Dienstag, 14.02.2012

Die Alex Merkel Kolumne

"Als käme ich nach Hause"

Alexander Merkel wagte schon mit 16 Jahren einen Wechsel nach Italien, um in der Serie A seinen Durchbruch als Profi zu schaffen. Diesen Winter wurde er vom FC Genua zum AC Milan zurückgeholt. Jetzt spielt er wieder bei einem der erfolgreichsten Klubs der Welt. Wie das Leben als Fußballprofi in Italien ist, erklärt der 19-Jährige regelmäßig in seiner eigenen SPOX-Kolumne.

Alexander Merkel ist jetzt wieder für den AC Milan aktiv
© Getty
Alexander Merkel ist jetzt wieder für den AC Milan aktiv

Hi zusammen,

seit ich mich das letzte Mal hier bei euch gemeldet habe, ist eine Menge passiert. Viel mehr als ich erwartet hätte. Das kann ich euch jetzt alles ganz in Ruhe erzählen - denn zurzeit bin ich außer Gefecht gesetzt. Aber der Reihe nach.

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt, hat mich der AC Milan Mitte Januar vom CFC Genua zurückgeholt. Das kam auch für mich ein bisschen überraschend. Es hieß zwar immer wieder, dass Milan Interesse an mir hat, aber damit habe ich mich nicht befasst. Zum einen, weil es von Genuas Seite nie ein Thema war. Aber auch, weil ich gerne dort war: schöne Stadt, toller Klub, außergewöhnliche Fans - das hat gut gepasst.

Eine Ehre, für Milan zu spielen

Und trotzdem bin ich froh, wieder in Mailand zu sein. Es ist schon eine Ehre, bei einem solchen Top-Klub zu spielen. Es freut mich, dass ich hier offenbar in guter Erinnerung geblieben bin.

Vor allem aber habe auch ich den Verein und die Verantwortlichen in bester Erinnerung. Ich verdanke dem Klub und Trainer Massimiliano Allegri sehr viel. Nun will ich etwas zurückzugeben.

Es ging auch ganz gut los: Schon am Tag nach meiner Rückkehr habe ich 120 Minuten im Pokal gegen Novara gespielt (2:1). Ein paar Tage später haben wir Novara auch in der Liga geschlagen (3:0). Dann war wieder Coppa angesagt: Wir haben Lazio Rom mit 3:1 besiegt und sind ins Halbfinale eingezogen.

Für mich war der Abend aber nicht so richtig erfreulich. Denn ich habe mir einen Innenbandriss im rechten Knie zugezogen. Die Folge: Etwa acht Wochen Pause.

Nicht dramatisch, aber langwierig

Klar, zunächst war ich dann schon ziemlich niedergeschlagen. Aber die Verletzung ist nicht so dramatisch, nur eben einigermaßen langwierig. Jetzt, nach etwa zwei Wochen Reha und Physiotherapie, geht es mir auch schon wieder deutlich besser. Nun muss ich eben umsetzen, was ich mir vorgenommen habe, wenn ich wieder voll da bin.

So wie es zurzeit aussieht, wird es auch noch oft genug die Möglichkeit geben, zu zeigen, was ich kann. Denn wir sind noch in allen drei Wettbewerben gut dabei. Obwohl es in den letzten Partien nicht ganz nach Wunsch lief. Im Hinspiel des Pokal-Halbfinals haben wir gegen Juve 1:2 verloren.

Und auch in der Liga haben wir vor dem 2:1-Sieg in Udine zweimal Punkte liegen lassen. Aber trotzdem ist in beiden Wettbewerben noch alles drin. In der Liga sind wir wieder an Juve vorbeigezogen, allerdings haben sie auch zwei Spiele weniger. Und in der Coppa haben sie eben ein Tor Vorsprung - das können wir noch aufholen!

Nicht zu vergessen: In der Champions League sind wir auch noch dabei. Am Mittwoch steht das erste Achtelfinal-Spiel gegen Arsenal an. Auch wenn ich zuschauen muss - ich freu mich drauf. Champions-League-Spiele sind immer etwas ganz Besonderes.

