Real Madrid macht Druck auf Barcelona

Symptome der Nervosität

Von Stefan Rommel
Freitag, 06.03.2009 | 14:04 Uhr
Obenauf: Real Madrid hat seine letzten zehn Spiele in der Liga allesamt gewonnen
© Getty
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Der schöne Vorsprung von Spitzenreiter FC Barcelona auf den Erzrivalen Real Madrid schmilzt weiter bedrohlich dahin. Vor dem Derby gegen Atletico am 26. Spieltag der Primera Division herrscht bei Real deshalb wieder purer Optimusmus, während Barca vor dem Spiel gegen Athletic Bilbao über die Gründe der Krise rätselt.

So ambivalent wie in den letzten Wochen war Real Madrid schon seit Jahren nicht mehr. Da gibt es auf der einen Seite Übergangs-Präsident Vicente Boluda Fos. Der 53-Jährige verkörpert das Real der alten Schule: Machtvoll, provokant und natürlich steinreich.

Boluda ist im Hauptberuf Reeder, seine Coporacion Matitimo Boluda ist die zweitgrößte Reederei der Welt. Seine Firma besitzt ca. 350 Frachtschiffe, Boludas Privatvermögen wird auf rund 2 Milliarden Euro geschätzt.

Markige Sprüche von Boluda

Leuten wie ihm, exzentrisch, glamourös und ein bisschen verwegen, haftet nur zu gerne ein anrüchiger Geruch an, Schwergewichten wie ihm mag man nicht vorbehaltlos vertrauen.

Als Boluda kurz nach dem Abgang von Ex-Präsident Ramon Calderon seinen Job bei den Königlichen übernahm, nährte er die Vorurteile mit markigen Sprüchen. Vor allem in Richtung Katalonien.

Boluda stichelte, die Hauspostille Marca hatte jeden Tag etwas zu berichten. Nur ernst nahm den gelernten Juristen niemand. Wie auch, bei sagenhaften zwölf Punkten Rückstand auf den FC Barcelona.

Ein paar Wochen und unzählige Verbalattacken auf Barca später sind vom Polster nur magere vier Pünktchen geblieben. Eigentlich müsste Boluda deshalb vor dem Derby am Samstag gegen Atletico Madrid (20 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) so richtig auf den Putz hauen.

Plötzlicher Kuschelkurs

Aber als ehemaliger Berater des spanischen Verteidigungsministeriums weiß er offenbar nur zu gut, die richtigen Worte zum richtigen Zeitpunkt zu finden. Plötzlich geht Boluda nämlich auf Kuschelkurs.

"Als wir noch so weit hinter Barca standen, war es wichtig, alle Blicke auf mich zu lenken. Ich wollte die Mannschaft aus der Schusslinie nehmen. Jetzt sind wir aber wieder voll dabei im Rennen um den Titel. Deshalb gilt unsere volle Konzentration jetzt wieder dem Wesentlichen. Und das ist am Wochenende das Derby gegen Atletico."

Boluda ändert seinen Konfrontationskurs, vom Lautsprecher der letzten Wochen ist - vorerst - nicht mehr viel zu hören. Dafür gehen seine Spieler jetzt verstärkt in die Offensive.

"Ich sehe klare Symptome der Nervosität bei Barca", sagte der wieder genesene Guti am Freitag und schoss gleich noch ein kleines Giftpfeilchen rüber an die Costa Brava. "Ich will, dass sie immer verlieren."

Ramos als Gegenstück zur glitzernden Real-Welt

Von derartigen Mind Games hält Trainer Juande Ramos rein gar nichts. Ramos ist das Gegenstück zur Glamourwelt Real Madrid. Und zu dessen Dogma des bedingungslosen Offensivstils.

Ramos hat Real eine vernünftige Dosis Defensivarbeit verschrieben und ist damit nach kleineren Problemen nach seiner Amtsübernahme außerordentlich erfolgreich. Das Real Madrid unter Ramos ist spektakulär unspektakulär, dafür aber ungeheuer effektiv.

