Spielerstreik in der Primera Division

Ein spanisches Wochenende ohne Fußball

SID
Sonntag, 21.08.2011 | 13:53 Uhr
Wie das Santiago Bernabeu in Madrid blieben alle Stadien am Wochenende in Spanien leer
© Getty
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Hunderttausende Spanier mussten sich am Sonntag eine andere Beschäftigung als Fußball suchen. Der Streik der Profis in der Primera Division hatte die Liga lahmgelegt.

Hamit Altintop hat seine Trikotnummer an einen Weltstar verloren. Zumindest vorübergehend. Denn der Renner am Streik-Wochenende war in ganz Madrid das Real-Trikot mit der 16, gekrönt vom Schriftzug Benedicto. Es wurde zwar kein hochklassiger Fußball gespielt, aber Spanien hatte ja zum Glück noch den Papst in der Tasche.

Hunderttausende, die sonst gebannt die zehn Spiele der Primera Division verfolgt hätten, hatten somit zumindest etwas zu tun, sie pilgerten in Scharen zum Schlussgottesdienst des Weltjugendtags in Cuatro Vientos oder saßen vor dem Fernseher.

Gijon B als Ersatzdroge

Viele jedoch sahen dort ein anderes Programm - Marca TV zum Beispiel oder RealMadrid TV. Dort wurde das Drittliga-Spiel der zweiten Mannschaft gegen Sporting Gijon B am späten Vormittag live übertragen, quasi als Ersatzdroge.

Für Fans des FC Barcelona gab es selbst diese nicht - denn die zweite Mannschaft spielt zweitklassig, und die Segunda Division wird von den Profis ebenfalls bestreikt. Wie gut, dass in Spanien Haupturlaubszeit ist, Millionen Menschen sind derzeit sowieso ausgeflogen.

"Ein Sonntag ohne Fußball - das Ende einer ungewöhnlichen Woche", schrieb die "As" am Sonntagmorgen auf der Titelseite, im Hintergrund lag ein Ball einsam im verlassenen Estadio Santiago Bernabeu. Voll war es am Wochenende nur im Retiro-Park und im Fanshop, denn die Papsttrikots mussten bei herrlichem Wetter zu Hunderten beflockt werden.

Die Mannschaften vertrieben sich die Zeit auf unterschiedliche Weise - selbst dabei lagen die Erzrivalen im Clinch. Real wurde von Basketball-Star Derrick Rose besucht, Barcelona aber sicherte sich den dickeren Fisch: LeBron James nur noch eine Nummer größer, tauchte beim Training auf und ulkte mit dem 34 Zentimeter kleineren Lionel Messi herum.

Barca und Co. trainieren trotzdem

Der war wie alle seine Teamkollegen zum Trainingszentrum Ciudad Deportiva Joan Gamper gekommen, obwohl der Verein den Spielern freigestellt hatte, dem Aufruf der Spielergewerkschaft zu folgen, von Freitag bis Montag auch nicht zu trainieren. Daran hielten sich aber nur Sporting Gijon, Racing Santander, Betis Sevilla und Rayo Vallecano.

Die Medien ließen sich den Spaß am Fußball sowieso nicht nehmen. Die mehrstündigen Radio-Diskussionsrunden am späten Abend liefen ganz normal, immerhin gab es den 40-Millionen-Transfer von Falcao zu Atletico Madrid als aktuellen Aufhänger. Marca ignorierte den Streik quasi, Titelstory war eine große Geschichte über den früheren Dortmunder Nuri Sahin: "Eine Perle für das Bernabeu!"

Papst bekommt die Nummer 10

Was der Papst von all dem Trubel hielt, ist nicht überliefert - wahrscheinlich bekam er es gar nicht mit. Dabei hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt in Madrid zielsicher am berühmten Cibeles-Brunnen absolviert, wo die Real-Fans ihre Titel zu feiern pflegen.

Mit dem Benedikt-Trikot wurde der Papst wohl nicht konfrontiert. Eine Begegnung mit dem Fußball gab es aber: Dem Oberhaupt der Katholischen Kirche wurde, weil der nächste Weltjugendtag in Rio de Janeiro stattfinden wird, ein Trikot der brasilianischen Nationalmannschaft überreicht. Mit der Nummer 10.

Alle Daten und Fakten zur Primera Division

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