Freitag, 14.03.2008

International

Hildebrands schwere Zeit in Valencia

Valencia - Timo Hildebrand sitzt im Café Kiosko Gran Ciudad unter einer Palme, blickt zum Hafen und blinzelt in die Sonne. "Sensationell das Wetter hier, was?", sagt der deutsche Nationaltorwart.

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© DPA

Nach acht teilweise harten Monaten in Valencia verziehen sich für den Ex-Stuttgarter die Wolken allmählich ebenso wie der Gegenwind.

"Wenn man bedenkt, wie lange ausländische Spieler oft brauchen, bis sie sich in der Bundesliga zurechtfinden - dann habe ich es hier gut hingekriegt", sagt er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Kein Bock auf Torwartkrieg

Jetzt arbeitet Hildebrand in Sonderschichten an seinem nächsten großen Ziel: "Natürlich habe ich den Anspruch, irgendwann im Tor der Nationalmannschaft zu stehen. Auf Torwartkrieg habe ich aber keinen Bock."

Auf der Empore seines Appartements in der Innenstadt stehen Bilderrahmen mit seinen VfB-Trikots und Medaillen vom letztjährigen Titelgewinn und Pokalfinale - und ein großes Foto: Der blonde Keeper hält die Meisterschale hoch.

Hildebrand hat zwar viel Besuch aus Deutschland - nicht jedoch von seinen früheren VfB-Kollegen. Dabei könnte der 28-Jährige viel erzählen, wie es so ist in der Primera Division als einziger deutscher Profi neben Christoph Metzelder von Real Madrid, mit dem Hildebrand per SMS Kontakt hält.

"Am Anfang war's schwer"

Vom Absprung aus Stuttgart hatte sich Hildebrand eine persönliche Weiterentwicklung versprochen. "Am Anfang war's schwer. Du sitzt mit deinen Kollegen am Tisch und kannst nicht quatschen."

Mittlerweile kommt ihm nicht mehr alles Spanisch vor, zumal er sich mit einer vierköpfigen Familie vor Ort angefreundet hat, bei der er oft zu Mittag isst.

Ins gemachte Nest konnte er sich ohnehin nicht setzen: Hildebrand musste sich erst einmal den Stammplatz von Idol Santiago Canizares erobern, erlebte das Aus in der Champions League, einen Trainerwechsel und kämpft immer noch mit der Mannschaft gegen die sportliche Talfahrt.

Turbulente Phasen

"Ich bin in eine brutal schwierige Situation gekommen", erklärt er.

Zuletzt mussten beim FC Valencia einige seiner Mitspieler als Zeugen vor Gericht, weil der von Trainer Ronald Koeman aussortierte Nationalspieler David Albelda - vergebens - eine Entschädigung von 60 Millionen Euro forderte.

"Unglaublich", sagt Hildebrand. Albelda sowie die ebenfalls in Ungnade gefallenen Canizares und Miguel Angel Angulo trainieren weiter mit, "für die Stimmung in der Mannschaft ist das nicht optimal". Diese Woche trat auch noch Präsident Juan Soler zurück.

Das alles ist an dem siebenfachen Nationalspieler nicht abgeperlt. Die Medien gehen hart ins Gericht mit dem Deutschen, die Zeitung "Marca" bezeichnet ihn schon mal als "Kandidaten für den Titel des unbeständigsten Torwarts der Liga".

"Heiliger Hildebrand"

Doch er wurde auch als "Heiliger Hildebrand" bezeichnet - als er seinem Club das 1:1 im Pokal beim FC Barcelona rettete. Einen richtigen Patzer, sagt er selbst, habe er sich nur bei der 0:1-Niederlage bei Atletico Madrid erlaubt.

"Es ist schon ein anderes Niveau in Spanien. Nicht umsonst spielen hier die besten Fußballer der Welt", sagt Hildebrand ohne Pathos und nippt an seinem Cappuccino.

"Hier kann ich mich profilieren, ob ich dann bei der Nationalmannschaft spiele, entscheiden andere."

Am 5. April wird der aus dem hessischen Hofheim stammende Keeper 29. "Oliver Kahn und Jens Lehmann haben auch erst mit 30 angefangen, in der Nationalmannschaft zu spielen", sagt Hildebrand.

Kein Wort über Lehmann

Über Lehmanns Bankdrücker-Dasein bei Arsenal London will er nicht sprechen. Im stillen Kämmerchen forciert die Nummer zwei jedoch die EM-Vorbereitung.

Neben den gerahmten VfB-Trikots in seiner Wohnung steht ein Holzgerät mit Seilzügen. Regelmäßig lässt er einen Gyrotonic-Trainer aus Hamburg und eine Trainerin aus München einfliegen: Die Übungen helfen, die Muskeln geschmeidig zu machen.

Für die beiden und einen belgischen Osteopathen aus Stuttgart hat Hildebrand sogar eine Wohnung angemietet.

"In den Vereinen wird viel zu wenig präventiv gearbeitet", erklärt Hildebrand. "Für mich ist das selbstverständlich. Ich spiele dann einfach besser."

Seine Übungen zeichnet der Schlussmann sogar auf Video auf. Als Torwart kann man sich eben nicht den kleinsten Fehler erlauben - vor allem, wenn man Lehmann vor der Nase und Robert Enke, Rene Adler und andere Herausforderer im Nacken hat.


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