Fabelhaft mit Hindernissen

Von Richard Rother
Samstag, 16.02.2008 | 11:50 Uhr
Fußball, Primera Division, Sevilla, Fabiano
© Imago
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München - Zuerst  ein dankender Blick in den brasilianischen Nachthimmel, dann breitet Luis Fabiano seine Arme aus, läuft in Richtung Fankurve und zeigt den 65.000 Zuschauern sein strahlendes Zahnspangenlächeln.

Eben hat der Stürmer vom FC Sevilla auch das zweite Tor für Brasilien erzielt und somit im Alleingang den 0:1-Rückstand gegen den Erzfeind Uruguay umgebogen.

Dabei war Fabiano erst als Ersatzmann für Afonso Alves in den Kader für das WM-Quali-Spiel gerückt, durfte aber gleich von Beginn an ran. Der 27-Jährige dankte es Nationaltrainer Carlos Dunga mit zwei Treffern, die weder schön noch spektakulär waren, aber das Morumbi-Stadion in Sao Paulo zum Überschäumen brachten.

"Hier fühle ich mich zu Hause. Ich war während meiner Zeit in Sao Paulo sehr glücklich und ich danke Gott, dass ich heute mit der Selecao hierher zurückkehren konnte", meinte er hinterher. Das war am 22. November 2007, Fabianos "Karrierehöhepunkt", wie er diesen Augenblick heute noch nennt.

Unglaubliche Torquote

Zwischen 2001 und 2004 spielte Fabiano beim FC Sao Paulo und erzielte in 160 Spielen 118 Tore. Hier war er stets zufrieden, hier verehrten ihn die Fans uneingeschränkt. Aus dieser Zeit stammt auch sein Spitzname: "O'Fabuloso", der Fabelhafte.

Zuvor war sein erstes Gastspiel in Europa gescheitert. Von AA Ponte Preta war er im Jahr 2000 zum französischen Erstligisten Stade Rennes gewechselt, wurde dort aber nicht glücklich. "Es hat mir keinen Spaß gemacht, dort zu spielen. Ich war jung, die Anpassung fiel mir genauso schwer wie die neue Sprache", erklärt Fabiano. Nach einem Jahr ging es wieder zurück nach Brasilien.

Erst in Sao Paolo reifte er nach eigener Aussage zum "kompletten Spieler". Der FC Porto wurde auf ihn aufmerksam, doch zurück in Europa folgte der nächste Nackenschlag. Im März 2005 wurde seine Mutter in Brasilien entführt - eine Lösegelderpressung, wie sie auch andere brasilianische Spieler wie Grafite oder Robinho hinter sich haben.

Fabiano spielte während der 61 Tage dauernden Entführung weiter, doch die Redewendung "körperlich anwesend, geistig abwesend" entsprach ihm. In 22 Spielen für Porto traf er nur drei Mal - zu wenig für den mit Vorschusslorbeeren überschütteten Brasilianer.

"Schlimmste Zeit meines Lebens"

"Das war die schlimmste Zeit meines Lebens und ich wünsche niemandem, das er so etwas erleben muss", sagt Fabiano heute. Erst nach der Befreiung der Mutter und seinem Wechsel zu Sevilla fasste er in Europa endgültig Fuß.

Zusammen mit seinem kongenialen Partner Frederic Kanoute fuhr er 2006 und 2007 zweimal den UEFA-Cup ein, holte 2007 den spanischen Pokal und führt aktuell die spanische Torjägerliste mit 16 Treffern in 16 Spielen an.

Trotz Fabianos Treffsicherheit läuft es bei Sevilla in dieser Saison allerdings nicht so rund wie gewohnt. Der plötzliche Tod von Abwehrspieler Antonio Puerta und der Wechsel von Erfolgstrainer Juande Ramos haben ihre Spuren hinterlassen, Nachfolger Jose del Nido tritt derzeit ein schwieriges Erbe an.

Mit neun Punkten Rückstand auf einen Champions-League-Rang liegen die Andalusier derzeit nur auf Platz sieben. Zwei Ränge über Sevilla steht derzeit Espanyol Barcelona - am Samstag Gegner des amtierenden UEFA-Cup-Siegers (20 Uhr im LIVE-TICKER). Dann hoffen die Sevillistas wieder auf die Tore ihres Fabelhaften.

Undurchsichte Transferrechte

Obwohl Luis Fabiano stets bekundet, sehr glücklich in Sevilla zu sein, könnte er dennoch demnächst woanders spielen. Der Grund: Die Transferrechte liegen nicht mehrheitlich bei seinem derzeitigen Arbeitgeber.

"Das ist ein ziemliches Durcheinander. Sevilla hält 35 Prozent an meinen Rechten. Die anderen 65 Prozent gehören einer Firma", sagt Fabiano lapidar. "Global Soccer Investments" heißt das Unternehmen, das über seine Zukunft entscheidet.

In der Winterpause war bereits Manchester City interessiert, die 12-Millionen-Offerte wurde jedoch abgelehnt. Angeblich hat Fabiano eine festgeschriebene Ablössumme von 60 Millionen Euro in seinem Vertrag stehen.

Torjägerkrone im Visier

Von den Transfergerüchten lässt sich der 27-Jährige derzeit allerdings kaum berirren, er ist auf dem Weg zum "pichichi", dem Top-Torjäger in Spanien. "Die Torjägerkrone wäre etwas ganz Besonderes", sagt er. Im Stadion Montjuic in Barcelona will er "zwei Mal treffen", das hat er den Fans versprochen.

Sein großes Ziel liegt jedoch noch in der Zukunft: "Ich bin fest entschlossen, mir einen Stammplatz in der Selecao zu erkämpfen. Ich will unbedingt zur WM 2010 - das ist mein Ziel." Und vielleicht kommen die Fans in Südafrika dann auch in den Genuss seines Zahnspangenlächelns.

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