Montag, 05.05.2008

Primera Division

Alles wie in Hollywood

Madrid - Bernd Schuster fühlte sich beim Gewinn der spanischen Meisterschaft mit Real Madrid nach Hollywood versetzt. "Es war wie in einem jener US-Spielfilme, in denen die Helden bis zum Ende kämpfen müssen und es dann doch ein Happy End gibt", philosophierte der Trainer.

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© Getty

Er erlebte sein Happy End bei Reals 2:1-Sieg bei CA Osasuna, mit dem die Königlichen sich bereits drei Spieltage vor Saisonschluss ihre 31. Meisterschaft sicherten. "Wir sind ein verdienter Meister", sagte Schuster, "wir sind in dieser Saison die beste Mannschaft in Spanien."

Für Kaptiän Raul ist der Titel das "Produkt der Arbeit einer Mannschaft, die sich über das ganze Jahr als Einheit präsentiert hat".

Schuster hatte gleich doppelten Grund zum Jubeln: Der blonde Engel gewann in seinem ersten Jahr bei Real auf Anhieb seinen ersten Titel als Trainer. Zudem geht der 48-Jährige als der erste deutsche Coach in die Fußball-Geschichte ein, der spanischer Meister wurde. Dies war weder einem Hennes Weisweiler oder Udo Lattek mit dem FC Barcelona gelungen noch einem Jupp Heynckes mit Real Madrid.

Schuster mit obszöner Geste

Beim 2:1 in Pamplona musste Schuster jedoch bis zur letzten Sekunde um den Sieg zittern. In der an Dramatik kaum zu überbietenden Schlussphase ging das abstiegsgefährdete Osasuna durch Francisco Punal (83./Handelfmeter) in Führung. Real spielte zudem seit einem Platzverweis von Weltmeister Fabio Cannavaro (46.) in Unterzahl.

"Ich glaubte schon, alles wäre verloren", gestand Schuster später. Aber Arjen Robben (87.) und Gonzalo Higuain (89.) wendeten das Blatt binnen zwei Minuten. Wie sehr die Anspannung an Schusters Nerven zehrte, zeigte sich daran, dass der Deutsche sich beim Ausgleichstor zu einer obszönen Geste an die Osasuna-Fans hinreißen ließ.

Friedliche Siegesfeier

Nach dem Schlusspfiff in der nordspanischen Stierkampf-Hochburg strömten in Madrid mehr als 50.000 Real-Fans zum Cibeles-Brunnen. Das Sportblatt "Marca" wollte im Überschwang sogar eine halbe Million gezählt haben. Die Fans harrten dort bis frühmorgens aus, um ihren Lieblingen zuzujubeln.

Nach alter Tradition legte Kapitän Raul der Statue der Muttergöttin Kybele einen Fan-Schal um den Hals. Allerdings kam es wie im vergangenen Jahr erneut zu Ausschreitungen. 30 Fans wurden verletzt, die Polizei nahm ein Dutzend Randalierer vorübergehend fest.

Eigengewächse als Leistungsträger

Schuster, der als Spieler mit Barcelona (1985) und Real (1989 und 1990) bereits drei Meistertitel gewonnen hatte, stand mit seinem Team seit dem 2. Spieltag ununterbrochen an der Tabellenspitze. Er ließ einen nüchternen, schnörkellosen Fußball spielen. "Im Vergleich zum Vorgänger Fabio Capello gelangen ihm einige Verbesserungen, aber der vom Clubchef Ramon Calderon geforderte Glanz fehlt noch", befand die Zeitung "El Pais".

Real hatte in dieser Saison 120 Millionen Euro in Neuzugänge investiert. Stützen der Elf waren aber nicht die gekauften Stars, sondern die Eigengewächse Iker Casillas, Raul und Guti.

Hildebrand kassiert sechs Tore

Während Schuster allen Grund zum Feiern hatte, erlitt sein Landsmann Timo Hildebrand mit dem FC Valencia ein 0:6-Debakel beim FC Barcelona. Der deutsche Nationaltorwart steht mit seinem Club am Rande des Abgrunds.

Die Hafenstädter trennen nur zwei Punkte von der Abstiegszone. Der Ex-Stuttgarter hatte in einer desolaten Elf noch die geringste Schuld für Valencias höchste Schlappe seit zehn Jahren.

"Hildebrand bot als einziger eine ordentliche Leistung", urteilte "Marca". Am Mittwoch müssen die Akteure des FC Barcelona nun nach spanischem Brauch im Bernabeu-Stadion den Erzrivalen Real mit einem Spalier als neuen Meister ehren. Eine Ohrfeige für die Katalanen.

Die Barca-Stars Samuel Eto'o und Deco entzogen sich der peinlichen Aufgabe - sie handelten sich durch ihre fünften Gelben Karte eine Sperre für das Gastspiel in Madrid ein.


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