Die Wiederauferstehung der Ches

Von Richard Rother
Sonntag, 23.03.2008 | 11:18 Uhr
Valencia
© Getty
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München - Es ist Ostersonntag, genauer gesagt der Tag der Wiederauferstehung Jesu Christi. Fußball gespielt wird im religiösen Spanien trotzdem.

Für den FC Valencia soll der 29. Spieltag der Primera Division auch so etwas wie eine Wiederauferstehung werden.

Mit dem überraschenden Finaleinzug in der Copa del Rey im Rücken reisen die Ches in die Hauptstadt - es wartet der unangefochtene Tabellenführer Real Madrid (19 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere). Doch für Valencia könnte es derzeit kaum einen dankbareren Gegner geben als die Königlichen.

Verkorkste Saison gerettet

Valencia ist so etwas wie die Mannschaft der Stunde. Die Partie im Stadion Bernabeu soll jetzt zur Kehrtwende einer verkorksten Saison werden - die nun durch das Erreichen des Copa-Finales ohnehin schon nicht mehr ganz so verkorkst ist.

Die Gewissheit trotz der schlechten Liga-Platzierung (aktuell Rang 12) in der kommenden Saison international mitspielen zu dürfen, sollte dem Team von Coach Ronald Koeman Flügel verleihen.

Der Kopf ist gefragt

Zu verlieren haben die Gäste im Bernabeu ohnehin nicht viel - eine Niederlage in Madrid ist geradezu verzeihlich. Im Umkehrschluss wäre ein Sieg beinahe eine Sensation (die im Bernabeu in der Liga-Saison bisher nur dem FC Getafe mit 1:0 glückte).

"Wir müssen einfach nur mit Köpfchen spielen. Sie sind auch nur menschlich. Wir müssen etwaige Konterchancen einfach ausnutzen", so Koeman, unter dessen Leitung Valencia lediglich zwei der letzten 16 Liga-Spiele mit einem Dreier beendete.

Mit Stöckelschuhen auf Kopfsteinpflaster

Womit der Niederländer aber mehr als Recht hat, ist dass die Galaktischen menschlich - und damit verletzlich - sind. Die Mannschaft von Trainer Bernd Schuster stolpert sich durch die Rückrunde wie eine Diva mit neuen Stöckelschuhen auf Kopfsteinpflaster.

16 Partien coachte Schuster die Königlichen 2008 und musste acht Niederlagen mit ansehen. Sofort wurden Stimmen über die Nachfolge des Deutschen laut, denn Reals Fußball ließ - neben den drei Punkten - die vom Publikum und von den Medien erwartete Eleganz vermissen.

Klatsche im Hinspiel

Der Schönheitssinn wird Koeman im persönlichen Überlebenskampf reichlich egal sein. Ihm wäre es wichtig, die 1:5-Klatsche aus dem Hinspiel im Mestalla-Stadion möglichst vergessen zu machen und der positiven Woche das i-Tüpfelchen aufzusetzen.

Wenn allerdings Real das Rennen macht ist den Königlichen die Meisterschaft schon so gut wie sicher. Sieben Punkte Vorsprung trennen die Hauptstädter vom Zweitplatzierten FC Barcelona, der heute Real Valladolid im Camp Nou erwartet.

Schuster braucht attraktiven Fußball

Verzichten muss Schuster für das Projekt "Wiedergutmachung der Rückrunde" auf Ruud van Nistelrooy. Der Stürmer wurde zuletzt am Knöchel operiert und fällt voraussichtlich bis zum Saisonende aus. Für ihn rückt Julio Baptista in den Kader.

Sergio Ramos hat seine Rotsperre abgesessen und steht der Gala-Viererkette um Pepe, Gabriel Heinze und Fabio Cannavaro zur Verfügung. Auf der anderen Seite vertraut Koeman der Elf, die auch den Finaleinzug im Pokalwettbewerb perfekt gemacht hat.

Die Revanche im Bernabeu soll Valencia endgültig wieder Leben einhauchen. Der in die Kritik geratene Schuster dagegen braucht die Rückkehr des attraktiven Fußballs, der aufreizenden Lässigkeit der Galaktischen, der Unantastbarkeit im Titelrennen. Nur diese Kriterien rechtfertigen bei der gläubigen Fangemeinde den geheiligten Trainerposten Schusters.

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