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Milan ein Weltklasse-Verein

Auch deshalb ist es schön für mich, wieder hier zu sein. Milan ist ein Weltklasse-Verein. Und das merkt man überall. Allein unser Trainingsgelände Milanello ist einfach genial. Wir haben hier allerbeste Bedingungen - so gut, dass wir für Trainingslager nicht wegfahren, sondern hier bleiben.

Und obwohl alles professionell ist, ist es auch total familiär und gemütlich. Als ich zum ersten Mal wieder nach Milanello kam, hat es sich schon ein bisschen so angefühlt, als käme ich zurück nach Hause. Die meisten Menschen hier kenne ich noch sehr gut. Deshalb habe ich auch kaum Zeit gebraucht, um mich einzugewöhnen.

Transferperioden sind aufreibend für jeden Fußballer

Auch Aufregung und Stress, die es bei einem so kurzfristigen Wechsel immer gibt, konnte ich hier schnell vergessen. Es ist nämlich schon so, dass eine Transferperiode ziemlich aufreibend ist für einen Fußballer. Egal, wie professionell man ist - es ist nicht leicht, sich immer nur auf sich selbst zu konzentrieren, wenn man überall Gerüchte liest und hört, die die eigene Zukunft betreffen.

Denn selbst wenn man versucht, nicht viel in die Medien zu schauen: Irgendwie bekommt man doch immer irgendwo vom irgendwem mit, was geschrieben und geredet wird.

Daran gewöhnt man sich zwar ein bisschen und es gehört auch einfach zu unserem Beruf. Aber etwas merkwürdig ist es trotzdem. Und dann geht es oft plötzlich ganz schnell. Wie bei mir nun auch: Dienstags noch Genua-Spieler - und am nächsten Abend für den AC Milan auf dem Platz.

Das ist dann kurz schon ein bisschen anstrengend, aber in erster Linie finde ich es einfach spannend. Am wichtigsten ist mir sowieso, dass ich dort kicken und leben kann, wo ich mich wohl fühle. Und das ist in Mailand absolut der Fall.

Missverständnis mit dem DFB ausgeräumt

Zum Schluss noch eine Sache, auf die ich oft angesprochen werde und die auch in den Medien zuletzt immer wieder aufkam. Thema Nationalmannschaft. Es hat am Rande eines Lehrgangs mal ein Missverständnis mit dem DFB gegeben - und das ist nun vollständig und endgültig ausgeräumt.

Mir wurde erzählt, dass sich sowohl Matthias Sammer als auch Oliver Bierhoff in den letzten Wochen sehr nett über mich geäußert haben. Das hat mich sehr gefreut. Es ist schön zu sehen, dass sie meine Entwicklung verfolgen - und dass sie diese so positiv bewerten.

Damit sind wir auch schon fast beim Thema A-Nationalmannschaft. Und dazu sage ich weiterhin nichts ;-)

Im Ernst: Ich muss jetzt erst einmal schauen, dass ich wieder fit werde. Und so lange meinem Team die Daumen drücken - schließlich will im Champions-League-Viertelfinale dabei sein :-).

Ich werde euch dann davon berichten...

Ciao,
Alex

 

 

 

 

 

 

Alexander Merkel, geboren am 22. Februar 1992 in Pervomayskiy (Kasachstan), ist eines der größten Mittelfeldtalente Deutschlands. Er wurde in der Jugend des VfB Stuttgart ausgebildet, bevor er 2008 in die Jugend des AC Milan wechelte. Bei den Mailändern debütierte er in der Saison 2010/2011 in der Serie A. Insgesamt wurde er in Milans-Meistersaison sechs Mal eingesetzt, bevor Milan im Sommer 2011 50 Prozent seiner Transferrechte an den FC Genua abgab und er dorthin wechselte. Inzwischen spielt er wieder bei den Rossoneri. Merkel durchlief seit der U 15 alle deutschen Junioren-Auswahlen.

Alexander Merkel im Steckbrief


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Serie A, 6. Spieltag


Die letzten Wochen waren turbulent für Alex Merkel. In seiner Kolumne schreibt er über die Milan-Rückkehr und seine Verletzung. Die Komplimente vom DFB freuen ihn besonders.

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