid. Das erste Halbjahr lief für beide ernüchternd. Auch im Clasico gegen den FC Barcelona (22 Uhr im LIVE-TICKER) sind beide nur Randfiguren - wenn überhaupt. Die große Frage: Wird sich das noch ändern?

Es ist gar noch nicht so lange her, da blickten die Besten der Besten zu Hamit Altintop auf. Lionel Messi zum Beispiel und Xavi. Auch Cristiano Ronaldo und Iker Casillas. Selbst Pep Guardiola und Jose Mourinho. Sie alle saßen unten im Publikum, als Altintop bei der Ballon d'or Gala 2010 in Zürich von FIFA-Präsident Sepp Blatter nach oben auf die Bühne gebeten wurde, um seine Trophäe entgegen zu nehmen.

Im EM-Qualifikationsspiel der Türkei gegen Kasachstan war Altintop im September 2010 ein sensationelles Tor gelungen, als er den Ball nach einer Ecke von der Sechzehnergrenze per Volleyschuss in den Winkel hämmerte. Von den Fans wurde dieser Treffer zum schönsten Tor des Jahres gewählt - und Altintop war plötzlich in aller Munde.

Altintop in Madrid nicht interessant

Ein bisschen mehr als ein Jahr ist seitdem vergangen. In aller Munde ist Altintop schon lange nicht mehr. Und das, obwohl der Türke inzwischen bei Real Madrid unter Vertrag steht - dem wohl populärsten Klub der Welt. Dort, wo zu jedem Heimspiel über 80.000 Menschen ins Stadion pilgern, wo Fußball mehr ist, als ein Zeitvertreib und dort, wo die Hauspostille "Marca" täglich auf mindestens zwölf Seiten mehr und häufig auch minder interessante Dinge über die Königlichen berichtet.

Nach Neuigkeiten über Hamit Altintop suchte man in den vergangenen Ausgaben allerdings vergebens. Der 29-Jährige ist in Madrid derzeit schlicht kein Thema, das interessiert. Der Grund ist simpel: Altintop spielt sportlich keine Rolle bei Real, er äußert sich öffentlich nicht, und selbst sein Privatleben gibt aus Sicht der spanischen Zeitungsmacher nichts Spannendes her.

Sein erstes Halbjahr hat Altintop in Madrid inzwischen hinter sich. Die Bilanz ist ernüchternd: Dreimal wurde er in der Champions League eingewechselt, dreimal in der Liga, wo sein längster Einsatz gerade einmal elf Minuten dauerte. Mehr Spielzeit bekam er nur in der Copa del Rey. Kurz vor Weihnachten durfte er gegen Drittligist Ponferradina (5:1) immerhin mal 90 Minuten durchspielen. Das einzige Mal bislang.

Sahin: Bislang 364 Einsatzminuten

Nuri Sahin ist seinem Landsmann da ein Stück voraus. Dreimal stand der 23-Jährige in Reals Startelf (zweimal CL, einmal Pokal) und jeweils die komplette Spielzeit auf dem Platz. Wirklich besser als für Altintop ist es für Sahin in Madrid bislang allerdings auch nicht gelaufen. Von insgesamt 2250 möglichen Einsatzminuten bestritt der Türke lediglich 364.

Dabei hatte Sahin nach seinem Abschied vom BVB noch angekündigt: "Ich will in Spanien Spuren hinterlassen." Die Folgen einer Knieverletzung aus Dortmunder Zeiten setzten ihn jedoch zunächst außer Gefecht. An eine normale Vorbereitung im Kreise der neuen Teamkollegen war nicht zu denken.

Weil eine weitere Knieverletzung und Probleme mit der Oberschenkelmuskulatur folgten, dauerte es bis Anfang November, ehe Sahin im Real-Trikot debütierte.

Kein Platz für Altintop

Sechs Wochen zuvor stand Altintop erstmals für die Königlichen auf dem Platz. Eine Rücken-OP hatte den türkischen Nationalspieler lange flach gelegt. Die körperlichen Probleme allerdings sind längst abgehakt, mehr als ein Notnagel ist Altintop für Coach Jose Mourinho aber dennoch nicht.

