Luftschlösser an der Costa del Sol

Von Markus Matjeschk
Donnerstag, 10.02.2011 | 13:56 Uhr
Martin Demichelis wechselte im Winter vom FC Bayern zum FC Malaga
© Getty
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Als Martin Demichelis am Tag vor Heiligabend seinen Wechsel in die Primera Division verkündete, war die Verwunderung ob seines neuen Arbeitgebers vielerorts groß. Der FC Malaga ist in Spanien eigentlich keine große Nummer. Geht es nach seinem Eigentümer, soll sich das aber schon bald ändern.

Malaga also. 18 Grad Jahresdurchschnittstemperatur. Wenigstens klimatisch ein wenig mehr Heimat. Mehr konnte man Martin Demichelis' Wechsel an die Costa del Sol auf den ersten Blick kaum abgewinnen. Ein paar Sonnenstrahlen im Herbst der Karriere, das war's.

Doch der Transfer kommt nicht von ungefähr, Martin Demichelis ist nicht der einzige renommierte Neuzugang. In Andalusien plant man den großen Aufbruch.

25 Millionen für einen Verein

Der Startschuss zum Neuanfang fiel im Sommer 2010. 25 Millionen Euro legte Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani für die Übernahme des maroden Klubs auf den Tisch und bewahrte den FC Malaga damit vor dem Ruin.

Dabei ist der letzte Umbruch noch gar nicht lange her. Erst im Juni 1994 wurde aus dem 1948 gegründeten Atletico Malagueno der FC Malaga. Der Einschnitt sollte der Beginn eines rasanten Aufstiegs werden. Binnen fünf Jahren kletterte der Klub von der vierten spanischen Liga bis in die Primera Division.

Seither hat sich Malaga im spanischen Profifußball etabliert, nach dem Abstieg 2006 kehrte man schon zwei Jahre später wieder ins Oberhaus zurück.

In der vergangenen Saison wurde am letzten Spieltag durch ein 1:1 im heimischen Estadio La Rosaleda gegen Real Madrid gerade noch der Abstieg verhindert.

Gewaltige Schuldenlast

Doch die Schuldenlast, die sich auf zehn bis 15 Millionen belaufen haben soll, drückte gewaltig auf den Verein. Auf der Suche nach Investoren wurde man schließlich in Doha fündig. Scheich Abdullah Bin Nasser Al Thani sicherte sich sowohl das gesamte Aktienpaket als auch die Schulden des Vereins. Der Verein war gerettet, die Revolution wurde allmählich gestartet.

Anstatt Juan Muniz das Vertrauen als Trainer weiterhin auszusprechen, wurde zur neuen Saison mit Jesualdo Ferreira ein erfahrener Trainer ins Boot geholt. Nach jahrelanger Arbeit beim FC Porto sollte der damals 64-Jährige den Beginn einer neuen Ära einläuten.

Denn der Scheich hat viel vor: "Wir haben einen Fünfjahresplan erstellt. Im ersten Jahr soll erst einmal ein Platz in der oberen Tabellenhälfte erreicht werden. Im zweiten Jahr steht dann die Qualifikation zur Champions League auf dem Plan." Ein ehrgeiziges Programm.

Ehrgeizige Mission

Doch die Mission erwies sich schnell als zu tollkühn, der Scheich als zu ungeduldig. Malaga erwischte einen schlechten Saisonstart, Ferreira wurde nach nur vier Monaten entlassen. Sein Nachfolger wurde kein geringerer als Manuel Pellegrini, der zuvor fünf Jahre erfolgreich beim FC Villarreal gearbeitet hatte und immerhin eine Saison Real Madrid trainieren durfte.

Im Winter schlug Malaga wie kein anderer Verein der Primera Division auf dem Transfermarkt zu. Julio Baptista kam vom AS Rom, Ex-Juve- und Olympiakos-Spieler Enzo Maresca mit reichlich Champions-League-Erfahrung, Torwart-Juwel Sergio Asenjo auf Leihbasis von Atletico Madrid und eben Demichelis von den großen Bayern.

Der Argentinier wechselte nicht zuletzt wegen des neuen Trainers nach Andalusien: "Dort ist Manuel Pellegrini der Trainer, mit dem ich 2002 bei River Plate Buenos Aires Meister wurde. Es herrscht großes Vertrauen zwischen uns."

Holpriger Start ins neue Jahr

Doch der ersehnte Erfolg bleibt bislang aus, Malaga ist Tabellenletzter und hat bereits vier Punkte Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz. Seit dem Jahreswechsel holten die Blau-Weißen nur fünf Zähler.

Die Gegner hießen u.a. FC Barcelona, Valencia, Bilbao und FC Sevilla - allesamt Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel. Daher wird man in Malaga auch noch nicht unruhig. "Wir spielen noch gegen viele direkte Konkurrenten und werden die nötigen Punkte holen", verspricht Pellegrini.

Ein Abstieg mit Malaga würde die Weste des Chilenen nach dem Rauswurf in Madrid weiter beschmutzen. Und auch Demichelis hat sich das Abenteuer Malaga anders vorgestellt. In den ersten beiden Spielen sah er Gelb, im dritten Rot. Immerhin hielt Malagas Abwehr, die schlechteste der Liga mit 47 Gegentoren, mit Demichelis beim 0:0 in Sevilla stand.

"Demichelis hat gezeigt, warum er jahrelang bei Bayern Stammspieler war", schrieb "El Pais". Doch Unentschieden bringen den Klub im Abstiegskampf dauerhaft nicht weiter und für den Rest der Saison fällt jetzt auch noch Asenjo aus. Der 21-Jährige erlitt seinen zweiten Kreuzbandriss hintereinander.

Neue Arena geplant

Der Großinvestor plant derweil die nächsten Luftschlösser. So soll das Estadio La Rosaleda bald ausgedient haben. Stattdessen steht in den Vorstellungen des Scheichs bereits ein neuer Fußball-Tempel mit Platz für bis zu 65.000 Zuschauer. Name für die neue Arena: "Qatar Stadium". Identifikation zwischen Verein und Fans sieht anders aus.

Das Stadion wäre hinter dem Camp Nou und dem Santiago Bernabeu das drittgrößte in Spanien, zumindest bis Valencias Estadio Nuevo Mestalla fertig gestellt ist.

Wohl nirgendwo sonst klaffen derzeit sportlicher Erfolg und wirtschaftliche Visionen derart auseinander wie beim FC Malaga. Idylle im Herbst der Karriere ist wohl etwas anderes, doch man kann es auch als Herausforderung sehen. Martin Demichelis hat die Herausforderung angenommen.

Der Kader des FC Malaga

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