Donnerstag, 01.03.2012

Die Kevin Kuranyi Kolumne

"Grüne Socken? Eine Scheiß-Idee"

Kevin Kuranyi brach im Sommer 2010 seine Zelte in Deutschland ab und spielt nun für Dynamo Moskau in Russland. In seiner SPOX-Kolumne berichtet der 30-Jährige regelmäßig von seinen Erlebnissen im fernen Russland. Diesmal: Die größte Fehlinvestition seines Lebens, ein Anschi-Angebot und der heiße Saisonendspurt in Russland. Außerdem erklärt Kuranyi, wie die leidigen DFB-Schlagzeilen um seine Person zustande kommen.

Kevin Kuranyi wechselte im Sommer 2010 nach Russland zu Dynamo Moskau
© Getty
Kevin Kuranyi wechselte im Sommer 2010 nach Russland zu Dynamo Moskau

Hallo und priwet,

es ist mal an der Zeit, finde ich, hier ein paar wichtige Themen abseits des Fußballs zu besprechen. Die ganze Welt redet über Geld, oder eher über fehlendes Geld.

Hier geht's zu Kevin Kuranyis Facebook-Seite!

Das geht schon so weit, dass ich vor ein paar Tagen einem großen russischen Magazin ein Interview gegeben habe, in dem es ausschließlich um Geld ging (auf was Journalisten alles kommen...).

Die größte Fehlinvestition meines Lebens...

Jedenfalls hat mich mein Gesprächspartner gefragt, was denn die größte Fehlinvestition in meinem Leben war. Dabei hat er längst verheilte Wunden wieder aufgerissen.

Ihr kennt das sicher. Man glaubt, dass man eine tolle Idee hatte - und stellt im Nachhinein fest: Es war eine Scheiß-Idee. So war es auch in diesem Fall.

Beim Kauf war ich noch begeistert, doch als sich meine damaligen Mannschaftskollegen Horst Heldt, Fernando Meira und Marcelo Bordon in der VfB-Kabine - vor allen anderen - über mich lustig gemacht haben, wusste ich: Diese Investition war ein großer Fehler.

Liga geht in die heiße Endphase

Ich habe meine Lehren daraus gezogen: Das war das erste und letzte Mal, dass ich grüne Socken gekauft habe. Aber kommen wir zu einem weitaus wichtigeren Thema. Eines, über das in diesen Tagen ganz Russland spricht.

Am Wochenende ist es hier nämlich so weit. Nein, ich spreche nicht von der Präsidentschaftswahl, sondern von der Premier Liga. Die geht nach der Winterpause in die heiße Endphase. Und das ist neu hier. Anstatt in die nächste Saison zu starten, wird die Meisterrunde fortgesetzt.

Zur Erinnerung: In Russland wird der Spielplan angepasst. Hier wird künftig so gespielt, wie wir es in Mitteleuropa gewohnt sind: Start im Sommer, Ende im späten Frühjahr. Und die Überbrückungssaison, in der wir uns befinden, geht über eineinhalb Jahre.

Deshalb wurde vergangenen November nach Ablauf des "normalen" Ligabetriebs auch kein Meister gekürt, sondern die Liga geteilt - in die ersten und die letzten acht Teams.

Champions-League-Platz in Reichweite

Die Top 8 - unten denen wir uns als Dritter befinden - spielen die Meisterrunde, die unteren Acht die Abstiegsrunde. Punkte werden mitgenommen, gespielt wird im Modus "Jeder gegen Jeden" mit Hin- und Rückspiel. Ganz einfach, oder?

Die ersten zwei der 14 Meisterrunden-Spieltage wurden bereits absolviert - und wir stehen glänzend da. Mit nur einem Punkt Rückstand auf ZSKA (Platz zwei) und sieben Zählern hinter Tabellenführer Zenit sind wir auf dem Weg zu unserem Ziel voll im Plan.

Vor der Saison haben wir die Europapokalplätze angepeilt, jetzt ist vielleicht sogar mehr drin. Wir liegen nur hauchdünn hinter einem Champions-League-Platz.

Deshalb wollen wir voll attackieren. Die Chance auf den Titel ist zwar nicht mehr sehr groß - aber mit einem halben Auge schielen wir auch noch auf Platz eins.

Über 25 Millionen für Dzsudzsak und Noboa

Dass sich bei uns der ganze Klub nach vorne orientiert und nicht nach hinten schaut, zeigen unsere zwei Top-Neuzugänge in diesem Winter. Für Balazs Dzsudzsak (Anschi Machatschkala) und Christian Noboa (Rubin Kasan) hat Dynamo über 25 Millionen ausgegeben.

