Freitag, 18.01.2008

Santander im Porträt

Im Reich der Großen

München - Die Seele mal so richtig baumeln lassen und sich dabei eine seichte Brise frischer Meeresluft ins Gesicht wehen lassen. Der wunderschöne Stadtteil der kantabrischen Hauptstadt Santander, El Sardinero, wäre der ideale Ort dafür. 

Fußball, Primera Division, Santander
© Getty

Genau dort liegt auch das gleichnamige Stadion des spanischen Erstligisten Racing Santander. Bei der Elf von Trainer Marcelino Garcia Toral scheint die Meeresluft Wunder zu wirken. In der Primera Division marschieren die Grün-Weißen, in der Copa del Rey entzauberten sie Real Saragossa mit 4:2 und stehen damit im Viertelfinale.

"Es ist eine der schönsten Nächte, die ich je erleben durfte. Wir dürfen den Traum in der Realität weiterleben", schwärmte der Racing-Coach, der die Mannschaft zu den besten Ergebnissen seit der Saison 1953/54 führte.

In der vergangenen Spielzeit hatte Garcia Toral noch ganz im Süden für Furore gesorgt. Mit Recreativo Huelva verpasste er den Galaktischen aus Madrid eine herbe 3:0-Packung im heiligen Bernabeu. Huelva nahm zeitweise Kurs auf den UEFA-Cup, wurde aber letztlich nicht ganz mit dem lukrativen internationalen Geschäft entlohnt.

Teamgeist und Disziplin 

Genau dieselbe Euphorie wie damals in Andalusien entfacht der Erfolgstrainer jetzt in Kantabrien. Das Geheimnis des 42-Jährigen beruht nicht auf egozentrischen Superstars, die sich Santander ohnehin nicht leisten könnte, sondern auf Teamgeist und Disziplin (im Bild nehmen Gonzalo Colsa und Aldo Duscher Reals Ruud van Nistelrooy in die Zange).

Selbst nach saftigen Niederlagen, wie beispielsweise der 1:4-Schlappe gegen Sevilla, fängt der Coach nicht an, überstürzt am Personalrad zu drehen. Garcia Toral sieht so etwas als notwendige Konsolidierungen an, ohne dass deswegen das Mannschaftsgefüge auseinander brechen müsste.

Das Racing-Tor hütet normalerweise Antonio Martinez. Bei einer Rettungstat im letzten Hinrunden-Spiel gegen Osasuna verletzte sich der Spanier und musste Platz machen für den Schweizer Nationalgoalie Fabio Coltorti.

Die Abwehr um Pablo Pinillos und die Jungspunde Aitor Lopez und Ezequiel Garay brachte Osasuna zur Weißglut. Für das verletzte Sturmduo sprang das Mittelfeld in die Presche und sowohl Eigengewächs Jordi Felpeto als auch Pablo Alvarez trafen zum 2:0-Endstand, der eine der besten Hinrunden der Vereinsgeschichte besiegelte - Platz sechs.

Smolarek dribbelt Gegner schwindelig 

Für die Tore verantwortlich ist unter anderem ein einstiger Bundesliga-Star: Ebi Smolarek. Der polnische Nationalspieler, der bei Borussia Dortmund den endgültigen Durchbruch schaffte, kickt seit August 2007 für den kantabrischen Klub.

Ebi Smolareks misslungener Einstand: Rot wegen groben Foulspiels
Ebi Smolareks misslungener Einstand: Rot wegen groben Foulspiels
© Getty

Bei seinem Debüt, ausgerechnet gegen den großen FC Barcelona, flog Smolarek nach wenigen Spielminuten wegen eines rüden Fouls gleich vom Platz.

Mittlerweile hat er seine spielerischen Möglichkeiten wiederentdeckt, dribbelt seine Kontrahenten gewohnt schnell aus und trifft ins gegnerische Gehäuse - zwei Mal in der Liga bisher.

Neben ihm stürmt der Kongolese Tchité, der mit vier Treffern Top-Torschütze der Kantabrer ist. Pedro Munitis und Montana Jorge Lopez runden mit je drei Toren einen ausgeglichenen Sturm ab.

Dreier im Camp Nou 

In den nächsten Partien kann Racing beweisen (So., 21 Uhr im LIVE-TICKER), wie viel Kampfgeist in der Mannschaft steckt. In der Liga werden die Tabellen-Sechsten im Camp Nou in Barcelona erwartet (das Hinspiel ging 0:0 aus).

Anschließend kommt es in der Copa del Rey zum Nord-Derby gegen Athletic Bilbao, um dann im Sardinero erneut die Möglichkeit zu haben, Saragossa den nächsten Dämpfer zu verpassen.

Eines hat die Mannschaft von Garcia Toral jetzt schon längst geschafft - sie haben Deportivo la Coruna und Athletic die Vorherrschaft in Spaniens Norden abgeluchst.

Um den größten Erfolg bisher zu egalisieren - einen zweiten Platz in der Liga im Jahr 1931 - muss sich die Mannschaft weiterhin von der Erfolgswelle tragen lassen. Zu Platz zwei fehlen den Grün-Weißen acht Punkte - drei davon können sie den Azulgranas abknöpfen und damit beweisen, längst keine Eintagsfliege mehr zu sein.

Richard Rother

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