30 Punkte aus den letzten zehn Spielen - selbst Mathematik-Legastheniker dürfte auffallen, dass mehr nicht geht. Das Derby gegen Atletico, das Barca am letzten Wochenende in einem denkwürdigen Spiel 4:3 in die Knie zwang, gilt als Schlüssel zur Meisterschaft.

Raul kontra Robben?

"Ich war sehr, sehr glücklich, Barcelona im Vicente Calderon verlieren zu sehen", posaunte Klaas Jan Huntelaar gleich mal aus. "Wir gewinnen 2:1!" Ramos muss gegen die Rojiblancos auf Innenverteidiger Pepe verzichten - die Chance für Christoph Metzelder? - und hat noch ein weiteres Problem.

Angeblich hatte eine Gruppe um Kapitän Raul unter der Woche den Einsatz des zuletzt lange verletzten Guti im Derby gefordert.

Die Real-Ikone, die auf Grund ihrer Verdienste für Madrid mit der Goldenen Medaille der Stadt ausgezeichnet wird, habe Druck auf Ramos gemacht, um seinen Kumpel Guti in die Startelf zu pressen - und dafür den in der Mannschaft isolierten Arjen Robben zu opfern.

FC Barcelona - Athletic Bilbao 

Barca schwächelt. Seit drei Spielen sind die Katalanen ohne Sieg, verloren dabei das Stadtderby gegen Espanyol und eben in Madrid bei Atletico. Vor dem Gastspiel von Athletic Bilbao im Camp Nou (Sa., 22 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere) schüren selbst Barca nahe Zeitungen wie Sport oder El Mundo Deportivo die Angst. Die Angst vor Real.

Von einer Krise ist die Rede, dabei stehen die Azulgrana im Finale der Copa del Rey und haben nach dem 1:1 bei Olympique Lyon beste Chancen auf das Viertelfinale in der Champions League.

In der Liga aber läuft es aber seit Wochen schon nicht mehr rund. "Wir waren auf einem guten Weg, von dem wir in den letzten drei Spielen abgekommen sind", gibt Trainer Pep Guardiola zu. "Nun müssen wir das Selbstvertrauen wieder zurückerlangen, das uns bis dahin gebracht hat."

Defensivverhalten als Hauptproblem

Das Hauptproblem liegt dabei in der Defensivarbeit. In den letzten drei Spielen in der Primera Division gab es insgesamt acht Gegentore - davor in 22 Saisonspielen nur 16. Im Kreuzfeuer der Kritik steht besonders Torhüter Victor Valdes. Der 27-Jährige ist derzeit für mindestens einen dicken Klops pro Partie gut und gilt als Sinnbild der schleichenden Verunsicherung Barcas.

Dazu kommen allerhand Taschenspielertricks der Konkurrenz. Angeblich hatte Real Betis bei Barcas Gastspiel (2:2) kurzerhand das Spielfeld in seiner Breite verkleinert, bei Atletico Madrid war der Rasen nicht unbedingt akkurat kurz geschnitten.

Barcas breit angelegtes, flaches Spiel solle dadurch ins Stocken geraten sein. Den Spielfluss hemmen die Gegner seit neuestem mit geschickt gestreuten und teilwiese simulierten Verletzungspausen.

Es sind Ansätze für die schwachen Leistungen, aber als griffige Erklärung kann das natürlich nicht gelten.

Die restlichen Spiele des 26. Spieltags:

FC Villarreal - Espanyol Barcelona (Sa., 22 Uhr)
Deportivo La Coruna - Racing Santander
RCD Mallorca - Real Betis
CA Osasuna - Sporting Gijon
CD Numancia - FC Valencia
Recreativo Huelva - Real Valladolid (alle So., 17 Uhr)
FC Sevilla - UD Almeria (So., 19 Uhr)
FC Getafe - FC Malaga (So., 21 Uhr)

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