Ich kann dazu nur sagen: Das Geld wurde gut angelegt. Die beiden sind nicht nur gute Typen, sie spielen auch einen unglaublich gepflegten Ball. Ich bin sicher, dass sie uns weiterbringen.

Damit aber wirklich etwas aus unseren Zielen und Träumen wird, wäre es wichtig, gut zu starten. Und zum Auftakt kommt am Montag gleich einmal ein Schwergewicht zu uns ins Stadion: Anschi Machatschkala. Ihr erinnert euch?

Das ist der Klub, der sehr, sehr viel Geld in die Hand genommen hat, um Spieler wie Roberto Carlos und Samuel Eto'o zu verpflichten. Und da wir hier ja unter uns sind, kann ich euch verraten: Mich wollten sie vergangenes Jahr auch holen.

Wechsel kommt nicht in Frage

Ich habe aber nur ein freundliches Gesicht gemacht, mich bedankt und um Verständnis gebeten, dass ein Wechsel nicht in Frage kommt. Schließlich habe ich mit Dynamo noch einiges vor.

Meine Absage hatte aber nichts damit zu tun, dass Anschi bisher trotz aller Investitionen hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben ist. Vielleicht wurde auch deshalb im Winter ein sehr namhafter Trainer geholt: Guus Hiddink.

Ein klasse Coach und ein guter Typ. Na gut, ein klein wenig habe ich auch schlechte Erinnerungen an ihn. Aber fairerweise muss man sagen, er kann da nichts dafür.

Als ich 2008 beim Spiel Deutschland gegen Russland in Dortmund das Stadion verlassen habe, saß er nämlich als Trainer der Sbornaja auf der Bank...

So läuft das mit den DFB-Schlagzeilen...

Und wenn wir schon beim Thema sind: Nachdem es diese Woche wieder einige Meldungen gab, zum Schluss noch ein paar Worte zum Nationalteam. Ich weiß, ich weiß.

Einige von euch werden sofort die Augen verdrehen. Aber genau deshalb will ich euch kurz erklären, wie das so läuft - mit mir, der Nationalmannschaft und den Schlagzeilen.

Gerade jetzt, in der Zeit vor dem Saisonstart, gebe ich unzählige Interviews. Vor allem deutschen und russischen Medien. Das ist Teil der Show - und ich mache das auch immer sehr gerne. Aber jedes Mal werde ich dabei auf das Thema Nationalmannschaft angesprochen.

Als höflicher Mensch beantworte ich solche Fragen natürlich. Immer sehr zurückhaltend. Aber ich sage auch nie, dass ich mit dem Thema voll und ganz abgeschlossen hätte. Warum sollte ich das auch tun? Bundestrainer Joachim Löw und ich haben uns vor der WM 2010 ausgesprochen.

Die Jungs werden eine super EM spielen

Das hat er auch öffentlich so bestätigt - mit dem Zusatz, dass nur sportliche Gründe entscheiden. Und vielleicht gibt es diese sportlichen Gründe ja irgendwann wieder einmal. Aber zurzeit - und das sage ich immer dazu - ist die DFB-Elf kein Thema für mich.

Die Hoffnung werde ich dennoch nie ganz aufgeben. Was wäre ich auch für ein Fußballer, wenn ich nicht immer fürs Nationalteam spielen wollte!? Trotzdem heißt es am Ende dann wieder: Der Kuranyi bringt sich selbst ins Gespräch.

Aber mal ehrlich, die Fragen mürrisch abzublocken oder die Journalisten - und damit auch euch - anzulügen, sind für mich keine Alternativen. So, jetzt aber genug dazu.

Ich glaube, dass die Jungs eine super EM spielen werden - und konzentriere mich hier auf ein packendes Saisonfinale mit Dynamo. Selbstverständlich halte ich euch hier bei SPOX auf dem Laufenden.

Grüße aus Moskau,

Euer Kevin

 

 

 

 

 

Kevin Kuranyi, geboren am 2. März 1982 in Rio de Janeiro, gehört zu den besten Stürmern Deutschlands. Von 2001 bis 2005 spielte er als Profi für den VfB Stuttgart, danach wechselte er zum FC Schalke 04. Seit Sommer 2010 trägt Kuranyi nun das Trikot von Dynamo Moskau. Für die Nationalmannschaft war er bislang 52 Mal im Einsatz. Mehr Informationen über Kevin Kuranyi gibt es unter www.kevin-kuranyi.de

Kevin Kuranyi im Steckbrief


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Kevin Kuranyi klärt auf, wie das mit den DFB-Schlagzeilen um seine Person so läuft. Weitere Themen: Der heiße Saisonendspurt, ein Anschi-Angebot und die größte Fehlinvestition seines Lebens.

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