Von zwölf möglichen Liga-Spielen nach seinem Comeback bestritt der Rechtsfuß nur drei. Fünfmal saß er die kompletten 90 Minuten auf der Bank, viermal stand er gar nicht im Kader. Das Problem: Auf seiner Lieblingsposition im rechten Mittelfeld setzt Mourinho eher auf schnelle Spieler, die sich im Eins-gegen-Eins durchsetzen können. Im defensiven Mittelfeld haben Xabi Alonso, Sami Khedira und Lass Diarra klar die Nase vorn. Selbst Sahin, Esteban Granero und teilweise auch Pepe bevorzugt der Real-Coach auf der Sechs.

Bleibt also lediglich die Position rechts in der Viererkette. Nur: Ehe Altintop gegen Ponferradina dort mal ran durfte, hatte Mourinho schon sechs anderen Kandidaten (u.a. Youngster Pedro Mendes) den Vorzug gegeben.

"...dann gehe ich zu Galatasaray"

Und weil auch seine starke Leistung gegen den Drittligisten nichts an seinen Einsatzzeiten änderte, ist Altintops Situation derzeit - Traumverein Real Madrid hin oder her - ziemlich aussichtslos. Da trösten auch ein Vertrag bis 2015 und geschätzte drei Millionen Euro netto jährlich nicht wirklich.

"Ich denke, dass ich ein wichtiger Spieler bin, und dass man mir das auch zu spüren geben sollte", klagte er bereits Mitte November in der türkischen Zeitschrift "Vatan". "Ich weiß nicht, was passieren wird. Wenn sich meine Situation bei Real nicht ändert, gehe ich zu Galatasaray. Ich denke, dass ich in jeder Mannschaft ein wichtiger Spieler sein kann."

In spanischen Medien wird darüber spekuliert, dass Altintop die Königlichen noch in der Winterpause für fünf Millionen Euro verlassen darf.

Valdano: "Sahin gefällt mir gar nicht"

Wechselgerüchte gab es zuletzt auch um Sahin. Dortmund wolle den Spielmacher zurück nach Deutschland holen, hieß es zunächst, doch der BVB dementierte umgehend. Sahin selbst will sich zu seiner persönlichen Situation nicht öffentlich äußern.

Die "Marca" hingegen hat ihr Urteil bereits gefällt: "Nach sieben Monaten Verletzungspause hat Sahin weiter Probleme seine Form zu finden. Es sieht so aus, als könne er in dieser Saison keine grrößere Rolle mehr als Alonso-Ersatz spielen."

Auch Reals ehemaliger Generaldirektor Jorge Valdano hält nicht viel vom Ex-Dortmunder: "Was er bislang in seinen wenigen Einsätzen gezeigt hat, gefällt mir gar nicht. Er ist technisch ein sehr guter Spieler, aber er hat nicht die Fähigkeiten, neben Alonso zu glänzen."

Mourinho setzt auf Sahin

Mourinho allerdings will Sahin längst nicht abschreiben. Nur "durchschnittlich" seien dessen Leistungen bislang zwar, ließ sich Mourinho vor kurzem entlocken. Grundsätzlich, so heißt es aber, halte der Portugiese nach wie vor große Stücke auf seinen Mittelfeldmann.

Intern soll Mourinho Sahin zusammen mit Flügelspieler Jose Callejon als seine "Kronjuwelen" bezeichnen. Allerdings: Während Callejon sich in den letzten Monaten Schritt für Schritt der Startelf näherte, ist Sahin davon noch deutlich weiter entfernt. In Reals letzten vier Pflichtspielen hieß es für ihn: nicht im Kader, Bank, nicht im Kader, Bank.

Und nicht nur diese Reihenfolge deutet daraufhin, dass Sahin auch im Clasico keine erwähnenswerte Rolle spielen wird.

Reals Kader im Überblick

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