Vor dem Derby in Madrid

Revolte gegen Don Bernardo

Von Thomas Gaber
Freitag, 18.01.2008 | 17:41 Uhr
© Getty
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Marbella - Die in Madrid ansässigen Sportzeitungen befassen sich seit Tagen nur mit einem Thema: dem Lokalderby zwischen Atletico und Real Madrid (So., 19 Uhr im LIVE-TICKER und bei Premiere).

In der Freitagsausgabe widmete "AS" dem Spiel 14 Seiten, "Marca" setzte noch einen drauf und nahm das Derby auf 15 Seiten vorab schon mal auseinander. Was Spaniens Nationaltrainer Luis Aragones für die EM 2008 plant, wird in "Marca" auf Seite 27 in popligen zehn Zeilen zusammengekleistert.

In Derby-Zeiten darf Aragones dies aber schon als Triumph ansehen, zumal das Blatt die Berichterstattung über den chronisch unbeliebten Coach gerne ganz einstellen würde, es sei denn, es gibt Gründe ihn mal wieder aus dem Amt zu schreiben.

"Marca" rechnet mit Schuster ab

Dieses Malheur droht nun Bernd Schuster, sollte Reals Trainer mit seinen Königlichen den Vergleich gegen den Stadtrivalen verlieren. Reals Pokalaus gegen Mallorca und Schusters Outing als schlechter Verlierer - er hatte Mallorca-Trainer Manzano als "Coach eines Dorfvereins" verunglimpft - nahm "Marca"-Redakteur Roberto Gomez schon mal zum Anlass, mit dem deutschen Coach abzurechnen.

"Das war ein ganz mieser Stil, Senor Schuster. Als Trainer von Real Madrid muss man seine Emotionen im Griff haben und seine Kollegen respektieren", schreibt Gomez auf Seite 6. Zudem sei Schusters Verhalten gegenüber den Journalisten "absolut inakzeptabel". "Meine jungen Kollegen werden überhaupt nicht beachtet, und wenn er doch mal auf eine ihrer Fragen antwortet, zieht er alles ins Lächerliche", so Gomez.

Er bedauert, dass sich die Journalisten nicht dagegen wehren und fordert eine Revolte: "Sie müssen sollten gegen ihn rebellieren."

Agüero verspricht Atletico-Sieg

Gomez stellt klar, dass Schusters Verpflichtung Reals Spiel "keineswegs attraktiver" gemacht hat. Außerdem seien Schusters Neuverpflichtungen (Wesley Sneijder, Drenthe und Gabriel Heinze) "keine Verstärkungen" und die Bilanz nach dem verlorenen Supercup-Finale gegen Sevilla (3:5) und dem Pokalaus "alles andere als gut". Dass Schuster mit Real die Primera Division souverän anführt, verschweigt Gomez.

Bei soviel Zunder hilft Schuster am Sonntag nur ein überzeugender Sieg. Davon geht die Gegenseite selbstverständlich nicht aus. "Ich haue Iker Casillas (Reals Torwart, d. Red.) einen rein und wir gewinnen 2:0", verspricht Atletico-Star Sergio Kun Agüero. Mit neun Treffern ist der Argentinier, an dem auch mal der FC Bayern stark interessiert war, erfolgreichster Torschütze der Rojiblancos.

Raul ist heiß

Bei Real ist Ruud van Nistelrooy mit elf Toren intern vorne, doch Atletico sollte am Sonntag vor allem auf van Nistelrooys Sturmpartner Raul aufpassen. Der Kapitän wurde von Schuster gegen Mallorca nicht eingesetzt, verfolgte das Spiel stattdessen von der Tribüne aus und musste mitansehen, wie seine Kollegen reihenweise beste Torchancen ausließen. Durch das Ausscheiden wurde Rauls Traum, endlich einmal die Copa del Rey zu gewinnen, ein weiteres Mal zerstört.

Real wurde zuletzt 1993 nationaler Pokalsieger, da spielte Raul noch für Atletico. Seinen Frust will Raul jetzt am Ex-Klub auslassen und arbeitet dafür im Training wie ein Besessener. Am Donnerstag legte er eine 30-minütige Extraschicht Torschusstraining ein.

Real-Präsident Vicente Calderon bekam von dem Trubel nichts mit. Er weilte auf Einladung von Reals Trikotsponsor Bwin zwei Tage in Kitzbühel. Dort finden am Wochenende die berühmten Hahnenkamm-Rennen statt.

Wer die Streif am schnellsten runterrast, wird in den spanischen Sportzeitungen kaum Beachtung finden. Nur das Derby zählt. Es geht um zu viel. Auch für Schuster.

 

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