Antoine Hey in Sorge

"Ich hoffe täglich, dass die Gewalt ein Ende hat"

SID
Donnerstag, 07.04.2011 | 11:03 Uhr
An Fußball ist im libyschen Tripolis derzeit nicht zu denken
© Getty
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Seit Juli 2010 ist Antoine Hey Sportdirektor des libyschen Fußballverbandes. In seiner alten Heimat Düsseldorf sehnt der frühere Bundesligaprofi das Ende des Bürgerkriegs herbei - und bangt um Kollegen wie Sportler.

Die Bilder über die heftigen Kämpfe in Tripolis, Misrata oder Brega verfolgen Antoine Hey auch in der Düsseldorfer Frühlingssonne. "Die Situation ist bedrückend, meine Besorgnis groß", sagt der deutsche Sportdirektor des libyschen Fußballverbandes im SID-Gespräch, "seit drei Wochen habe ich keinen Kontakt mehr zu Kollegen und Sportlern im Osten des Landes, Internet und Handynetz sind teilweise abgeschaltet. Ich habe keine Ahnung, ob sie wohlauf sind."

Während in dem nordafrikanischen Land unvermindert der Bürgerkrieg wütet, sitzt Hey in in seiner alten Heimat Düsseldorf auf gepackten Koffern: "So schnell es geht, will ich wieder nach Libyen zurück", sagt der 40-Jährige, dessen Leben sich auch 3000 Kilometer entfernt vom Krisengebiet tagtäglich um seine Wahlheimat dreht: "Ich halte per Telefon und Internet Kontakt zu Kollegen und Freunden in der Hauptstadt, informiere mich über die Medien. Und hoffe tagtäglich, dass die Gewalt ein Ende findet."

"Revolution kam überraschend"

Im Juli 2010 hatte Hey den Job im Reich von Diktator Muammar Al-Gaddafi angetreten. Eine weitere exotische Station für Weltenbummler Hey. Seit 2004 trainierte der ehemaligen Bundesliga-Profi (Düsseldorf, Schalke) unter anderem in Lesotho, Gambia, Kenia und im bitterarmen, vom jahrelangen Bürgerkrieg heimgesuchten Liberia. Schwierige Bedingungen sind für ihn nichts Neues. Die Geschehnisse in Libyen überrollten aber auch Hey, der mit Amtsantritt seinen Wohnsitz in die Hauptstadt verlegt hatte.

"Der Ausbruch der Revolution kam völlig überraschend, auch für die Einheimischen. Das Auswärtige Amt hat dann dringend dazu aufgerufen, schnellstmöglich das Land zu verlassen", berichtet Hey.

So unvermittelt der Bürgerkrieg ausbrach, so klar sind Hey die Ursachen: "Es gibt ein riesiges Gefälle zwischen dem wohlhabenden Westen und dem rückständigen Osten den Landes, eine gesellschaftliche Kluft. Der Fußball könnte einheitsstiftend wirken, deshalb habe ich es als meine Aufgabe angesehen, auch in die entlegensten Gegenden zu reisen, um dort Talente zu sichten. Die Menschen waren glücklich zu sehen, dass jemand aus der Hauptstadt sie wahrnimmt."

"Bomben sind keine Lösung"

Zur Politik im Land will Hey nicht eindeutig Stellung beziehen: "Diese zu bewerten, ist nicht meine Aufgabe. Auch im Verband habe ich mit der Staatsführung nichts zu tun gehabt." Gaddafi-Sohn Saidi war einst Verbandspräsident.

Hey selbst sorgt sich vor allem um die Zivilbevölkerung: "Dass die Weltgemeinschaft jetzt eingreift und Bomben wirft, ist keine Lösung. Einerseits trifft es nicht diejenigen, die es treffen soll, sondern Familien und Kinder. Und man sollte eine klare Idee haben von dem, was nach einem Umbruch sein soll. Sonst ist es ein Fehler, eine Lawine loszutreten."

Arbeit im Exil unmöglich

Während die Kämpfe anhalten, ruhen zwangsweise Heys fußballerische Pläne, die auf nichts Ehrgeizigeres abzielen, als Libyens Fußballsystem zu reformieren.

"In den letzten Jahren ist hier so viel Geld investiert worden, in ausländische Trainer, in die Topvereine, in die Planung eines neuen Nationalstadions. Titel sind damit nicht gewonnen worden", sagt Hey: "Wenn wir aber früher anfangen zu fördern, die Talente mit 15 oder 16 unterstützen, dann hat Libyen das Zeug dazu, mittelfristig in Afrika oben mitspielen."

Die Arbeit an der Basis ist im rheinischen "Exil" allerdings unmöglich, und so versucht Hey zumindest den Spielbetrieb der Nationalmannschaften aufrechtzuerhalten. Allein das ist eine Aufgabe, die den Sportdirektor vor immer neue Schwierigkeiten stellt: "Die Olympia-Auswahl hat Ende März in Südafrika gespielt, das A-Team zeitgleich in Mali gegen die Komoren. Dafür Flüge, Visa und anderes zu organisieren, war ein echter Kraftakt."

Termine und Ergebnisse der libyschen Nationalmannschaft

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